Kunst

Osman Bol

ein Zeichner der Welt

“Schreib mal was über Osman Bol, der hat die Telefon-Nummer...” - so oder doch so ähnlich hört es sich an, wenn ein Anruf kommt, und WILLI mal wieder das Trüffelschwein für die heimische Kunstszene abgibt und andere folgen. Solchermaßen dürftig ausgestattet, erwartet den Besucher ein bestens vorbereiteter Künstler, der zunächst durch verbindliche Freundlichkeit und Zuvorkommenheit besticht.

Osman Bol, Jahrgang 1966, zeichnet seit seinem neunten Lebensjahr, als er im Krankenhaus die Illustration eines “Pippi Langstrumpf” - Kinderbuches zunächst abpauste, dann aber das soeben gezeichnete aus dem Kopf und ohne Hilfsmittel wiederum zeichnen konnte, zum Vergnügen einer entzückten Kinderkrankenschwester. Hierdurch ohne Zweifel angespornt, machte er als Autodidakt weiter und bestritt in der Zwischenzeit nun auch einige Ausstellungen, insbesondere mit den “Heessener Künstlern”, aber auch in der weiteren Region.

Aufgewachsen in Deutschland, aber auch eingebunden in der Tradition seines türkischen Elternhauses, hat Osman Bol für sich die Chance genutzt, das Beste aus beiden Kulturkreisen zu erkennen und zu nutzen, aber bei beiden auch an Kritik nicht zu sparen. Das Thema ist immer der Mensch, sind die Menschen in ihrem sozialen Umfeld. Bei der Beschäftigung mit den Menschen an sich, mit den verschiedenen Rassen lebt Osman Bol auf, “blüht” auf, wie er selbst zugibt.

Reisen in die USA, speziell New York, festigen sein Engagement für “den Menschen”, was sich letztendlich auch in einer eher linksorientierten politischen Weltansicht äußert.

Edward Hopper, der amerikanische Illustrator und subtile Darsteller menschlicher Isolation und Entfremdung, wird denn auch “vergöttert”. Dessen zur Stilisierung neigender Realismus findet sich auch bei Osman Bol, der sich nach Aneignung verschiedenster Zeichen-Stile demnächst logischerweise auch der Fotografie zuwenden will. Nach einer Tischler-Lehre und Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten u. -Kaufmann soll nun erst einmal das Fachabitur abgeleistet werden. Von der Kunst leben - soweit gehen die Wünsche des Künstlers nicht. Jedoch ohne finanziellen Druck arbeiten zu können ist schon ein Ziel.

Kunst heißt, sich mit handwerklich gekonnten Mitteln sehr persönlich ausdrücken zu können. Von bedeutungsschwangeren “Kauderwelsch” hält Osman Bol nichts. Auch im Kontakt mit anderen Künstlern ist er sparsam: Jeder macht seine Arbeit, jeder soll seine Persönlichkeit zum Tragen bringen. Daher steht auch ein fertiges Konzept am Anfang eines jeden Werkes; Absicht und auch Titel sind zu Arbeitsbeginn festgesteckt. Mensch und Kommunikation gemeinsam mit handwerklichem Können sind die Themen des Osman Bol, und diese Dinge kann man bei einem Besuch in Heessen auch wiederfinden.

Und das Trüffelschwein habe ich in diesem Fall gern, sehr gern abgegeben... (mt)