
Willi Nr. 185 - Juli 2010 |
Psycho-Beratung
Wie kann ich Sie helfen . . ?
Eine psychologische Lebensberatung von Dipl.-Psychol. Prof. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether-Mueller-Vothknecht
Erst muss ich mal was loswerden . . .
In der letzten Zeit haben sich immer wieder prominente Politiker zu Wort gemeldet, und Abfälligkeiten über das deutsche „Prekariat“ abgesondert. Erstmal hat Münte den Begriff geprägt, um die früheren Bezeichnungen „asozial“ oder „Unterschicht“ etwas abzumildern. Nicht zuletzt auch in der Annahme, dass die Hälfte der Bevölkerung mit dem Wort „Prekariat“ gar nix anzufangen weiß. Dann nannte der „Herr“ Clement die Hartz-IV-Empfänger „Abzocker“, ein gewisser „Herr“ Sarrazin meinte zudem, locker von der Stütze leben zu können (was er aber vermied, zu versuchen), und dass die Bezieher auf hohem Niveau jammern. Wohl gemerkt, alles SPD-Leute. Später wollte der „Herr“ Westerwelle die „Hartzer“ zum Schneeschippen rekrutieren, um zeitgleich den Mehrwertsteuersatz für die notleidende Hotel-Branche auf sieben Prozent zu senken. Nun hat sich, laut Video-Text bei NTV, der ehemalige CDU-General Fritz Merz zu Worte gemeldet. Er wollte die Langzeitarbeitslosen zum Arbeitsdienst heranziehen, und endlich die „Vermehrungsprämie“ abschaffen. (Ich denke mal er meinte das Elterngeld) Ok, wenn durch die Streichung vom Kindergeld, oder Elterngeld, oder der Vermehrungsprämie solche Gestalten wie Clement, Sarrazin, Westerwelle, Merz, dazu Schröder und (eigentlich auch) Münte und Steinmeier - und da fielen mir viele weitere ein - verhindert werden könnten, sollte man darüber nachdenken.
(Ab jetzt: Maulkorb, liebe Frau Professor! d. Red.)
Frau Waltraud Bischof schrieb:
Liebe Frau Professor,
Ich bin fußballgeschädigt, man kann sogar sagen, fußballbeschädigt. Ich erkläre es Ihnen. Mein Mann ist begeisterter Fußball-Fan, und in den Zeiten der „WM-2010“ nimmt das Ausmaße an, die mich äußerst besorgt machen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mache mir keine Sorgen um meinen Gatten, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Ich sorge mich um mein eigenes Wohlbefinden, um meine Gesundheit, denn mein Harald kuckt Fußball im Fernsehen. Er kleidet sich jeweils im Outfit der von ihm bevorzugten Mannschaft, die er sich vor jedem Spiel aussucht. Bei deutscher Beteiligung ist natürlich klar, dass er für seine Jungs die Daumen drückt. Bei den anderen Partien studiert er jeweils die Ergebnisse aller Spiele, um herauszufinden, wer wie hoch gewinnen - oder verlieren - muss, damit die Löw-Truppe möglichst ohne viel Risiko weiter kommt. Für die Mannschaft, die der unseren also durch Verlieren oder Gewinnen dienlich sein könnte, macht er dann unerträglichen Lärm. Natürlich hat er sich auch eine Venezuela gekauft (Richtig: Vuvuzela, auch Setswana oder Lepatata genannt. Symbol des südafrikanischen Fußballs. d. Red.), aber damit kommt er nicht klar. Ich habe ihm das zwar gezeigt, weil ich mich mit blasen auskenne, aber er kriegt keinen Ton heraus, was ich allerdings sehr begrüße, denn das unentwegte Getröte während der Spiele geht mir dermaßen auf den Keks, dass ich mir immer Kaugummi in die Ohren stecke, um es etwas abzudämpfen. Nein, mein Gemahl hat sich mit Fahrradhupen eingedeckt, diese Dinger, auf die man drücken muss, um damit tückisch-laute Töne zu erzeugen. Das kann er wie kein zweiter. Ich meine, durch kräftiges Drücken Töne erzeugen - und Gerüche übrigens. Aber ich schweife ab. Mein Kaugummi kann diese Geräusche nur unzureichend mildern, also nehme ich das ein oder andere Gläschen zu mir. In der Vorrunde reichten mir sechs oder sieben „Kleine Feiglinge“ danach war ich knülle, und mit mir und der Welt im Reinen. Zum Anfang des Achtelfinales waren zusätzlich sechs Kabänes-Ekelbitter nötig, die mir die nötige Aggressivität lieferten, gegen meinen Gatten und seiner bevorzugten Mannschaft zu opponieren, später auch zu pöbeln. Inzwischen benötige ich darüber hinaus vier Mariacron mit Fanta, welche mich in einen, zugegeben angenehmen, Zustand der Prügelbereitschaft zum Nachteil meines Mannes versetzten. Nur, der versorgt sich während der Spiele mit Bier und Doppelwacholder, was ihn dazu veranlasst, sich zu verteidigen. Das wiederum missfällt mir außerordentlich, denn das bin ich nicht gewohnt. Also werde ich, spätestens zum Viertelfinale, obendrauf noch ein paar „Racke Rauchzart“ geben. Das alles zusammen wird wohl eine Mischung ergeben, die die Manneskraft meines Gatten bezwingen kann. Ich hoffe nur, dass dadurch mein Urteilsvermögen nicht beeinträchtigt wird, denn ich bin vorsitzende Richterin am Amtsgericht Dülmen-Nord. Allerdings macht mir meine Gesundheit, wie ich eingangs erwähnte, weit mehr Sorgen. Was denken Sie, Frau Pschüscholloinn (Psychologin. d. Red.) wie lange kann man saufen, ohne körperlichen Schaden zu erleiden?
Liebe Frau Bischof,
wie ich aus Erfahrung durch die Lebenssituation meines eigenen Gatten weiß, kann man jahrzehntelang saufen, ohne erkennbaren körperlichen Schaden zu nehmen. (Weitere Beispiele: Juhnke, Sinatra, Mixa, Knappkorte, Dean Martin etc.), der geistige Defekt aber tritt weitaus früher ein, was ich bei Ihnen schon deutlich zu erkennen vermag. Zugegebenermaßen ist Ihre Betätigung als Amtsrichterin in diesem Zustand etwas heikel, allerdings wären Sie in Berufen wie Politesse, Verkäuferin, Reinigungskraft oder Politikerin weitaus weniger tragbar.
Herzlichst, Ihre Reni.
PS. Politikerin streichen wir.
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