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Willi Nr. 203 - Januar 2012

Psycho-Beratung

Wie kann ich Sie helfen . . ?
Eine psychologische Leserverbratung von Dipl.-Psychol. Prof. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lamm-koether-Mueller-Vothknecht

Liebe Frau Dr. Lammköter,
Weihnachten ist vorbei, gottseidank! Schon als Kind fand ich dieses Fest „der Liebe, der Freude und Barmherzigkeit“ ätzend, denn als Christkind erschien mir immer unsere Nachbarin, Frau Glaremin. Sie konnte sich verkleiden, wie sie wollte, als Weihnachtsmann (in Rot mit weißem Kragen), als Knecht Ruprecht, im Schlepptau des Weihnachtsmannes, der auch dann und wann von Herrn Köckmann gegeben wurde, oder auch als Christkind, in weißem Kleidchen, mit angehefteten Flügeln auf dem Rücken. (Die Dame war über siebzig). Immer erkannte ich sie auf Anhieb, da konnte auch der Bart nix bewirken, denn den trug sie auch im wirklichen Leben. Außerdem interessierten mich ohnehin nur die Geschenke, das Essen, und - die Süßigkeiten!! Diesen Schnickschnack nebenbei, inklusive Weihnachtsgeschichte, habe ich immer abgelehnt. Ich war schon als Kind der Meinung, dass die „Jungfrau Maria“ ihrem Josef einfach nur Hörner aufgesetzt, und ihm ein Kuckucksei ins Nest, bzw. in die Krippe gelegt hat. Von wegen „unbefleckte Empfängnis“, das Gegenteil war wohl der Fall.  Sei´s drum, jeder mag glauben, was er möchte, ich glaube an die Völlerei zu Weihnachten.

Das fängt schon vier Wochen vorher an, wenn meine Frau all die leckeren Sachen einkauft. Die herrlichen Dominosteine, die göttlichen Schokoladenfläschchen, mit Eierlikör gefüllt, die Nikoläuse aus Mintschokolade, oder die Printen, Marzipankartoffeln und Spekulatius. Meine Gattin hat für diese Sachen ein sicheres Versteck gefunden, glaubt sie. Aber ich habe es auch gefunden. Und so schleiche ich mich heimlich an, um zu naschen. Immer nur ganz wenig, damit es nicht auffällt, aber oft genug, dass es dann doch auffällt, wenn nix mehr da ist. Das geht dann so bis zum Feste. Erst dann geht meine Liebste an das wirkliche Versteck, und füllt unsere Weihnachtsteller.

Doch nicht nur dieses Naschwerk muss ich in mich reinstopfen, denn auch unsere Eltern versorgen uns mit Süßigkeiten und selbstgebackenen Plätzchen. Auch die muss ich verzehren, was meinem Normalgewicht Paroli bietet. Zum Jahreswechsel habe ich dann nicht nur drei bis vier Kilo zugenommen, sondern auch stets den guten Vorsatz, ab dem 2. Januar mit all diesem Übermaß aufzuhören. Das gelingt dann auch meistens, allerdings führt das auch dazu, dass ich bis zum 1. Januar alle Vorräte alleesse, wie man bei uns in Hamm sagt, denn leckere Sachen weg zu werfen, ist eine Todsünde. Noch sündhafter, als die Völlerei.

Auch bei unseren Kindern steht der Weihnachtsgedanke nicht im Vordergrund. Bei ihnen, zwei Jungs im Alter von 10 Jahren (also Zwillinge, eineiige, also nicht, dass sie nur ein Ei . . .) sind die Geschenke das Wichtigste. Und da die beiden sich naturgemäß sehr ähnlich sind, müssen sie auch absolut gleichwertig beschenkt werden. Im letzten Jahr bekamen sie von mir und meiner Gattin unter anderem, je ein Modellauto aus Kunststoff. Die Türen, Motorhaube, Kofferraum und Verdeck ließen sich öffnen.

Also kein billiger Kram aus China, sondern ein hochwertiges Produkt aus dem Fichtelgebirge. Und damit die lieben kleinen die Fahrzeuge auseinander halten können, bekam Kevin ein blaues, und Torben ein rotes Auto. Aber sonst absolut gleich. Sie betrachteten argwöhnisch ihre Gaben, und nörgelten, weil Kevin lieber das rote, und Torben lieber das blaue Kfz gehabt hätte. Schließlich prügelten sie sich unter dem Tannenbaum, bis das Blut floss. Wir haben ihnen dann nicht gesagt, dass wir im Keller noch je ein Fahrrad für sie hatten, ein blaues und ein rotes. Damit warten wir, bis sie etwas reifer geworden sind.

Obwohl, in diesem Jahr kam zum Feste mein Bruder aus den USA zu Besuch, und auch wir hatten da so unser Problem: Seine Frau ist blond, meine  brünett . . . !
Weihnachten ist doch einfach ätzend, oder, was meinen Sie?
Herzlichst, Ihr
Ulrich Ludwig von Bardewasser, Hamm

Hallo Herr von und zu Bardewasser,
natürlich empfindet man als Erwachsener das Weihnachtsfest nicht mehr so, wie man es als Kind erlebt hat, das ist wohl wahr. Dass Sie allerdings als Knabe bereits so abgebrüht waren, und den eigentlichen Gedanken dieses Festes aller Feste so heftig ablehnten, ist bedauerlich. Zum Glück empfinden die meisten Menschen das anders. Für sie heißt Weihnachten: Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Demut, Wahrhaftigkeit. Unsere Repräsentanten, die unser Volk vertreten, gehen doch mit gutem Beispiel voran, erst recht zu dieser besinnlichen Jahreszeit. Das wünsche ich mir auch von Ihnen, lieber Herr von und zu!
Liebe Grüße
Reni

 

 
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