Liebe Frau Rülpshoff-Lammkotelett,
ich weiß gar nicht, ob ich mit meinem Problem bei Ihnen an der richtigen Adresse bin, vielleicht sollte ich mit meinem Gemahl gleich zum Abdecker gehen.. Mein Problem: Ich bin verheiratet. Aber das allein ist es nicht, ich bin mit meinem Gatten verheiratet, und da kommen wir der Sache schon etwas näher. Er hat keinen Stil, keine Lebensart. In jungen Jahren wollte mein Gisbert Lehrer werden, doch dafür hatīs leider nicht gereicht. Er begann dann eine Stufe tiefer auf der Karriereleiter, als Straßentiefbauarbeiter. Immerhin hat er sich im Laufe der nächsten 15 Jahre hochgearbeitet und ist jetzt Inhaber einer Firma, die Straßenbeläge fertigt. Uns geht es finanziell sehr gut, die Firma meines Mannes hat Aufträge bis ins nächste Jahrtausend, aber leider hat sich Gisberts intellektueller und kultureller Horizont dermaßen verengt, daß es mir peinlich ist, mit ihm in die Öffentlichkeit zu gehen. ich bin Stadträtin und habe dadurch viele öffentliche Auftritte, bei denen mein Gemahl an meiner Seite sein muß. Kürzlich saßen wir mit dem Oberbürgermeister und seiner Gattin in einem Nobel-Restaurant und wollten unsere Bestellung aufgeben. Wir entschieden uns für Rehrückenfilet an Preißelbeeren, mit Trüffeln und als Dessert gegrillte Birnenhälften mit "Williams" und Nougatsauce. Dazu einen halbtrockenen "Alzheimer Hirnrindentau" aus dem Oberfränkischen. Mein Gatte wollte Currywurst mit Fritten und īne PEPSI, als Nachtisch ein "Nogger-Choc". Mit Mühe konnten wir ihn dazu bewegen, sich uns kulinarisch anzuschließen. Allerdings war er nicht bereit, auf die Fritten zu verzichten. Der Kellner willigte ein und schritt in Richtung Küche. Als er gerade die Türe öffnen wollte, rief ihm mein Gisbert quer durch das vollbesetzte Restaurant noch zu: " . . . aber Fritten Rot/Weiß!"
Beim letzten Neujahrsempfang im Kurhaus standen wir mit einigen Geschäftsleuten, Politikern und Vertretern beider Kirchen zusammen. Der Würdenträger der Katholen erzählte von seinem Rennpferd, welches in der neuen Saison starten solle. Er lud uns zur Rennbahn Hannover ein, um mit ihm den hoffentlichen Sieg seines edlen Tieres zu feiern. Der protestantische Geistliche wollte dem nicht nachstehen und lud uns in sein Haus auf Sylt ein, dort solle immer "die Hölle los sein." Mein Gemahl räusperte sich und ich ahnte schon Schlimmes, konnte es aber nicht mehr verhindern. "Tja, Sportsfreunde", meinte er großspurig, "da können wir natürlich nicht nachstehen, was Schatzi. Ich habī da soīn paar Karnickel im Stall, Superböcke. Nächsten Samstag haben wir vom Verein Stiftungsfest, da ist immer der Bär los, sagī ich euch. Die Mädels vom Waldhotel sind auch immer da. Kommt Ihr doch auch, wie wärīs?" Dann erzählte er stolz, wie putzig die Viecher immer sind, wenn sie so mit ihren Pfoten . . . und überhaupt. Besonders peinlich wird es, wenn wir zu Hause Gäste haben. Stadtprominenz, natürlich. Das Haus gehört meinem Gatten, er hat schließlich die Kohle. Und er hat auch die Bilder ausgesucht, die im Salon hängen. "Die Obstschale" von Knut Wuchtig, "Holzstoß am Waldrand" von Jean Luc Knobloch und weitere Machwerke entarterer Kunst. Den "Alt" hat er inzwischen in den Keller gebracht, aber auch Gisbert hat einstweilen lichte Momente. Also, liebe Sonja-Renate, wissen Sie inzwischen, was ich meine? Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich will mich nicht von meinem Gemahl trennen, denn ich mag ihn schließlich immer noch. Allerdings . . . Was soll ich nur tun?
Giselle von Rüden-Pölzig, Hamm.
Liebe Frau Giselle,
der Abdecker ist īne Superidee.
Herzlichst, Ihre Reni.