Zum Todestag des berühmten Hammer Komponisten Jupp von Pocha hat André Schörnig recherchiert und einige, weder bisher bekannte noch bisher veröffentliche Details aus dem Leben des berühmten Künstlers, exklusiv für WILLI, zusammengestellt. Hier seine Biografie:
Diesmal beginnt unsere Geschichte im vorletzten Jahrhundert, kurz nachdem Maria ihre erste Kneipe hier aufgemacht hat, und sie handelt von dem leider recht unbekannten, aber für die Musikgeschichte dennoch wichtigen Komponisten Jupp von Pocha.
Pocha wurde lt. Aufzeichnungen am 13. Februar 1763 hier in Hamm geboren, obwohl ich eher annehme, daß es 1745 war, da seine Mutter 1763 schon 13 Jahre tot war. Der junge Jupp verlebte eine ärmliche Kindheit. Bereits mit vier Jahren half er seinem Vater auf dessen Bauernhof beim Schafe hüten. Es gab zwar nur ein Schaf (und dann auch noch ein schwarzes), doch der ehrgeizige Junge bemühte sich, seine Arbeit gut zu machen und bekam nur gelegentlich, ein bis zweimal am Tag, den Marsch geblasen, was wahrscheinlich seine Liebe zur Musik weckte. Entweder war das der Grund, oder die Tatsache, daß sein Vater perfekt Wasserpfeife spielen konnte. Jupp's Eltern erkannten die Begabung ihres Sohnes schnell, doch da sie sich kein Instrument leisten konnten, ermutigten sie den Jungen auf dem Schaf zu spielen, welches Jupp dankte, indem es zwei Jahre später, nach dem ersten kompletten " Allegro con spirito" entschlief.
Die nächsten zehn Jahre war er gezwungen, sein musikalisches Talent damit zu schulen, an sich selbst zu spielen, bis er mit 15 seine Schwester heiratete und diesem Treiben überdrüssig wurde. Zwei Jahre später jedoch sehnte er sich danach zurück und flüchtete nach Dormagen, wo er beim zuständigen Vogt um Asyl bat. Als er auf die Frage warum er denn Asyl brauche antwortete, wurde der Vogt so zornig, daß er befahl, Jupp am nächsten Morgen an den Strick zu hängen. Nur seiner Gerissenheit war es zu verdanken, daß er diesem Schicksal entkommen konnte.
Um Punkt sechs Uhr erschien der Henker mit seinem Lehrling im ersten Lehrjahr und gemeinsam führten sie ihn zum Galgen. Eine riesige Menschenmenge war erschienen, die sich erst dezimierte, als Jupp sein letzter Wunsch gestattet wurde, "Paganini" zu singen. Die Zeremonie dauerte ziemlich lange, da der Esel, auf dem der angebundene Jupp saß, jedem Bitten zum Trotz einfach stehenblieb, und der Vogt hatte Probleme, sein eingefrorenes Lächeln beizubehalten. Doch nach zwei Tagen war es schließlich soweit, als irgend jemand aus dem Publikum das Wort "Nußtorte" aussprach. Der Esel bewegte sich vorwärts, jedoch so gemütlich, daß es ein harter Tod für Jupp gewesen wäre, hätte er nicht einen genialen Trick angewandt. Er spannte, kurz bevor der Henker ihn bat, sich den Frack zu richten, einfach die Halsmuskeln so stark an, daß sie dicker als sein Kopf wurden. Dem Henker erzählte er, er hätte "einen Hals gekriegt" als er gehört hatte, daß er gehängt werden sollte. - Daher das Sprichwort.
Als die Feierlichkeiten nach drei Tagen schließlich vorbei waren, und alle Schaulustigen den Marktplatz verlassen hatten, entspannte Jupp seine Muskeln langsam und glitt so aus der Schlinge. Damit sein Verschwinden nicht sofort aufflog, erhängte er schnell den Dorftrottel, tauschte mit diesem die Kleidung und verschwand ins Exil in den Nachbarort.
Hier schrieb er in nur einer Woche eine Sonate und etwas bei dem er sich nicht entscheiden konnte, ob es eine Oper oder eine Operette war. Da die meisten anderen Musiker eher noch dem unpopulären Jazz zugetan waren, erzielte Jupp ungeahnte Erfolge auf seinen ersten Open-Air-Festivals. Jupp von Pocha hatte einen Namen.
.Nach einigen Jahren bekam er die Sorge, möglicherweise nur noch zehn Jahre, zwei Monate und drei Tage zu leben, und er beeilte sich, wenigstens noch zwei geniale Operetten zu schreiben und ab und zu ein paar kleine Konzerte zu geben. Jupp schaffte es fünf Minuten vor der Frist, die zweite Operette fertigzustellen, und als er zwei Stunden später immer noch überlegte, ob es nicht vielleicht doch eher eine Oper war, freute er sich so zu leben, daß er eine dritte Operette begann. Seine Unvollendete, denn er ist kurze Zeit später gestorben. Leider besteht sie nur aus einer einzigen Note, einem fis.
Ich liebe sie.
André Schörnig