Damit zusammenwächst, was zusammengehört, bedarf es noch vieler Reisen und Gespräche hin und her, von hüben nach drüben, von drüben nach hüben, z.B., um eine der von hier aus bequemsten und zugleich schönsten Fahrten zu nennen, nach Erfurt, in das Herz Thüringens. Die Deutsche Bahn AG hält einen übersichtlichen Fahrplan bereit, der die durchgehenden Züge nach Erfurt ausweist; also das Auto zu Hause lassen. Fahrplanbeispiel: ab Hamm 10.22 Uhr, Erfurt an: 13.53 Uhr. Kurz vor Erfurt vor der Durchfahrt von Eisenach, bei unserem Fahrplanbeispiel gegen 13.00 Uhr, zeigt sich in Fahrtrichtung auf der rechten Seite aus dem Wald herausragend die Wartburg. Kein Umsteigen. Der Zug geht übrigens weiter über Weimar bis Chemnitz. Also wohlgemerkt: PKW zu Hause lassen. In Erfurt ist Straßenbahnverkehr alle paar Minuten in alle Richtungen. Zur Übernachtung stehen zahlreiche Pensionen und gute Hotels bereit.
Wir sind hingefahren, meine Frau und ich, für eine ganze Woche. Gewohnt haben wir direkt neben dem Bahnhof im Inter-City-Hotel für 94,00 DM das Doppelzimmer mit Frühstück plus Fahrkarte zum Gratisfahren mit der Straßenbahn für die ganze Woche, so oft und so weit man will, innerhalb Erfurts. Wir sind alle vier Enden Erfurts angefahren mit der Straßenbahn. Es hat Spaß gemacht, und wir haben viel gesehen, z.B. den Zoopark, wunderschön angelegt, lediglich die Wildkatzen fehlen. Sonst ist alles da, was ein Zoo zu bieten hat. Im Sommer gibt es mitten in Erfurt auf dem Domplatz noch eine besondere Sehenswürdigkeit zu bewundern: auf der riesigen Treppenanlage Freilichttheater mit überragender Qualität. Wir sind hingegangen und haben Das große Welttheater des Spaniers Calderon de la Barca gesehen. Wirklich klasse auch für den verwöhntesten Liebhaber von Freilichttheater. Die Thüringer Theater sind Prunkstücke in der vielseitig ausgeprägten deutschen Theaterlandschaft. Erfurt hatte für die Aufführung unter freiem Himmel alles aufgeboten, was ein Mehrspartentheater zu bieten hat: ein ausgezeichneten Ensemble, den ganzen Opernchor, das Ballett und das Orchester in voller Besetzung.
Wer will, macht noch einen Abstecher in das nahe Weimar, die Stadt der Dichter-
fürsten Goethe und Schiller. Goethes Gartenhaus im Schloßpark ist noch zu besichtigen. Wir haben einen Blick hineingeworfen. Leider ist von der Einrichtung nicht mehr viel geblieben, zu wenig, um die frühere Zeit vorstellbar zu machen. Da ist leider irgendwann geschludert worden. Trotzdem ist das alte Fürstenstädtchen immer noch eine Reise wert.
Übrigens, überall kann man Aufbruchstimmung spüren. Überall wird oder ist bereits instandgesetzt bzw. saniert. Auch die Gastronomie richtet sich ein und paßt sich dem Reiseboom an. Aber schon jetzt findet man etwas für jeden Geschmack, zum Beispiel beim Griechen am linken Domplatzzipfel oder vielleicht ein paar Ecken weiter in einem der zahlreichen Kleinlokale der Altstadt oder im Restaurant zum Domplatz mit guter deutscher und speziell thüringischer Küche.
Natürlich gibt es auch überall Leute, die die alten Zeiten herbeisehnen. Bis sich das ändert, müssen wohl noch zahllose Reisen stattfinden und natürlich Gespräche. Auch deshalb unser Vorschlag: Fahren Sie mal hin, lieber WILLI-Leser. Wenn Sie Fragen haben, die Touristik-Information in Erfurt (Tel. 0361/5626267) beantwortet alle Fragen und hilft Ihnen gern weiter, schickt Ihnen auch Infos. Uns hat das Büro jedenfalls bestens geholfen.
So, so meinen wir, um bei dem Wort von Willi Brandt zu bleiben, wächst zusammen, was zusammengehört, und setzen hinzu: allmählich.