Wer an diesem Abend im Corner war wurde angenehm überrascht.
Kein Eintritt, gute Musik und die Fans der Band waren auch noch
gut drauf. Ich selbst trudelte erst im zweiten Set, kurz nach
der Pause ein. Das Stück "Talking About Revolution"
von Tracy Chapmann, welches gerade gespielt wurde, wurde sehr
überzeugend rübergebracht und die Stimme von Niko Grote
war auch OK. Warum das vorwiegend weibliche und junge Publikum
aber völlig aus dem Häuschen bzw. Höschen war,
wurde mit etwas später klarer.
Interessant ist, daß in der Band keine Baßgitarre
gibt, dafür gibt es zwei Keyboards, die zum einen von Tim
Grote (sehr ausdrucksstark) und zum anderen von Dirk Dupree (gute
Basis) bedient wurden. Zu erwähnen ist noch der Schlagzeuger
Björn Kuchinke, der mir allerdings etwas zu "wiggelig"
war, vielleicht lag es daran, daß er den festen Schlagzeuger
der Band "Tobias Bethge", der ausgefallen war, vertreten
mußte. Beim zweiten Stück in diesem Set geriet ich
ins Staunen, denn ich sah plötzlich eine Return-Revival-Band
vor mir. Niko Grote, der "Let It Be" in der Art eines
"Otis Reddig" ansagte und auch sang, setzte seine Fans
in Bewegung. Feuerzeuge wurden entzündet, die Körper
gewogen und ab und zu die Stimmen ausprobiert bzw. geölt.
Die Stimmung war entsprechend gut, beim gemischten älteren
und jüngeren Publikum. Plötzlich riß eine Saite.
Kein Problem, diese kleine Panne wurde vom Keyboarder Tim Grote
souverän überspielt. Der Song "Marmor, Stein und
Eisen bricht" entfesselte beim Publikum einen wahren Freudentaumel.
Wie ich später von der Band erfuhr werden von Night Shift
nicht nur Coversongs gespielt, sondern auch Eigenkompositionen
wie z.B. "The All Mighty" zum Besten gegeben. Inzwischen
waren alle geschafft, die Band, das Publikum und auch das Personal,
trotzdem wurden noch zwei Zugaben erklatscht und gegeben. Es war
ein bemerkenswerter Abend im Corner, wieder einmal.(iff)
PS Übrigens, was ist mit dem "Original"? Warum
macht sich die Band RETURN so rar, wollen sie sich vielleicht
aufs Altenteil begeben? Ich hoffe nicht!
Ich entschuldige mich für den nachfolgenden Artikel (Hh.)
Nachdem NIGHTSHIFT am vorherigen Samstag noch ca. 300
Zuschauer angelockt hatte (lt. Auri), ging es am 18. Januar bei
HEATWAVE etwas beschaulicher zu. 120 Leute sind es etwa
geworden, und einige davon haben sich auch für die Band interessieren
können. So auch wir von WILLI. Und wir wurden auf
eine harte Probe gestellt. Bereits um 21.45 Uhr ging es los, die
Musiker von HEATWAVE begannen mit ,,Peter Gunn",
dem Instrumental-Klassiker, bei dem jeder Solist so richtig zeigen
kann, was er drauf hat. Und richtig, auch HEATWAVE zeigte
gleich beim ersten Song alles, was die Musiker draufhatten. (!)
Man hoffte zwar, daß da noch etwas kommen würde, aber
vergeblich. Stattdessen kamen zunächst die beiden Sängerinnen
Floriana Di Luca (mit Handschuhen vom Sperrmüll, die
Finger fehlten) und Dagmar Scholz und gaben ,,Gimme
some lovin" von der Spencer Davis Group, und das hatte
Spencer nun wirklich nicht verdient. Floriana Di Luca hat
eine sehr ,,dominante" Stimme, die sicherlich noch durch
meterdicke Mauern zu hören ist, wohlklingend wird sie dadurch
jedoch nicht.
Und wenn eine Band dazu noch einen schleppenden und wiggeligen
Drummer hat, dazu zwei Gitarristen, die man (gottseidank?) selten
deutlich hören konnte, sowie einen unauffälligen Keyboarder,
dann kann auch ein sehr guter Bassist mit einem guten Sound auch
nichts mehr retten. Da nützt auch eine bis auf die letzte
Bewegung einstudierte Show der Sängerinnen nichts mehr, im
Gegenteil. Bei der Enge der Corner-Inn-Auftrittsfläche wirkte
das alles mehr als lächerlich. Vor allem, weil das Publikum,
welches der Band nach einiger Zeit noch geblieben war, sich durch
die "Grabschereien" der Akteure eher belustigt/belästigt
fühlte. Und als sich Reinhard Schnelle, Gitarrist
und Co-Sänger, dann noch auf die Monitorbox setzte und "Have
you ever seen the rain" mit Wunderkerzenbegleitung sang,
war das Faß schon fast voll. Dabei hat er eine wirklich
gute Stimme, ohne Scherz, ich würde sogar sagen, eine sehr
gute Stimme. Doch das CORNER INN ist keine Westfalenhalle, und
Reinhard Schnelle kein Rod Stewart. Wohlgemerkt: Ich habe
nichts gegen Glitzerjacke und ausgefallene Bühnenkleidung
(wie könnte ich). Aber HEATWAVE hat die gesamte Show
,,abgespult", und was das Schlimme ist, die haben das alles
todernst gemeint. Flori´s Aufforderungen zum Tanz wurden
verschmäht, die "Traveling Wilburys" wurden
mißbraucht, Michael Jackson gefleddert und ,,Proud
Mary" in der Ike & Tina Turner-Version völlig
verhunzt. Auf eine Zugabe wollte das Publikum verzichten, nicht
jedoch Reinhard Schnelle. Er schenkte uns noch Rod Stewarts
"I´am sailing", sich selbst auf der Gitarre
begleitend. Wie gesagt, eine sehr gute Stimme, aber . . . (Hh.)
Am Montag den 20. 1 `97 eröffnete die Stadtbücherei Hamm ihre Reihe Sachbuch aktuell für dieses Jahr mit einer Lesung des Soziologen Alphons Silbermann. "Von der Kunst der Arschkriecherei" lautete der vielversprechende Titel seines neuen Buches. Der fast Neunzigjährige Silbermann vermochte es den Veranstaltungssaal der Stadtbücherei bis auf den letzten Platz zu füllen, was wohl auf seine eigensinnige aber doch beeindruckende Persönlichkeit zurückzuführen ist, die einem Gros der Zuhörer wohl schon aus früheren Lesungen bzw. zahlreichen Fernsehauftritten vertraut war. Silbermann ist eine Koryphäe in seinem Fach. Er begründete die Musik- und Kunstsoziologie. Sein Hauptaugenmerk liegt nach seiner Aussage allerdings auf der "Alltagssoziologie", also der Beschäftigung mit den Eigenarten des menschlichen Verhaltens und deren Auswirkungen. Mit diesen beschäftigt er sich auch in dem vorgestellten Buch. Diese soziologische Abhandlung über das "Arschkriechen" beruht auf lebenslangen Erfahrungen und Beobachtungen, nicht zuletzt an Silbermann selbst. Er charakterisiert den Menschen als umgeben von Kriechern, woraus sich für diesen vier Fragen ergeben: 1. Wie zeigt sich Arschkriecherei?; 2. Wie erkenne ich Arschkriecherei?; 3. Wie verwehre ich mich gegen Arschkriecherei? und 4. Wie betreibe ich selbst Arschkriecherei?. Im Verlauf der Lesung untersuchte Silbermann Begrifflichkeit, Symbolik und Gestik des Phänomens, sowie seine Ausdrucks- bzw. Erscheinungsformen und zuguterletzt seine Folgen. Er untersuchte, wägte verschiedene Formen gegeneinander ab, rechtfertigte oder verurteilte Arschkriecherei, und das in sage und schreibe eineinhalb Stunden. Wer sich in Unkenntnis der Person Silbermanns auf einen kurzweiligen, mit Anekdoten gespickten Abend gefreut hatte, wurden zum größten Teil enttäuscht. Auch wenn Silbermann diesen gewissen hintersinnigen Witz immer wieder durchblicken ließ, war die Veranstaltung doch wohl eher eine Soziologievorlesung, als eine Buchvorstellung, so daß sich das Zuhören gegen Ende doch als eher Quälend gestaltete. Erst nach der "Lesung" wurde es wieder spannend, als eine Zuhörerin den Soziologen auf seine offen zur Schau gestellte Frauenfeindlichkeit anging. Mit Schlagfertigkeit und Witz überzeugte er dann auch noch den Letzten im Saal von dieser angesprochenen Tatsache, was den Abschluß aber auch nicht angenehmer werden ließ. Fragt sich nur, wie soviel Bildung mit so großem Unverstand zusammengeht?
Sylvester `96 - in Bochum steigt eine große Party bei Freunden.
Es sind auf den ersten Blick ganz "normale" Leute (,
wenn auch hauptsächlich Studenten), aber was einem sofort
am Eingang zu denken geben sollte, ist die "Hitliste".
Jeder Gast hat nämlich drei Stimmen für drei Lieder,
wovon die zehn meistgewählten als Countdown zwischen 23.00
und 0.00 Uhr gespielt werden sollen. Eigentlich auch noch nichts
Ungewöhnliches, bis man Interpreten und Titel genauer unter
die Lupe nimmt: Ganz vorne im Rennen streiten sich Wolfgang Petry,
Nicole, Marianne Rosenberg und Udo Jürgens um die Gunst der
Gäste.
"Maccarena", "Wir sind die Fans vom VfL" und
"Bochum" stehen allerdings auch hoch im Kurs. Der klare
Sieger ist dann doch die Schlagerfraktion - allen voran Wolfgang
Petry - nur noch übertroffen von Grönemeier, was aber
nur einen gewissen Lokalpatriotismus bezeugt. Die Tanzfläche
ist voll, die Stimmung toll und kaum jemand wäre nicht in
der Lage jede Zeile mitzugrölen. Nein, ich habe mich nicht
in der Adresse geirrt und habe mich auf eine Kegelclubfeier verlaufen
(obwohl das nun auch ein böses Vorurteil sein mag!). Das
ist die Partykultur der späten 90er! Noch nicht einmal als
"Bad Taste - Parties" können diese und ähnliche
Veranstaltungen abgetan werden. Nun gut, ein bißchen liebevoller
Spott ist schon noch im Spiel aber das Phänomen Schlagerparties
breitet sich bei den 20-25jährigen wie ein Lauffeuer aus.
Auch in Münster wird schon seit einiger Zeit regelmäßig
alle paar Wochen zur großen "Schlagernacht" gebeten,
die sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Die Best-of
CD von Wolfgang Petry "Alles" bricht alle Verkaufsrekorde
und verweist Topbands wie R.E.M. auf die Plätze. Auch Karten
für eines der Konzerte der "Alles"-Tour im Ruhrgebiet
sind seit Wochen vergriffen. WILLI hat natürlich keine Mühen
gescheut dieses Phänomen zu ergründen und hat Feldforschung
direkt vor Ort betrieben - am 25. 1. `97 in den Zentralhallen
bei Wolfgang Petrys einzigem Konzert in Hamm. Die Viehhalle war
schon um 19.30 Uhr bis zum Bersten gefüllt. Das Publikum
zeigte eine riesige Bandbreite, sowohl auf das Alter, als auch
auf die Typen bezogen. Verwundert stellten meine Begleiter und
ich fest, das so viele Männer hier waren, um Petry zu sehen,
worauf wir uns direkt von drei Seiten belehren lassen mußten,
daß "der Wolfgang" nicht so ein "Softie"
sei "wie Jürgen Drews oder Jürgen Marcus"
(who the f*** is ...?) "und deshalb auch so viele Männer
mit von der Partie" seien. Dann war diese Frage also geklärt,
aber was zieht die Jugendlichen zu "Bronze, Silber und Gold"
? Eigentlich wollten wir diese Frage ja mit dem Meister persönlich
erläutern, waren aber zu spät dran, um vor dem Konzert
mit ihm zu sprechen. Nach zweieinhalb schweißtreibenden
Stunden sahen wir uns aber auch nicht mehr in der Lage noch mal
zwei Stunden auf eine Gesprächsgelegenheit zu warten. So
werden wir uns wohl mit der Erklärung einer Mitarbeiterin
Petrys zufrieden geben müssen. Petry sei sehr glücklich,
daß so viele junge Leute sich wieder für seine Musik
begeistern könnten, erklärte sie mir mit der Bemerkung
:"Der Wolfgang ist ja nun auch nicht mehr 25.". Er müsse
wohl einen Draht zu den Jugendlichen haben, die seine Art wohl
genau anspräche. Der Wolfgang sei halt "einer von uns".
Das versuchte Petry auch in seiner Show zu demonstrieren. Er sprach
immer wieder mit dem Publikum, erzählte von seiner Familie
und seiner Karriere und ließ so gut wie keine Distanz zwischen
Sänger und Zuhörern aufkommen. Seine Hits wie "Verlieben,
verloren, vergessen, verzeihen", "Tu`s doch" und
"Scheißegal" mischte er wohldosiert mit eher schnulzigen
Titeln, so daß für jeden Geschmack etwas dabei war.
Den krönenden Abschluß bildete dann seine Hymne auf
das Revier, wo es dann aus allen Kehlen schallte "Wir sind
das Ruhrgebiet". Das Publikum war begeistert, und auch wir
hatten großen Spaß. Aber irgendwie macht mich dieses
Erlebnis auch nachdenklich. Wenn man bedenkt, daß die Jugendgenerationen
vor uns sich in extreme Musikformen wie Punk geflüchtet haben,
um sich von ihren Eltern abzugrenzen, kommt man sich fast wie
ein Verräter vor, wenn man zu Musik tanzt, die zum Teil noch
nicht einmal unsere Eltern hören. Aber was haben wir auch
für Alternativen? Abgehalfterte Punks, wie die "Sex
Pistols", die heute noch mal rülpsend durch die Lande
touren, um -wie sie selber lauthals verkünden - noch mal
richtig Kohle zu machen, oder kleine Enttäuschungen, wie
die Toten Hosen, von denen sich wahrscheinlich auch niemand hätte
träumen lassen, daß sie mal als Starschnitt in der
Bravo landen würden. Was soll's? Erlaubt ist, was gefällt!
Hauptsache wir haben unseren Spaß, auch bei Wolfgang Petry
- "... das ist mir Scheißegal"! (ja)
Seit nun 1½ Jahren gastierten die Hammer Künstler nicht
mehr in ihrer Heimatstadt. Deshalb waren ihre beiden Konzerttermine
am 21. und 22.1. auch frühzeitig ausverkauft. Das neue Programm
"Uns kann keiner" knüpft nahtlos an den gewohnten
Stil an. Eine perfekte Mischung aus Komik, Musik, Parodie und
Satire. Der "Neue ehrenamtliche" 3. Mann bei Till &
Obel, Volker Wendland paßt wirklich gut in das Team. Obwohl
das Hammer Publikum wie immer bei einigen Gags sehr träge
reagierte (da der Witz nicht oder erst sehr spät verstanden
wurde), kamen weitere Gags und Parodien ungewöhnlich gut
an. Auch der Preis von knapp 30,- DM ist bei über zwei Stunden
reine Spielzeit gerechtfertigt. ( Ralf Glogau)