Jerry Lee Lewis, Chuck Berry und Little Richard in der Essener GRUGA-Halle
Begonnen hat dieses ungewöhnliche Konzertereignis in der Essener Gruga-Halle gleich mit einem Ärgernis. Horst Fascher, ehemaliger Betreiber des Star-Club" in Hamburg und Veranstalter der Legends-Tour" hatte dem WILLI-Herausgeber ein persönliches Fax geschickt mit dem Versprechen, an der Kasse zwei Pressekarten zu hinterlegen. Frau Hennemann, lediglich Mitarbeiterin des örtlichen Durchführers Klaus Goik, einigen Hammern sicherlich noch in Erinnerung, ignorierte dieses Versprechen und wollte uns nicht in die Halle lassen. Nun wollten wir uns von dieser Dame nicht den Abend versauen lassen und kauften uns Karten vom Schwarzmarkt", wo es noch reichlich davon gab. Das Security-Personal sah unsere professionellen Kameras, vermutete in uns Vertreter der Presse, was ja nicht ganz falsch war, und ließ uns in Bühnennähe weitestgehends in Ruhe. Das Konzert begann pünktlich um 20.00 Uhr mit dem Killer", Jerry Lee Lewis.
Mit Ladies and Gentlemen, The Jerry Lee Lewis All Star Band" angekündigt, betraten drei Herren im Smoking, (Gitarre, Bass, Drums) und eine Dame am Piano die Bühne und legten los. Noch ohne Jerry Lee, aber der Gitarrist war kein geringerer, als James Burton, der ehemalige langjährige Begleiter vom King" Elvis Presley. Schon eigenartig, hatte doch sein jetziger Arbeitgeber einst vor Graceland", dem Wohnsitz seines früheren Chefs mit der Knarre ´rumgeballert und lautstark verkündet, er, Lewis, sei der eigentliche King und nicht Elvis. Aber man ist ja nicht nachtragend. Die Band war beeindruckend gut, wen wundert´s, und nach dem zweiten Song trat James Burton an´s Mikro und sagte den legendären Jerry Lee Lewis (Foto oben) an. Der kam, ebenfalls im Smoking, etwas klapprig schon, aber mit frenetischem Beifall empfangen, auf die Bühne und begann seine Show mit C.C. Rider", einem Klassiker des Rock´n Roll. Jeder Song, den er brachte, war ein solcher Klassiker, ob es nun purer Rock´n Roll war, wie High School Rock", oder Shake Rattle and Roll" oder ein Country Song wie z.B. Hey good looking" von Hank Williams. Jerry Lee spielte Klavier wie in alten Zeiten, mit dem Fuß ebenso wie mit dem inzwischen schon fast 70jährigen Hintern, was von der ca. 7000köpfigen Menge mit gewaltigem Szenenapplaus bedacht wurde. Nach Great Balls Of Fire" war das außergewöhnliche Konzert einer lebenden Legende beendet, ohne Zugabe ging das Saallicht an. Nach fünf Minuten, als es keiner mehr zu hoffen wagte, stand die Band mit ihrem Boß plötzlich wieder auf der Bühne und lief noch mal zu Höchstleistungen an mit Jail House Rock" und Hound Dog", der Jubel war unbeschreiblich. Ein wunderbares Ereignis.
Nach einer ca. 20minütigen Umbaupause wurde der zweite Star dieses Abends angesagt, Chuck Berry, der Mann, der so vielen Rock-Stars ein Vorbild gewesen ist. Mein Gott, wenn die den an diesem Abend hätten sehen können . . ! Bekleidet mit einer knallroten Hose, einem bunten Hemd und einer Kapitänsmütze begann er mit Roll Over Beethoven" und lieferte das schlechteste Konzert ab, welches ich jemals gesehen habe. Es war eine Ohrfeige für jeden, der eines der sehr teueren Tickets gekauft hatte. Es ist eine Frechheit, was Mr. Berry seinen Fans zumutet, es hat ihn überhaupt nicht gestört, wenn er die falschen Harmonien griff, er spielte einen falschen Ton nach dem anderen und wenn er vergaß, was er hätte spielen müssen, hörte er einfach auf. Ich finde, auch eine Rock´n Roll Legende sollte sollte sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfen, die sie sich vor vierzig Jahren einmal erworben hatte. Jede andere Band wäre mit Bierdosen und Buhrufen von der Bühne gejagt worden, Chuck Berry aber wurde vom Publikum bejubelt. Das verstehe, wer will. Ein wahrer Ausspruch meines Freundes Rainer: Der braucht einen Gitarristen, der das spielen kann, was er meint." Zudem wurde der Fotografin der BILD-Zeitung und dem WILLI-Fotografen Rainer Brackelmann von dem Security-Tarzan Wolfram Cieslik der Film aus der Kamera abverlangt. Allerdings kann ich nun verstehen, warum Chuck Berry nicht geknipst werden wollte. Dieses Konzert muß der Nachwelt wirklich nicht erhalten bleiben.
Ganz anders dagegen war es schon wieder bei Little Richard). Mit sicherlich 15 Musikern, alle in glitzernden Kostümen, exzellent auf ihren Instrumenten lieferte der quirlige und top-fite Rock´n Roll-Star eine perfekte Show im Las-Vegas-Stil ab, die nicht nur durch ihre absolute Musikalität beeindruckte, sondern auch durch die Persönlichkeit des Little Richard, der ein geborener Show-Star ist und immer war. Lucille", Tutti Frutti" und, und, und . . . sind und bleiben unvergessene Klassiker der Musikgeschichte, das war an diesem Abend deutlich zu spüren.
Jerry Lee Lewis, Chuck Berry und Little Richard sind trotz allem, oder vielleicht gerade deshalb, die letzten noch lebenden Legenden des Rock´n Roll und werden einst, zusammen mit dem King", in der Ruhmeshalle ihren Platz finden.