Reportage

Fortsetzung der Reportage aus WILLI 23 - Laienkomparse - Was für ein Abenteuer

15.11.96 - Komparse - Schloß Heessen

Inzwischen hat es noch einmal einen Castingtermin gegeben, bei dem speziell ältere Damen und Herren gesucht werden, welche Eltern der Internatsschüler darstellen sollen. Diesmal bin ich auch zugegen, nur auf etwas älter getrimmt, mit Haaren hochgesteckt, und so. Ich werde als Lehrerin engagiert, leider wieder keine Rolle sondern Komparsin. Bei diesem Casting werden wir (eine Freundin und ich) dokumentarisch für RTL per Videokamera festgehalten, es soll, wie man uns mitteilt ein Dokumentarfilm über Komparsen gedreht werden, parallel zu den Filmaufnahmen. Meine Freundin bekommt eine "sogenannte" kleine Rolle. Sie darf die Französischlehrerin spielen, ich eine Komparsenlehrerin. Termin wie genannt, und wir sollen alle in dezenter aber farbiger Kleidung erscheinen.

Beim Eintreffen im Schloß erfolgt zunächst eine Einweisung durch Frau Schroth, die uns auch diesmal wieder betreut. Dann wird von der Kostümbildnerin die Kleidung durchgescheckt, diese wird für gut befunden, und die Kleiderfrage für den nächsten Tag durchgesprochen. Erstmal ist wieder warten angesagt, denn die Szenen mit den Hauptdarstellern im Schloß dauern doch länger als vorgesehen. Inzwischen machen wir Komparsen es uns im Gewölbekeller bei Saft und Mineralwasser gemütlich und lernen uns näher kennen. Einige hatten schon Komparsenerfahrung und würden es immer wieder tun. Andere sind enttäuscht über ihren sehr kurz ausgefallenen Auftritt, oder darüber nicht entdeckt worden zu sein. Für mich selber ist es ja schon der zweite Komparsentag. Gegen 16.15 Uhr werden gerade die Außenkameras ab- und umgebaut. Frau Schroth verkündet uns, daß wir um 17.15 Uhr dran sind.

Filmleute essen viel Bananen, wie ich an dieser Stelle einfach mal einwerfen muß. Um 17.15 Uhr werden wir zusammengetrommelt und gehen in den Frühstückssaal des Schlosses. 60 lärmende Kinder, die Scheinwerfer blenden. Wir werden als Lehrer/innen den Hauptdarstellern an einer langen Frühstückstafel zugewiesen und sollen der Direktorin des Internats während ihrer Rede applaudieren, mit ihr aufstehen und beten (Vater unser), uns setzten und mit dem Frühstück anfangen, ohne zu frühstücken.. Diese Szene erweist sich als sehr schwierig und muß laufend wiederholt werden. Entweder sind die Lichtverhältnisse nicht normal, oder die Kinder beten falsch, oder irgend jemand macht eine falsche Bewegung. Die Szene, im Film ca. 30 Sekunden lang, ist nach 1½ Stunden endlich im Kasten. Dann geht es weiter mit der nächsten. Diesmal ist eines der Kinder dran, gefilmt wird in Großaufnahme.

Besonders konzentriert sind die Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, da muß der Regisseur schon mal ein freundliches Machtwort sprechen. Verblüffend ist immer wieder, wie schnell die Kameraleute und ihre Assistenten, die große Kamera auf Schienen hin und her verlegen. Zum Schluß ist unser Lehrertisch noch einmal dran, diesmal dauert es aber nicht so lange und gegen 20 Uhr haben wir es geschafft. Nun noch die Auszahlung, pro angefangener Stunde 10,- DM, und ab gehts nach Hause.

Mein Resümee aus diesen Tagen:

Wer als Komparse tätig sein will, muß schon große Vorliebe für die Filmschauspielerei mitbringen, sowie viel Durchhaltevermögen haben. Er/Sie darf keine Illusionen bzgl. einer Rolle hegen und muß finanziell bescheiden bleiben. Dafür kann man eine Menge Spaß haben und interessante Leute kennenlernen. iff.