von Margret Holota
Karen-Susan Fessel: Bilder von ihr Der junge Quer-Verlag präsentierte mit den Neuerscheinungen des letzten Herbstes diesen Roman der in Berlin lebenden Autorin (Jahrgang 1964), der sich dem Thema der Trauer um einen geliebten Menschen widmet. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Form von Thea, Mitte 30, die vor zwei Jahren durch einen Unfall ihre Lebensgefährtin verlor und seitdem mit und in der Trauer lebt. Das Schreiben dieses Buches, das Aufschreiben der Erinnerungen an die Verstorbene ist der Versuch der Zurückgebliebenen, durch die Trauer hindurch, einen Weg zurück ins Leben zu finden, die Vergangenheit als das zu sehen, was sie war und in Erinnerung zu behalten und dennoch weiter zu gehen und Neuem eine Chance zu geben.
Thea schreibt einerseits ihre eigene Biographie, die sehr geprägt ist vom Verlust lieber Menschen wie Vater und Mutter und der daraus resultierenden Konsequenzen für ihr späteres Leben, wie z.B. ihre Weigerung, sich auf Menschen einzulassen, genährt aus der Furcht, diese wieder zu verlieren. Andererseits erzählt sie die Geschichte ihrer Beziehung zu Suzannah, des Kennenlernens, die Angst voreinander, des Weglaufens und Wiederfindens, des Überwindens der Angst, schließlich dieser besonderen Liebe, die wiederum durch den Tod der Anderen endet, Thea zurücklassend. "Bilder von ihr" ist durch die Verknüpfung der Ich-Figur mit der Rolle der Schreibenden ein sehr glaubwürdiges, authentisches Buch. Man kann sich den beschriebenen Gefühlen und den Gedanken zu diesen Gefühlen nicht entziehen, da sie scheinbar unmittelbar sind und vor allem allgemein menschlich. Dieses Buch über eine Frauenfreundschaft ist ein Buch über Liebe und Trauer im Allgemeinen. Es geht nicht um die Andersartigkeit der Beziehung, sondern um das allen Liebesbeziehungen gemeinsame die besondere Verbindung zu einem Menschen und der Schmerz um den Verlust dieses Menschen.
Karen-Susan Fessel findet in "Bilder von ihr" eine ungewöhnlich schöne Sprache für Gefühle, die sich für uns oft gar nicht in Worte fassen lassen. Ihre schlichte und dennoch poetische Sprache machen dieses Buch zu einem Genuß und lassen uns Sätze finden, die wir immer schon gesucht haben in Romanen unserer Zeit über die Liebe von Menschen zueinander. Dieses Buch berührt ohne den heischenden Hintergrund der in diesen Jahren reißerisch Absatz findenden "Schicksalsberichte" und "Tatsachenerfahrungen". Es geht nicht um Gänsehaut und Betroffenheit sondern ums Innehalten und Stillwerden. Wer dieses Buch liest wird das merken.
Karen-Susan Fessel: Bilder von ihr. Quer-Verlag, DM 32,00