Psycho-Beratung

Mein Mann vernachlässigt mich

Eine psychologische Lebensberatung von Dipl.-Psychol. Dr Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether

Liebe Frau Rüpelsonja-Psycholamm,
ich, (46 J.) bin seit 22 Jahren mit meinem erheblich jüngeren Mann (45 J.) verheiratet, sein Name ist Friedrich, aber alle nennen ihn Fiffi. Wir haben uns prima verstanden, eine lange Zeit lang, bis er seinen Beruf als Sanierungsassistent aufgeben mußte, wegen intellektueller Unterforderung.
Seitdem vernachlässigt er mich, und wir sehen uns kaum noch. Ich bin den ganzen Tag als Vertreterin für Gummipapageien unterwegs, und wenn ich um 17.00 Uhr nach Hause komme, hängt mein Gemahl bereits in der Kneipe herum. Er liegt bis Mittags im Bett, dann frühstückt er in Ruhe, sieht fern, badet ausgiebig und läßt es sich gutgehen, doch wenn ich komme - er hängt in der Kneipe herum.
Und was für eine Kneipe das ist, nur arbeitsloses Pack und Rentner, also Leute mit Zeit und Geld, die nichts anderes zu tun haben, wie Kartenspielen und saufen. Und mein Fiffi ist immer dabei.
Natürlich habe ich so meine Spitzel, die mir Bericht erstatten, zum Beispiel Holger, den Neffen meiner Nachbarin. Der ist schwul und steht auf alte Männer. Der sitzt auch immer in dieser Pinte herum, und hat mitgekriegt, wie es kürzlich zu einer Klopperei gekommen ist. Da bringt doch einer dieser alten Säcke gezinkte Karten mit und hat beim Pokern beschissen. Die anderen haben das bemerkt und dem Typen einen Satz warme Ohren verpaßt.
Mein Fiffi hatte nichts damit zu tun, aber was tut der? Er mischt sich ein und prompt kommt er mit einem blauen Auge nach Hause.. Kürzlich waren die Bullen zu Gast in der Kneipe, mein Fiffi hatte sie gerufen, weil eine ältere Gästin, die ,,Mühlentropfen-Gertrud", meinte, sie müßte die Stimmung mit einer Strip-Einlage ankurbeln. Alle, bis auf Holger, waren begeistert, aber was tut mein Gatte - er ruft nach dem Arm des Gesetzes. Was muß der sich denn da reinhängen? Bei mir hat er sich schon lange nicht mehr reingehängt, ich glaube, wenn wir Kinder hätten, wäre alles anders.
Auch Sonntagmorgens, an meinem einzigen freien Tag, ist Fiffi in seiner Pinte. Da spielt nämlich zum Frühschoppen immer eine Kapelle, die ,,Schickertaler Kammerjäger", eine Zwei-Mann-Combo mit Akkordeon und Schlagzeug. Man muß schon sehr besoffen sein, um das auszuhalten.
Aber diese Voraussetzung erfüllen natürlich die Gäste, und mein Fiffi auch. Und wenn er dann nachmittags gegen 15.00 Uhr nach Hause kommt, ist er voll wie ein Schwamm und legt sich sofort ins Bett und schläft, und die ganze Bude stinkt nach Jägermeister.
Nun gut, er bringt dann die Wocheneinnahmen mit nach Hause, und das ist eine ganze Menge, aber das ersetzt mir doch nicht mein Familienleben, oder? Ach so, ehe ich es vergesse, meinem Mann gehört die Kneipe, er ist der Wirt. Was soll ich nur tun?

Heidi Probeurin, Bockum-Hövel


Liebe Heidi,
Sie haben sich vor 22 Jahren entschieden, mit diesem Mann durchs Leben zu gehen, das ist immer ein Risiko. Überhaupt ist es immer ein Risiko, mit einem Mann durchs Leben zu gehen. Aber wenn man sich einmal gebunden hat, muß man auch in allen Lebenslagen zu seinem Partner stehen. Nicht immer regnet es Rosen vom Himmel, nicht immer scheint die Sonne und nicht immer duftet es nach Veilchen. Manchmal regnet es auch Gülle und manchmal stinkt die ganze Bude nach Jägermeister. Lassen Sie ihrem Gemahl seinen verantwortungsvollen Beruf, reden Sie ihm nicht hinein. Er hat bestimmt nicht ohne Grund den sicheren Job als Sanierungsassistent aufgegeben, um dann in einem Dienstleistungsbetrieb Dienst am Menschen zu tun. Dienst an Menschen, die in unserer Gesellschaft benachteiligt sind und um die man sich kümmern muß.
Da heißt es schon, Opfer zu bringen, das ein oder andere ,,Veilchen" in Kauf zu nehmen, oder auch schon mal einen Rausch nach Hause zu tragen. Unterstützen Sie Ihren Gatten mit Ihrem Verständnis. Und wenn Sie sich langweilen sollten, gehen Sie doch auch ins Gaststättengewerbe. Ich kenn' da ein Lokal, das sucht immer nette Damen . . .
Herzlichst, Ihre Reni

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