
Willi Nr. 180 - Februar 2010 |
Rückblick
„Schmitzophren“ - Ralf Schmitz im Festsaal
Ausverkaufte Vorstellung im Maxipark
Wer kennt ihn nicht, den kleinen quirligen Kerl? Manchmal nervt er ganz schön, aber immer mit einem „verschmitzten“ Lächeln auf dem Gesicht. Kürzlich war Ralf Schmitz zu Gast im Festsaal des Maxiparks, und zwar mit seinem neuen Programm „Schmitzophren - wer viel zu sagen hat . . . „ Es ist doch von Vorteil, wenn man aus dem TV bundesweit bekannt geworden ist (Die dreisten Drei / Schillerstraße), denn man hat auf seinen Tourneen volle Hallen. So auch in Hamm. Auf der Bühne stand eine große Leinwand, auf der zu lesen war: Fotografieren ist nicht gestattet, wer sich nicht daran hält, wird von uns auch fotografiert. Bitte die Handys ausschalten, wer sich nicht daran hält, wird von uns während der Show angerufen. Na, so geht’s doch auch, nicht immer nur mit diesen warnenden Verbotsschildern. Um punkt 20.00 Uhr, nach einem (auf der Leinwand zu sehenden, gehetzten Spurt durch die Katakomben des Veranstaltungshauses) stürmte der Spaßmacher auf die Bühne, und tat genau das, was wohl alle in den ersten Reihen sitzenden Zuschauer zu recht befürchten: Er kuckte sich mehrere Personen aus, deren Namen er sich merkte, um sie im Laufe der Show immer wieder anzusprechen, auf die Bühne zu holen und sogar in seine Darbietungen einzubinden. Nun, wer das vermeiden möchte, darf sich halt nicht in Sichtweite des Künstlers setzen.
Zunächst gab er uns einen Kurs in „Mama verstehen“. Aus eigenen Erfahrungen geschädigt, referierte Schmitz über die Eigenarten einer Mutter, die ihren Sohn zu Besuch hat, und ihn immer noch, selbst im fortgeschrittenen Alter, als ihr Kind betrachtet. Das kennen wir alle wohl auch selbst. Seine zweite Rolle war ein Arzt, der auf einem Kongress über Patienten mit einem Tourette-Syndrom vortrug, eine sprachliche Meisterleistung des Comedian, denn der Doktor litt selbst unter diesem Phänomen.
Dann musste das Publikum in der ersten Reihe wieder leiden. Der kleine Komiker begab sich nach unten, und quälte seine Gäste mit frechen Fragen, noch frecheren Bemerkungen und kam nicht selten in die Nähe der Gürtellinie, wie übrigens im gesamten Verlauf der Show. Aber nie anzüglich oder gar unverschämt, sondern stets mit dem, im wahrsten Sinne des Wortes, „verschmitzten“ Homor, der ihn so überaus sympathisch macht.
Claudia musste dann auch auf die Bühne und an einem Ratespiel teilnehmen, was den Künstler allerdings an den Rand des Wahnsinns brachte. Fast wäre er an seine Grenzen gestoßen, denn den zu erratenden Begriff „Prostituierte“ brachte die Zuschauerin nicht über die Lippen, obwohl sie ihn ohne Zweifel erraten hatte. Sie zierte sich minutenlang, fast wurde es etwas öde. Dabei hätte sie doch einfach nur „Nutte“ sagen müssen.
Eine absolute Meisterleistung des Komödianten war der Sketch „Der 90ste Geburtstag“. Das Stück von und mit Freddy Frinton, „Dinner for One“, wurde von Schmitz mit Originaltext, allerdings in deutsch, und mit Hilfe der Zuschauerin Hildegard (beeindruckend) perfekt in Szene gesetzt. Als verstorbene Dinner-Gäste saßen Hans Moser, Heinz Rühmann, Heinz Erhard und Rudi Carrell mit am Tisch, alle dargestellt von Ralf Schmitz. Ein köstliches Erlebnis.
Etwas ungehalten war (nicht nur) ich allerdings über den Umstand, dass der Zuschauerraum im Festsaal nach hinten hin nicht ansteigt. Ab Mitte des Saales etwa war die Bühne, und vor allem die Leinwand, die in der Show immer wieder eine große Rolle spielte, nicht mehr einsehbar. Das war sehr ärgerlich, zumal Schmitz sehr häufig mit optischen Mitteln arbeitete. Allerdings hat uns sein ununterbrochenes Plappern auch ohne Sichtkontakt ausreichend in Anspruch genommen.
„Hammer-Spitze“: Nette Begleitung
Drei Kinderärzte im Hoppe-Garden
Sie sehen sich selbst als Pop-Jazz-Kleinkunst-Trio, die drei Hammer Ärzte, die am Samstag, den 23. Januar im Rahmen der Konzert-Reihe „Hammer-Spitze“ in der Kulturwerkstatt auftraten. Bernward Kühnapfel, Schlagzeug und erster kinderchirurgischer Bass und Volker Mauck, Gitarre und zweiter pädiatrischer Tenor spielten bereits auch schon in der A-Capella-Combo „Die flotten Windpocken“ zusammen, und Mauck, Oberarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, textete Lieder wie das „Martin-Luther-Viertel-Lied“, „Ich will nach Hamm gehen“ oder „Hamm, du Stadt der großen Träume“. Als Dritter im Bunde spielte Martin Diercks, Kinderarzt in Walstedde, den Bass. Gesungen haben alle drei. „Nette Begleitung“ ist eine kleine Band, die in dezenter Lautstärke nette kleine Lieder spielt, mit Texten, die nachdenklich machen, melancholisch aber auch fröhlich.
Manchmal erinnern die drei Musiker mit ihrem musikalischen Stil an die Kapelle Petra. Nicht ganz so rockig, aber doch irgendwie. Das Konzert wurde im sogenannten A-Bereich des HoppeGarden durchgeführt, dort, wo auch die „Livingroom-Blues“ - Konzerte stattfinden. So saß man gemütlich an Tischen, kleiner Blumenschmuck mit Tulpen und Osterblumen sollten schon mal auf den Frühling einstimmen und die etwa vierzig Zuschauer sorgten für eine angenehme Atmosphäre. So war es sicher eine gute Idee, von der großen Bühne in den kleineren Bereich des Hoppe-Garden auszuweichen.
Zur Musik der „Netten Begleitung“ fällt mir vor allem eines ein: Nett. Die Lieder sind unauffällig aber nicht ohne Herzblut, die Texter haben sich aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Ärzte bedient. Sie schreiben Lieder über das Leben, die Melancholie und die Liebe. Das Publikum schaut sich fragend, zuweilen irritiert an. Es wird gelacht. „Tränen, lasst sie fließen . . . lassen grüßen“. Jedes ihrer Treffen mit Gitarre, Bass und Trommel ist für die drei Mediziner Therapie und Teil ihrer Strategie, zufrieden durch das Leben zu kommen. Unbeirrt von allen Strömungen der Musikszene verarbeiten sie in ihren Liedern auch Glücksmomente ihres Arztseins. Ein schönes Konzert der leisen Töne.
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