Sie nutzen nur 10 % ihres geistigen Potentials", ist häufig der Werbespruch mit denen Passanten in Fußgängerzonen neugierig gemacht werden. Nach einen freundlichen Gespräch folgt schnell die Einladung zu einem kostenlosen Persönlichkeitstest bei dem alle Daten abgespeichert werden. Um die Defizite im persönlichen Bereich, die natürlich bei jedem Menschen vorhanden sind, auszugleichen, wird ein Kommunikationskurs angeboten. Ab jetzt beginnt die Sache allerdings teuer zu werden. Auf diesen Kurs folgen unzählige weitere Kurse und durch die systematische Verschuldung der Kursteilnehmer bereichert sich der Sektenkonzern nicht nur, sondern bringt seine Teilnehmer häufig in eine vollkommene finanzielle Abhängigkeit. Nach dem Prinzip: Mach Geld, mach mehr Geld, mach, daß andere Leute Geld machen" müssen die Mitglieder Tag und Nacht für Scientology arbeiten. Kleinste Verhaltensabweichungen oder Meinungsdifferenzen werden durch sogenannte Ethic-Orders" empfindlich bestraft. Höchstes Ethikziel ist das Überleben einer neuen, durch Scientologen geprägte Zukünftigen Rasse". Wer in diesem Überlebenskampf nicht bestehen kann, hat nach Scientology auch kein Existenzrecht. Scientology versucht durch geschickte Tarnung nach außen, sich selbst ein harmlosen und demokratisches Image zu geben. Diese Tarnorganisationen verfolgen den Zweck, Sympathien in der Öffentlichkeit zu gewinnen. Sie treten auf im Gewand einer Bürgerinitiative, eines eingetragenen Vereins, usw. auf und setzen sich scheinbar uneigennützige, für religiöse Freiheit" oder gegen den Mißbrauch von Drogen" ein. Die auf diese Weise gewonnenen Interessenten sollen zugleich für das Programm Dianetik" gewonnen werden.
Eine Frage, die sich bei diesem Thema aufdrängt ist diese: Warum haben Sekten in der jüngsten Vergangenheit so einen starken Zulauf?
Moralische und ethische Werte geraten in unserer Gesellschaft immer weiter in der Hintergrund. Die großen Kirchen in unserem Land haben nicht nur schlechte PR - Abteilungen, sondern auch häufig gnadenlos langweilige Gottesdienste, die selbst Hartgesottene in den Tiefschlaf treiben. Bei dem Stichwort Bevölkerungsexplosion, Pille, Papst rauft sich manch ein Urkatholik das Haupthaar und selbst für das Zölibat haben viele von uns ein zumindest verständnisvolles Augenzwinkern für die Haushälterin des Pfarrers parat. Anonymität in Wohnsilos, Isolation durch Extrem-TV und Computergames, Arbeitslosigkeit, Existenzängste, Suchtproble-me, - all das macht uns oftmals nicht gerade glücklich und so rennen Sektenwerber immer häufiger offene Türen ein.
Ist man erst einmal in dem Netz der Sekten gefangen, ist der Ausstieg selbst für einen Erwachsenen kaum noch möglich, für Kids ist die Situation fast chancenlos. Doch die Gefahren bestehen nicht nur in privaten Bereichen, wenn man bedenkt, daß einige große Sekten ihre Handlanger bereits in der Politik und unter den Führungskräften der Wirtschaft etablieren konnten.
Der Artikel 4 unseres Grundgesetzes gewährt Religionsfreiheit. Dieser Artikel ist unbestritten ein wichtiger Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Der Nachteil allerdings besteht in dem Fakt, vor Mißbrauch des Artikel 4 rechtlich kaum schützen zu können und so haben es destruktive Sekten relativ einfach sich legal in unserer Gesellschaft zu manifestieren, zumal sie häufig so clever sind, sich so zu verhalten, daß sie straf- und zivilrechtlich nur selten zur Verantwortung gezogen werden können. Der Ansatzmuß also ganz woanders liegen. Jedem einzelnen von uns steht es frei, seinen Ideen von Menschlichkeit und Ethik ganz konkrete Taten folgen zu lassen. Der respektvolle Umgang mit Anderen, das ehrenamtliche Engagement in den unzählig vorhandenen sozialen Einrichtungen kosten uns alle erheblich weniger Geld als der Eintritt in eine Sekte und nur einen Teil unserer Freizeit, mit der wir häufig ohnehin nichts mehr anzufangen wissen. Verantwortung an den Staat abzugeben ist häufig ein bequemer, aber nicht effektiver Weg und es liegt bei uns selbst, diese Entwicklung zu stoppen und zu verändern. (psn)