Nachdem er das Fragezeichen über meinem Kopf sah, klärte er mich auf: " Ich bin HIV-positiv und seit drei Jahren an AIDS erkrankt. Manchmal geht es mir so gut, daß ich sogar zu einem Konzert gehen kann, aber diese Phasen werden immer seltener und kürzer."
Ehrlich, ich war wie vom Blitz getroffen. Ein Kumpel von mir hat AIDS! Ja, ich weiß, AIDS gibt`s auch in Hamm, aber bei meinem Bekannten? Dann sprach er weiter.
"Ich weiß ja, daß ich nicht mehr lange leben werde, aber weißt du, ich möchte einfach nicht in so einer sterilen Klinik liegen, die letzten Monate meines Lebens vor weiße Wände starren und dann sterben, ohne meine Katzen, ohne meine Bilder, ohne meine Musik, einfach nur in einem sterilen Zimmer, alleine. Davor hab ich wirklich Angst.
Ich möchte so gerne zu Hause sterben dürfen. Meine Eltern sind ja schon vor Jahren gestorben und eine andere Familie hab ich nicht. Klar, ich hab`einige gute Freunde, aber die können ja nicht ständig für mich da sein."
Das war nun wirklich eine schwierige Situation, aber mir fiel etwas ein. Vor kurzem hatte ich, eher zufällig, bei einer Bekannten eine Broschüre vom Hospizdienst Hamm gesehen.
Aber, was ist eigentlich der Hospitzdienst Hamm?, wollte ich wissen und machte mich schlau. Der Hospizdienst Hamm besteht aus Menschen, die hauptberuflich aus dem Bereich Pflege und Seelsorge kommen und aus ehrenamtlich Mitarbeiter, die durch die Hauptamtlichen des ev. Kirchenkreises Hamm geschult und begleitet werden, in Zusammenarbeit mit Diakonie und Caritas. Sie helfen die Pflege und Betreuung Sterbenskranker zu Hause zu ermöglichen und bieten den Angehörigen Begltung und Beratung an, nach den Leitlinien der Hospizbewegung in Zusammenarbeit mit Ärzten und Seelsorgern.
Die Hospizbewegung in Deutschland meint mit "Hospiz" aber auch Einrichtungen, die für Schwerstkranke und Sterbende arbeitet. Das kann ein ganzes Haus sein, in dem man sich für die letzte Lebensstrecke zurückzieht und verwöhnen laßt.
In Hamm gibt es so ein Haus noch nicht, aber der Hospizdienst verhandelt bereits mit öffentlichen Stellen. Vorerst jedoch meint Hospiz in Hamm in erster Linie den Hospizdienst von ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen. Als ich das wußte, holte ich mir bei unserem Hospizdienst unentgeldliche Unterstützung für meinen Freund. Nachdem ich angerufen hatte, schickte man mir eine ausgebildete Ehrenamtlerin. Sie hatte Zeit für Gespräche mit meinem Freund, kannte Adressen unter denen wir weiter Hilfe in Anspruch nehmen konnten und hatte viele Ideen zur Lösung von ganz alltäglichen Problemen.
Nun, ich muß zugeben, das es hart ist über das Sterben und den Tod zu sprechen und ich hatte es eigentlich nicht gelernt, aber es ist inzwischen auch für mich wichtig geworden über mein eigenes Ende nachdenken und reden zu können, auch wenn ich erst 30 und gesund bin.
Mein Freund ist gestorben - zu Hause bei seinen Katzen, seinen Bildern, seiner Musik, und er war bis zum Schluß nicht alleine. Wir alle waren für ihn da, und wir waren es gerne.
Vor kurzen war ich mal wieder bei einem Kneipenkonzert und traf eine Freundin, die mich fragte, was ich denn so mache. Ich sagt:" Ich bin jetzt ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Hospizdienst Hamm." Sie hatte großes Interesse an diesem Thema und so gab ich ihr folgende Adressen:
Hospizdienst Hamm; Besucherdienst und ehrenamtliche Sterbebegleitung/Beratung:
Kontakt über:
Sr. Annegret Frede - Diakonieberatung ; Tel. 02381/ 465470
Sr. Elke Maier - Diakonieberatung ; Tel. 02382/ 65718
Pfr. Paul-H. Blätgen - Kirchenkreis; Tel. 02381/ 142-146
Pfr. Reiner Stephany - Ev. Krankenhaus 02381/ 589-0
Manchmal vermisse ich meinen Freund, doch ich habe durch ihn gelernt weniger Angst vor dem Sterben zu haben und daß dieses Thema, früher oder später, jeden von uns etwas angeht.
"Wenn ich die Sonne nicht mehr sehen kann, liegt es an den Wolken, die zwischen uns sind. Wenn ich einen Menschen nicht mehr sehen kann, liegt es an den Welten, die zwischen uns sind.
Wolken lösen sich auf,
Welten irgendwann auch." (fr.)