Literatur

DAMENWAHL

von Margret Holota

Ein literarischer Krimi? Der Milena Verlag - früher „Wiener Frauenverlag" - macht's möglich: mit Band 7 der Krimi-Reihe „Gift-Melange" (herausgegeben u.a. von Karin Ballauff, die bei Akzente 1994 ein Praktikum absolviert hat...jawoll!) erscheint nun „Das Risiko" von Beatrix M. Kramlovsky. Die Autorin mit Elfriede Jelinek zu vergleichen, wäre wohl etwas hoch gegriffen, dennoch ist eine „österreichische" Schreibweise unverkennbar und wohltuend stilvoll neben den Übersetzungen aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum.

Emma, die Protagonistin, verließ vor einigen Jahren ihre skandinavische Heimat und die Firma ihres Vaters, in der sie als Gentechnikerin arbeitete - nicht ohne ihre Forschungsergebnisse mit nach Österreich zu nehmen, wo sie fortan gemeinsam mit ihrem Mann, dem sie in leidenschaftlicher Liebe verbunden ist, in der Firma des Schwiegervaters, die ebenfalls mit Gentechnik befaßt ist, arbeitet. Zwei Söhne lassen das Glück vollkommen erscheinen, das für Emma nur durch die Sehnsucht nach ihrer alten Heimat und den Schuldgefühlen gegenüber ihrem Vater getrübt ist.

Spannend wird der Roman in dem Moment, in dem eine genmanipulierte „Monster-Maus" aus den Laboratorien entweicht und auf ihrer Flucht Menschen und Tiere anfällt, so daß berechtigter Anlaß zur Sorge besteht. Es geschieht das, was gemeinhin in solchen Fällen passiert: Eine Kommission, die den Vorfall untersucht, wird eingesetzt, die Bevölkerung wird beruhigt und man wartet, bis Gras über die Sache gewachsen ist.

Beatrix Kramlovsky schafft es, ihren Roman über einen gewöhnlichen Wissenschaftsthriller hinaus zu einem Psychothriller zu erheben, der zum Schluß hin wirklich nur noch für starke Nerven geeignet ist. Düster sind sie, die Abgründe der menschlichen Seele... Ich hätte dem Buch noch einige Seiten mehr gewünscht.

Kramlovsky, Beatrix M.: Das Risiko; Milena Verlag 1997; 26,00 DM