Rückblick

VOLLE KANNE:

Superstimmung im Biergarten

Blasen einmal anders, zwei Bands in der Kulturwerkstatt

Am Wochenende des 4./5./6. Juli fand in Dortmund unter Federführung des "schwarz/ rot Atemgold 09" das Europäische Blaskapellen- und Straßenorchester - Festival „VOLLE KANNE" statt. Dem Kulturamt und der Kulturwerkstatt ist es gelungen, zwei der teilnehmenden Bands am 5. Juli für ein Konzert in der Kulturwerkstatt zu gewinnen. Der Hoppe-Biergarten ist hierfür wie geschaffen, das meinten auch die beiden Bands, die SAINTS PEREZ BAND aus Frankreich und FANFARE VAN DE 1e LIEFDESNACHT aus Holland/Amsterdam, die mit über 40 Musikern/innen aus Dortmund angereist waren. Petrus hatte zwar zur Bedrohung dicke Wolken anliefern lassen, die sich aber immer wieder verzogen und außerdem war es schön warm, so daß sich etwa 500 Zuschauer zu einem unterhaltsamen Abend der etwas anderen Art eingefunden hatten. In grell bunten Fantasiekostümen, die manchmal hart an der Grenze des menschlichen Farb-Wahr-nehmungsvermögens lagen, hatte die „Fanfare" die Terrasse des Geländes zur Bühne umfunktioniert und bot ein Repertoire aus Funk, Soul, afrikanischer Musik, Ellington- und Zappasongs und machten es mit erfrischenden Tanz- Gesangs- und Comiceinlagen das Geschehen zu einem wahren Augenschmaus. Wenn 20 Musiker/innen zusammen auf einer Bühne Musik machen, entsteht natürlich auch der ein oder andere schauerliche Ton, der aber in der guten Laune der Akteure und des Publikums unterging. Nachdem dann die SAINTS PEREZ BAND aus Frankreich eine ca. 30minütige Vorstellung gegeben hatte, nicht schlecht, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie die „Käsköppe", legten die nochmals los und begeisterten das unheimlich „gut draufe"(*) Publikum mit einem Marsch durch die Zuschauerreihen und animierte nicht wenige Gäste zum Mittanzen. Szenenapplaus gab es reichlich, besonders aber für die Idee, je einen Bläser in ein Fenster eines jeden Stockwerkes der Kulturwerkstatt zu plazieren um dort dem Publikum eins zu blasen. Ein rundum gelungener Abend. Gut auch die Idee, keinen Eintritt zu erheben. Statt dessen hatten die Veranstalter auf jedes Getränk einen Kulturzuschuß von einer Mark aufgeschlagen, so konnte jeder Gast seinen Beitrag zur Kultur in unserer Stadt selbst bestimmen. (Hh.) (* neue Schreibweise)

2 Mal „Kunstdünger"

Weltmusik - Weltuntergang

Durchwachsenes Wetter - durchwachsene Stimmung

Nicht mehr Donnerstags, wie früher üblich, sondern Mittwochs wird in diesem Jahr der „Kunstdünger" vor der Pauluskirche aufs Feld gebracht. Und am Mittwoch, den 2. Juli ging´s los, mit „Argile & African Heat", Musik ohne Grenzen, Weltmusik zwischen Afro-Jazz-Funk-Highlife. Die vier farbigen Musiker versuchten in exotischen Kostümen mit ihrer manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen Musik das mäßig schöne Wetter zu übervorteilen, was ihnen schließlich auch gelungen ist. Einen Hauch lauter hätte es meiner Meinung nach schon sein dürfen, denn der richtige Funke wollte nicht ´rüberspringern. Aber die amtlichen Auflagen, so vermute ich, wollten wohl sicherstellen, daß der sich „Ruf der Kirche" ungehindert Gehör verschaffen konnte.

Den „Hamlet" am 9. Juli hab´ ich nicht gesehen, dafür war ich aber am 16. Juli wieder vor Ort. Das Theaterlabor Bielefeld wollte uns den Weltuntergang etwas näher bringen. „Weltuntergang - die Welt steht auf kein´ Fall mehr lang" war der Titel der spektakulären Straßentheaterinszenierung nach Motiven von Jury Soyfers. Um 21.00 Uhr ging´s los, eine Stunde später als sonst, wohl wegen der Feuer- und Lichteffekte, die ja Dämmerung oder Dunkelheit verlangten. Diesen Wunsch erfüllte Petrus sowieso, indem er ordentlich Wolken schickte. Zunächst gab es eine Ansprache, gehalten auf einem fahrenden LKW, leider völlig unverständlich, wie fast alles an diesem Abend. Daher ist (sicher nicht nur) mir die akustische Aussage dieses Spektakels auch verborgen geblieben und ich mußte allein die Optik auf mich wirken lassen. Eine Szene auf einer riesigen Showtreppe, direkt vor dem Pauluskirchen-Portal, wie passend, ließ mich ebenso unbeeindruckt, wie die Band, die von einem LKW herab die Begleitmusik spielte, und die grünen Mars-Männchen mit ihren blinkenden Fühlern, die aus dieser Treppe herauskrochen. Denn auch sie konnten mir ihre Botschaft nicht vermitteln, weil ich sie nicht hören konnte. Die Glocken der Kirche um 21.15 Uhr und um 21.30 Uhr waren dagegen unüberhörbar. Ebenso die intellektuelle Elite unserer Stadt, die hinter dem Geschehen auf der Mauer und auf den Stromkästen bierselig und lautstark ihre Kommentare abgab. Nun wurde mit einem Gabelstabler ein mit Kupfer beschlagenes Raumschiff im Jules-Verne-Stil herangefahren, was, gezündet von einer Wunderkerze, gen Abendhimmel startete. Es kam aber nicht weit, weil so ein Gabelstapler nur eine begrenzte Reichweite hat. Ein brennendes Drahtgestell in Kugelform, was wohl die verendende Erde darstellen sollte, wurde ins Geschehen getragen und leitete so langsam auch das Ende der Vorstellung ein, was mir übrigens auch viel lieber war, als es das Ende der Erde wäre. Ihr merkt schon, liebe Leser/innen, ich war nicht so richtig begeistert von dem ganzen Theater. Wenn ich da an das „Oceano Satanas" im letzten Jahr im Ebert-Park denke... Ehe ich es vergesse, tut mir leid, noch ein paar dicke Minuspunkte: Der Geträn-kestand war eine reine Zumutung. Das völlig unfähige Personal verärgerte sehr viele Gäste mit manchmal bis zu viertelstündigen Wartezeiten und versuchte zudem nicht nur einmal, die Leute um das Bierglas-Pfand (DM 2,-) zu bescheißen. Das ist zu einer richtigen Unsitte geworden, aber vielleicht merken einige das ja nicht. Und dann wieder die Toiletten. Man kann nur hoffen, daß man nicht muß, denn bei den „Herren" sind jetzt auch noch die Türen entfernt worden. Wann wird hier endlich etwas geschehen . . ? (Hh.)