ARACHNOPHOBIA
von
Harkon Hakennase
Eine gruselige Geschichte das, damals.
Nichts für Leute, die beim Anblick einer Spinne laut schreiend davonlaufen.
Nun ja, ich bin ja auch damals nicht laut schreiend davongelaufen, das
lag aber nur daran, daß ich nicht konnte. Jedenfalls sofort. Gewollt
hätte ich schon gern, aber es ging nicht. Obwohl ich eigentlich sooo
spinnenängstlich nicht bin. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Und das
eigenartige Gefühl blieb mir den ganzen Tag erhalten. Doch der Reihe
nach.
Es ist mittlerweile eine ganze Menge Jahre her, so ca. 5, da beschloß
ich, mit einer Freundin essen zu gehen. Pizza. Jeder eine. Wir suchten
eine entsprechende Lokalität auf, der Name und der Stadtteil sollen
verschwiegen bleiben, obwohl; die konnten wirklich nichts dafür. Trotzdem.
Ich glaube, den Laden gibt es ohnehin nicht mehr. Wir nahmen also im gemütlichen
Ambiente Platz, fühlten uns wohl und bestellten. Das Essen kam nach
angemessener Zeit, es schmeckte und wir ließen es uns gut sein. Nachdem
die Teller abgeräumt waren, wir noch etwas zu Trinken bestellt hatten,
wollten wir zum Kaffee übergehen. Da verspürte ich ein menschliches
Rühren. Die Natur rief und ich verabschiedete mich mit einer herzergreifenden
Szene für einen Augenblick von meiner reizenden Begleiterin, um mir
die Nase pudern zu gehen.
In dem Gebäudetrakt mit den vielen, kleinen Kammern ging ich dem nach,
dem man (frau) da so nachgeht, wollte mich gerade von meinem Sitzplatz
erheben und die Hose hochziehen, da erstarrte ich. Aug_ in Aug_ saß
ich etwas gegenüber, was sich auf der Toilettenpapierhalterung befand.
Noch.
Eigentlich nicht ganz korrekt, das mit den Augen, bei mir waren es zwei,
bei meinem Gegenüber hunderte. Und mindestens acht lange, haarige
Beine.
Der Großvater aller einheimischen Spinnen saß da und suchte
mich ganzheitlich zu erfaßen. Leider falsch, denn er, sie oder es
stufte mich entweder als Beute oder aber als harmlos ein und sprang. Juppheidi
in die Luft und dann zwischen meine Beine, hinein in die noch um meine
Knöchel schlabbernde Hose, um dort in der Tiefe zu verschwinden.
Niemals zuvor, in keiner noch so delikaten Situation, bin ich so schnell
aus meinen Hosen und den Stiefeln gewesen. Da stand ich nun, angstbibbernd,
und versuchte herauszufinden, was aus dem Tier geworden war. Im rechten
Stiefel war es nicht, dem Anschein nach, im linken auch nicht! Das Ausschütteln
der Hose brachte auch kein Ergebnis. Weder beim ersten Mal, noch beim fünften.
Was tun?
Ich fuhr zähneknirschend in die Hosen, erstarrte aufs Neue, fühlte
nix, probierte es dann mit den Stiefeln, jeden Augenblick bereit, sie mir
mit lautem Schrei wieder von den Füßen zu reißen, doch
es ging gut. Kein krabbeln am Fuß, keine weiche Masse, auf die ich
trat. Dem Himmel sei Dank. Trotzdem wurde ich den ganzen Tag ein gewisses
Kribbeln nicht mehr los. In allen Körperteilen (Kann ich aber trotz
allem nicht empfehlen). Ich wankte aus dem Toilettentrakt zurück an
unseren Tisch.
"Was ist denn mit Dir passiert," fragte meine reizende Begleiterin,
"so bleich habe ich Dich ja noch nie gesehen!" "Lass ment,"
sagte ich, "das erkläre ich Dir später!" Und ging mit ihr wo anders hin.