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![]() Willi Nr. 184 - Juni 2010 |
Ansichten einer AnachronistinLiebe WunderländerInnen! Ein großes Vorurteil hegte ich zum Beispiel bislang gegen den 3D-Hype. 3D, dachte ich, 3D, so ein Firlefanz, ich habe den ganzen Tag 3D, dank meiner paarig vorkommenden Augen. Es sind keine sehr guten Augen, aber für 3D reicht es gerade noch. Wo also, dachte ich, ist nun der Witz? Deshalb sträubte ich mich konsequent dagegen, in Avatar zu gehen. Das tue ich gern. Mit großer Leidenschaft verweigere ich mich Filmen, in die ALLE gehen. Dementsprechend war ich nicht in Titanic und auch nicht in Harry Potter. Merkwürdigerweise war ich allerdings in Twilight, wie konnte das passieren? Manchmal ist man sich ja selbst ein Rätsel, wie zum Beispiel wenn man morgens aus dem Haus geht und sich nicht mehr daran erinnern kann, den Herd ausgemacht zu haben. Beziehungsweise die Kaffeemaschine, den Herd hat man ja eher abends nicht ausgemacht, wenn man sich gerade eine Pizza erhitzte um wenig später zu einem Rendezvous aufzubrechen. Auf jeden Fall ist man urplötzlich, leider aber meist schon längere Zeit nach dem Weggang aus der Wohnung, fest davon überzeugt, ein gefährliches Elektrogerät nicht ausgeschaltet oder aber eine Kerze nicht gelöscht zu haben. Eine einzelne Kerze kann ganze Häuserzeilen verwüsten, Existenzen zerstören, Familien ausmerzen. Meistens hat man das Elektrogerät dann aber doch ausgeschaltet, obwohl man sich beim besten Willen nicht mehr an die Tat selbst erinnern kann. So ähnlich ging es mir mit Twilight. Da saß ich auf einmal im Kino, erblickte zahlreiche junge Mädchen, die alle meine Töchter hätten sein können, und fragte mich: Warum? Wo ich aber schon mal da war und bezahlt hatte, blieb ich und sah Edward dabei zu, wie er von Ast zu Ast hüpfte wie eine muntere Amsel, eine Drossel, ein Fink oder ein Star. Ich fand das kein vernünftiges Verhalten für einen Vampir, aber was will man machen. Mich hat ja mal wieder keiner gefragt, obwohl ich den Film sehr viel besser gemacht hätte, als Regisseur, klar. Doch ich wollte über 3D sprechen, wie mir soeben wieder einfällt. Avatar habe ich also verschmäht, Alice im Wunderland jedoch nicht. Alice im Wunderland sollte als Film aberwitzig, extravagant und wie eine Wahnvorstellung sein, das gefiel mir. Meine Vorurteile gegen 3D waren sofort wie weggeblasen und ich setzte mir unternehmungslustig die Kinobrille auf, wie alle anderen tausend Besucher. Es war leider sehr voll an jenem Samstagabend, und die Luft im Saal war schwül wie im Reptilienhaus. Ich wandte mich zu meinen Mitmenschen um und hätte gern ein Foto gemacht. Schade, dass man nicht gleichzeitig nach vorne, auf den Film, und nach hinten, auf die Leute, gucken konnte. Die Leute machen sich ja kein Bild davon, wie sie aus-sehen mit den Kinobrillen, wenn sie zu so vielen sind. Na ja, egal. Da fing auch schon der Film an. Zuerst kritisierte ich innerlich, dass man ein winziges Ideechen doppelt sah, wenn man, wie ich, nicht genau in der Kinomitte Platz genommen hatte. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich einfach rechtzeitig einem Menschen mit Paradeplatz in der Mitte mit der Popcorntüte eins übergebraten und mich seines Sitzes bemächtigt, während er ohnmächtig zu meinen Füßen die Vorstellung verschlafen hätte. Doch nun war es zu spät, es saßen dicht gedrängt lauter Zeugen um mich herum, das hätte alles nichts gebracht. Also nahm ich das Doppeltsehen widerwillig in kauf. Dann jedoch wurde es auch schon interessant. Ganz ohne Vorwarnung schoss man gemeinsam mit Alice in den Kaninchenbau hinab. Später kamen immer wieder Gegenstände auf einen zugeflogen, Schmetterlinge, Teetassen und so weiter. Wobei ich mir bezüglich der Teetassen nicht ganz sicher bin. Was aber lernen wir aus dieser Geschichte? Eigentlich nichts Spezielles. Aber wenn mir noch was einfällt, sage ich Bescheid. Dreidimensional, Ihre Bianca |