Literatur

DAMENWAHL

von Margret Holota

Eine meiner Lieblingskriminalautorinnen ist ohne Zweifel Patricia Cornwell, die mit der Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta eine Ermittlerin geschaffen hat, die Mordfälle auf dem Seziertisch löst und dabei tatkräftig von ihrer Nichte unterstützt wird, die sich im Laufe der bisher erschienenen Titel von einem pubertierenden Problemkind zur Computerspezialistin beim FBI gemausert hat.

In ihrem sechsten Krimi „Die Tote ohne Namen" knüpft die Autorin - zum Glück - in Sprache und Spannung wieder an das Niveau der ersten beiden Titel an. Rasant verdichten sich die mörderischen Ereignisse, dessen Urheber der Serienmörder Temple Brooks Gault ist, zu einer Story, in der Kay Scarpetta selbst zur Zielscheibe der psychopathologischen Handlungsweise des Täters wird. P. Cornwalls Geschick, die psychologischen Untiefen sowohl der Ermittlerin als auch die des Mörders zu einer hochexplosiven spannungsgeladenen Kriminalstory zu verknüpfen, ohne dass das Privatleben der Gerichtsmedizinerin zu bestimmend für die Handlung wird (wie es so oft gerade in den sogenannten „Frauenkrimis" vorkommt), hat mich sehr beeindruckt. Ungewöhlich für dieses Genre ist auch die kriminaltechnische Professionalität, mit der die Fälle gelöst werden.

Leider trübt ein Wermutstropfen den ansonsten ausgesprochen gelungenen Krimicocktail: Auf den letzten Seiten - und hier muss ich der Krimivielleserin Frau K. Recht geben - transportiert die Autorin sehr geschickt eine unakzeptable Haltung, die der Befürwortung der Todesstrafe gleichkommt - Schade!

Patricia Cornwell: Die Tote ohne Namen; Hoffmann & Campe 1996, DM 39,80