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Willi Nr. 181 - März 2010

Unterwegs mit Willi

Little Willie Littlefield - Piano-Legende boogiesierte Sauerland
Wie passen Texas und Menden zusammen? - Sehr gut, wenn es um Blues, Boogie Woogie, Jazz und Rhythm ’n Blues und wenn es um das Energiebündel Little Willie Littlefield, einen der letzten Vertreter des West Coast Blues Stil, geht! Es reichen einige seiner fantastischen Tiraden auf den 88 Tasten - sei es mit dem Handrücken, dem Unterarm oder der Spitze seines Schuhs gespielt, welcher während des Auftritts gut sichtbar auf dem riesigen Flügel geparkt wird und spontan im Konzertverlauf  über die Ebony and Ivory tanzt, während sein Fuß so frei den Takt klopfen kann. Unwei-gerlich hämmert - nicht erst nach „One Scotch, one Bourbon, one Beer“ von Amos Milburn, dessen Stil er verkörpert oder DEM berühmten „K. C. Loving“ (Kansas City) - jedes Besucherherz im Einklang mit dem seinen im Boogie-Woogie-Rhythmus.

Nach seinem fulminanten Auftritt zum 20. Jubiläum des HoppeGarden in Hamm im Oktober 2008 war der in El Campo geborene und seit einigen Jahren in Holland beheimatete legendäre King of Boogie Woogie, Little Willie Littlefield, welcher auf Festivals „round the world“ auch heute immer noch als DER Top-Act in diesem Genre angekündigt wird, wieder einmal in erreichbarer Nähe. Nachdem er seitdem unter anderem in den Staaten, Österreich, Schweden, Deutschland und den Benelux-Ländern aufgespielt hat  - gab er sich nach vier Jahren wieder in Menden im Sauerland die Ehre. Der wohl nie in die Jahre kommen scheinende, begnadete Pianist, Sänger und Entertainer führte rund 70 Gäste in der nach Wohnzimmer anmutenden Atmosphäre im Theater am Ziegelbrand am 30. Januar authentisch wie spaßig einen Abend lang durch SEIN Boogie-Wonderland.

Little Willie Littlefield: einer der ganz Großen der alten Garde des Blues und Boogie, welchem man seine 78 Lebensjahre nicht anmerkt, wenn er einen Hit nach dem anderen über die Tasten jagt, seinen unwiderstehlichen Charme mit dem ihm eigenen breiten Lächeln versprüht, spitzbübisch  Küsse  über die Handfläche ins Publikum verteilt, diesem mit rauchigem Bariton seine Ovationen zuteil werden lässt. Wenn sich heiße Rhythmen abwechseln mit wunderschönen Balladen, ein Genre dem anderen in ständigem Tausch - teils wie im Sturm über die Tasten gefegt - virtuos gegenüber gesetzt wird, fremde und Blues verwandte Musikstile verschmelzen, dann gleitet dabei auch ein mit einem Augenzwinkern performtes „Muss i denn zum Städtele hinaus“ keinesfalls in die Sparte Kitsch ab.

An diesem Abend durfte man bei Gehörtem und Gesehenem sehr wohl davon ausgehen, dass Willie, welcher bereits im zarten Alter von knapp   vier  Jahren  mangels vorhandenem Piano im elterlichen Haushalt schon den Küchentisch klopfend „rhythmisierte“ und mit „Little Willies Boogie“ mit 16 Jahren in Texas seinen ersten Hit hatte, sein Fach versteht und es schon lange perfektioniert hat. Nicht umsonst diente „It’s Midnight“ (Platz 3 der nationalen Charts) - erster von über dreißig von 1949 bis 1951 in Los Angeles für das Label Modern aufgenommenen Songs - angeblich Fats Domino als Vorbild für dessen typischen Triplett-Piano-Stil, machte den kleinen großen Willie über Nacht zu der Sensation, der lebenden Legende, als welche er heute noch in den Medien beschrieben wird. Erst im vergangenen Monat erschien er auf dem Bild-Titel eines schwedischen Musik-Magazins.

Das Einzige, das seinen teils aus dem Ausland angereisten Gästen, welche er nicht durch einen Konzertabbruch enttäuschen wollte, bewusst „entgangen wurde“ und daher auch im ersten Set - aufgrund der vorherrschend ruhigeren vorgetragenen Stücke - teil-weise fragendes Erstaunen auslöste, war: ein, sich kurz vor dem Auftritt ereignender, Unfall im Backstage-Bereich, bei welchem Willie eine umfallende Tür aus der Requisite empfindlich am Kopf traf. Aber auch die leisen Töne konnten die Liebhaber dieses Genres überzeugen! Und nach (s)einer Kühlphase in der „Halbzeit“ kam sie, die gewohnt heiße Phase für seine Gäste.

Dem im Halbbogen um den phänomenalen Altmeister am Flügel sitzenden, jedoch nicht gesetztem Publikum dürfte es jedenfalls bei seinem wieder unvergesslichen - den eisigen Winter vor der Saaltür aber schnell vergessen lassenden zweiten Teil seines Auftritts in Menden nicht nur recht warm ums Herz geworden sein… - der Meister, welcher ebenso gern in kleinem Rahmen wie vor Tausenden singt und spielt und der insgeheim sehr dem Genre Country geneigt ist (privat eine hervorragende Blues-Gitarre wie auch Harp spielt), gab - von triefend lässig bis messerscharf - Alles.

;-) ein gerade punktgenau gelandeter Anruf von Willie lässt den informativen wie seinerseits humorigen Nachsatz zu: die neue CD mit vielen neu geschriebenen Songs ist in Arbeit und demnächst könne er nicht nur Schuhspitzen, Löffel oder gefrorene Fische sondern nun wohl auch Türkanten ins „taktische“ Repertoire aufnehmen…
(© Christiane Prinz)

 

 
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