Lieber Herausgeber,
ich bin für gewöhnlich kein Meckerer und Besserwisser, und ich erkenne durchaus an, daß es, neben dem Westf. Anzeiger", noch eine zweite satirische Zeitung in Hamm geben sollte. Aber was den Lesern in den letzten Monaten in WILLI" alles zugemutet wird, ist kaum noch zu ertragen. Wenn ich mir allein die Reiseberichte mal vorknöpfe, so strotzen sie ja nur so von Einfallslosigkeit. Mein Gott, gibt es denn gar keine Lippe-Abenteuer mehr? Was soll denn dieser Artikel über die Verkaufsfahrt" an die Sorpe, so etwas gibt es doch überhaupt nicht. Oder die Besteigung des Mount Heinrich Robert"; wenn ich so etwas schon lese, die Schneegrenze in 24 Metern Höhe. Jeder weiß doch, daß die viel höher liegt. Ihnen mangelt es in letzter Zeit an guten Redakteuren, das ist deutlich zu merken. Und erst die Zeichnungen, nee, also diese Strichmännekes, da ist ja sogar Loriot noch besser. Am schlimmsten aber sind die sogenannten Kneipen-tests". Was denkt sich der Verfasser eigentlich dabei, wenn er so über unsere Hammer Gaststubenlandschaft herzieht, schließlich kann es nicht überall einen Ballermann 6" geben. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit war ja wohl der Bericht über das Bootshaus". Vor zwei Jahren hätte ich mich darüber noch köstlich amüsieren können, heute aber bin ich so weit gereift, daß mich die Ironie Ihres Mitarbeiters nur noch abstößt. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie noch die Frechheit besäßen, demnächst einen Kneipentest über das Stunikenhaus" zu veröffentlichen. Ich werde weiterhin Ihre Zeitung aufmerksam im Auge behalten, um Sie gegebenenfalls verachten zu können.
Karl M. Mayer-Degen, Hamm
In unserem Artikel Traummotive - Eva Maria Ketels eröffnet ihre erste Ausstellung -
haben wir das Zitat der Künstlerin falsch rezitiert. Richtig ist: Kultur ist notwendig, weil sie die einzige Möglichkeit ist, die Not zu wenden." Wir bitten um Entschuldigung.