Goethe Kunst und Leben
von André Schörnig
Ich bemerkte es sofort. Sein Geist lebt nach wie vor. Überall. Überall um uns herum. Jede Generation bekommt ihren „eigenen Faust". Inszenierungen von „Iphigenie" und dem „Tasso" finden alljährlich überall auf der Welt statt. Doch nirgendwo ist er so allgegenwärtig wie in seiner Wahlheimat, dem Zentrum des Geisteslebens, Weimar.
Ich wandelte verzaubert auf seinen Spuren. Das Goethehaus, das Goethe-Nationalmuseum, die Fürstengruft, Goethes Gartenhaus und Goethes Unterkiefer liegen vor mir, und ich fühle mich zurückversetzt. Zurückversetzt in eine Zeit wo man noch glaubte, Unzucht sei eine Zier. Gerade wurde der „Götz" uraufgeführt, da ließ Herzog Karl August von Weimar nach Goethe schicken, da er eine Stelle zu vergeben hatte und mit dem jungen Dichter noch einige interessante Phrasen aus dem Götz besprechen wollte. Und sofort ging das erste Gespräch der beiden in diese Richtung, als Goethe seine Lohnvorstellungen äußerte. Es schien ein schlechter Anfang für die beiden. Doch als Karl sich besann, daß Goethe gerade in der Sturm- und Drangzeit war, lenkte er ein.
Einem Gerücht zufolge mußte Goethe, Karl erst die Hardcover-Ausgabe vom jungen Werther an den Kopf werfen, um ihn zu überreden. Der junge Dichter freute sich über seine neuen Aufgaben, da er dabei endlich mal nicht schreiben mußte, so blieb es die nächsten elf Jahre eher ruhig um Goethe, und er schrieb nur einige kleine Gedichte zur Karls Belustigung und gegen die allgemeine Langeweile auf der Toilette. Nichtsdestotrotz ist es ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte der Menschheit, da Goethe im Jahre 1782 das Wort „Bindegewebsschwäche" prägt und dafür den Adelstitel erhält.
1786 ist er es leid nur der zweitwichtigste Mann in Weimar zu sein und er fährt nach Italien, um es dort zu versuchen. Ein Jahr später kehrt er mutlos zurück, als er merkt, daß er ja überhaupt kein italienisch sprechen kann. Er kündigt fast alle seine Jobs, außer den als Leiter der Weimarer Hofbühne, da er merkt, daß ihm das am meisten einbringt, und er sich gerade ein Loch in die Wand der Damengarderobe gebohrt hat. Bedingt durch einen Kopfstoß, den er sich in einer Kutsche in Italien zugezogen hat, beginnt er Werke wie „Iphigenie auf Tauris", „Egmont" und „Tasso" zu schreiben, um sich von seinem „Werther-Image" zu lösen.
Als er 1794 im Hotel „Schwan" einkehrt lernt er Friedrich von Schiller kennen, der sich gerade einen auf „Wilhelm Tell" trinkt, und die beiden schließen sofort Freundschaft, da jeder nur noch Geld für einen halben Humpen Wein hat. Die Freundschaft wird in den nächsten Monaten immer intensiver, und sie mieten sich die Option auf ein Doppelgrab in der Fürstengruft, um auch die Ewigkeit zusammen verbringen zu können.
1806 heiratet er nach sechsjährigem Zusammenlebens Christiane Vulpius, nachdem er es erstmals geschafft hatte, ihren Namen richtig auszusprechen. Beim ersten Kuß vor dem Altar entdeckt er, stellvertretend für die Menschheit, den Zwischenkieferknochen, was sein Interesse für naturwissenschaftliche Arbeiten weckt. Am selben Abend ist er so blau, daß er gleich damit beginnt, einen Aufsatz über die Farbenlehre zu schreiben und sich um die Urpflanze zu sorgen.
Als er 1809 merkt, daß er überhaupt keine Ahnung von grün hat, widmet er sich wieder seiner lyrischen Seite, die der Menschheit diesmal „Die Wahlverwandtschaften" beschert. Böse Zungen behaupten, das Werk sei entstanden als Goethes Schwiegermutter einmal zu Besuch kam. Goethes letztes Werk ist der „Faust", der ihn durch sein ganzes Leben begleitete. Kurz nach der Fertigstellung stirbt Goethe, als er sich fragt was es wohl bedeuten könnte das „zeitliche zu segnen".
(André Schörnig)