Rückblick

„HAMMER-Spitze" in HoppeGarden/Kulturwerkstatt:

InTRAZZ

Eine interessante Band wertet Hammer Musikszene auf

Bassmann Hans Dieter Gatzke erzählte mir, daß der Name „InTRAZZ" eine Kombination aus Trash und Jazz sei, damit sollte die Musikrichtung der Band beschrieben werden. Gottseidank haben die Vier das nicht allzu wörtlich genommen, denn Martin Sommer (Gitarre), Hans Dieter Gatzke (Bass), Frank Hanneken (Drums) und Birgit Copony (Gesang) machen waschechte Rockmusik, wenn auch manchmal recht kompliziert arrangiert, so daß es nicht immer leichte Kost war, was man am 2. September im HoppeGarden der Kulturwerkstatt hören konnte. Die Premiere fand zwar schon eine Woche vorher im rappelvollen „Senftöpfchen" statt, aber soundmäßig war es im HoppeGarden schon etwas aufwendiger gestaltet worden. Um 21.45 Uhr ging es los mit dem Titel „This World", ein geiles rockiges Stück, gerade richtig, um eine Show damit zu eröffnen. InTRAZZ ist eine sehr gut aufeinander eingespielte Band, die sehr intensiv geprobt haben muß, denn aus dem Handgelenk schüttelt man eine solch komplexe Musik nicht. Martin Sommer glänzte an der Gitarre vor allem bei den Soli („Celtic World"), doch gemeinsam mit Hans Dieter Gatzke´s außergewöhnlichem Baßspiel und Frank Hanneken´s exaktem Schlagzeug ließ auch der Soundteppich unter Birgit Copony´s exzellenter Stimme keine Wünsche offen. Stimmlich unterstützt von Sommer und Gatzke zeigte Birgit auch an diesem Abend, daß sie zur Zeit in Hamm als Sängerin und als Frontfrau nur wenig (eigentlich keine) Konkurrenz hat. Nicht vergessen zu erwähnen darf man natürlich auch die spontane und unverkrampfte Bühnenshow der Band, die mit dazu beitrug, InTRAZZ nicht nur zu einer hörenswerten Gruppe zu machen, sondern auch das Auge gebührend zufrieden zu stellen, woran nicht zuletzt Martin Sommers Hose großen Anteil hatte. Die stammt nämlich aus dem geheimen Privatkleiderschrank von Gianni Versace. Natürlich ließ auch die Hammer „Musiker-Prominenz" nicht die Gelegenheit aus, den Kollegen zu applaudieren. Kräftig Beifall gab es u.a. von Till Hohen-eder (Till & Obel), Jürgen Vogel, Jacky Biermann (Return), Rainer Niklowitz (Roots), Rainer Hünecke, Norbert Hötger (Red Point), Rolf Ruhland (Illegal-Band), Bert Spangemacher (Dirty Wheels), Rainer Brackelmann (Brackelbande) sowie Werner Lauterbach (City Music) und Olaf Berhorst.


Die Kaspar Lene – Erinnerungen an eine Kindheit

Fast ausverkauft war am Samstag den 13.09 die Premiere des ersten, völlig in Hamm erarbeiteten Theaterstückes, des ursprünglich aus Köln stammenden ‚Helios-Theaters' im Bürgersaal des VHS- Gebäudes. Erzählt wurde die Geschichte von Lene (Isabel Katharina Jungreuthmayer) und ihren Eltern Hans und Sofia Baumeister (Michael Lurse und Conny Ottinger), und von ihrem bunten Puppentheater im immer brauner werdenden Berlin der 30er Jahre.

Die junge Lene liebt das Puppentheater und hilft den Eltern gerne bei der Arbeit. Freunde hat sie nicht, doch das scheint sie nicht zu stören, auch nicht, daß die anderen Kinder sie die ‚Kaspar Lene' nennen. Ihre Lieblingspuppe ist eben der Kaspar, der immer die Wahrheit sagt, auch noch, als eine Zeit anbricht in der die Wahrheit nicht mehr gefragt ist. Lene scheint in ihrer Kindlichkeit nicht zu begreifen was um sie herum passiert, warum ihre Eltern sich anders verhalten als die anderen und warum das Theater plötzlich geschlossen wird.

Ihr Vater verfällt in eine Depression und entfremdet sich seiner Tochter und seiner Frau immer mehr, er beginnt für den Widerstand zu arbeiten. Lene sucht dort Trost wo sie ihn findet, beim Bund deutscher Mädchen, der ihr bisheriges Denken und Handeln nach seinem Willen umkrempelt. Sie verfällt dem braunen Wahn so, daß sogar ihr Vater Angst vor ihr bekommt und nicht mehr in ihrer Gegenwart vom Widerstand spricht. Lenes Mutter ist der Angst um ihren Mann und den Veränderungen ihrer Tochter nicht gewachsen und flüchtet nach Amerika. Die Fronten verhärten sich zunehmend zwischen Lene und Hans, bis der schließlich seinen Einberufungsbescheid bekommt und abreißt.

Die Geschichte wird zu Ende erzählt: Lene wird im Feldlazarett eingesetzt, Hans kämpft zunächst in Dänemark, taucht dann unter und kehrt nach Kriegsende wieder nach Berlin zurück, Sofia lebt in Amerika.

Fesselnd und interessant ist das Stück allemal, kommt es doch mit vergleichsweise wenig Pomp aus, allein die perfekt abgestimmte Musik, gespielt von Cornelia Ottinger und die brillante Leistung der Schauspieler machen es sehenswert. Leider erscheint es mit knapp 50 Minuten etwas zu kurz um wahre Gefühle aufkommen zu lassen und die wirkliche Problematik der dargestellten Zeit nahe zu bringen. Geschrieben ist das Stück für Kinder ab acht Jahren, die nach dem Wunsch der Regisseurin Barbara Kölling, im Idealfall mit ihren Großeltern kommen sollten, und das scheint auch das einzig vernünftige zu sein. Der Besuch des Theaterstücks kann sicherlich nur einen Anfang machen, viel wichtiger werden die Gespräche darüber sein. (as)


LIVE FROM NEW YORK CITY

MUSCLEFUNK

Ex Chaka Kahn-Gitarrist bot heißen Funk

Whow, das war wieder einmal etwas. Wohl denen, die es miterleben durften, Michael J. „Dinosaur" Campbell´s MUESCLEFUNK. New York City-Funk allererster Güte. Am 12. September war der kleine Schwergewichtler aus Brooklyn mit seiner Band im Hoppe Garden der Kulturwerkstatt zu Gast und verwandelte die Kneipe in einen heiß brodelnden Hexenkessel.

Zunächst hatte die Band allerdings erstmal ein kleines Problem, der Baßverstärker von Conrad Anthony „Hollywood" war am Vorabend bei einem Konzert in Flammen aufgegangen, unangenehm, drei Tage nach dem Tour-Start.

Aber kein Problem für die Kulturwerkstättler. Kurzerhand wurde der Baßamp von Torsten Osiewacz aus dem Probenraum geholt und auf die Bühne gebracht, damit war die Welt wieder in Ordnung. (Herzlichen Dank, Torsten) Während die Musiker sich im City-Hotel frischmachten, strömten die Zuschauer in den Hoppe Garden und waren gespannt auf das, was kommen sollte. Und niemand wurde wohl enttäuscht. Um 22.00 Uhr betraten die New Yorker die Bühne und legten sofort den 4. Gang ein. Heißer, pulsierender Funk, schwarz, sehr schwarz angehaucht, mit einer Power, die einem die Ohren flattern ließ. Dave „Partyman" Bowler (Drums, Voc.) und Conrad Anthony „Hollywood" (Funk-Throb-Bass, Voc.) legten einen Background-Teppich, auf dem sich die beiden Kollegen Johnny Hype (Keyboards) und Michael J. „Dinosaur" (Big Boss Funk-Guitar, Guitar-Synth., Voc.) mit sicheren Schritten bewegen konnten. Was „Dinosaur" auf seiner Gitarre zauberte und was er aus dem Gitarren-Synthesizer für Sounds herausholte (Piano, Streicher u.s.w.), war enorm. Auch seine Stimme konnte sich hören lassen und seine Performance zog das Publikum vom ersten Song an in seinen Bann. Und Johnny Hype, cooool mit Sonnenbrille, am Keyboard funkte wie ein Weltmeister. Und erst Conrad Anthony, sein Bass-Solo begeisterte alle. Überhaupt war die Stimmung einzigartig, erst recht für den Hoppe Garden. Aber sind wir mal ehrlich, wenn eine Super-Band geboten wird, spielt auch das Publikum mit, jedenfalls fast immer. Nach zwei Stunden kochte der Laden und die vier Musiker wurden dreimal auf die Bühne zurückgeklatscht. Unten in der Garderobe gab es noch ein paar kühle Bierchen und viele Hammer Musiker-Kollegen feierten noch mit. Einziger Wehrmutstropfen: Die brandneue CD „Rockin´ In My House" war auf dem Weg von New York nach Frankfurt irgenwo hängengeblieben. Wie „Dinosaur" WILLI erzählte, war der Hoppe-Gig schon der vierte auf dieser Tour, und keine CD im Gepäck. Sehr schade, denn viele Zuschauer hätten gerne eine Scheibe gehabt. Aber vielleicht steht sie demnächst auch in den Hammer Läden. (Hh.)


Vierte Hammer Oldie-Party im ALLEE-Center

THE LORDS und THE RUBETTES - Klasse

Ansonsten - Bitte keine Konserven!

Alle guten Dinge sind Vier, denn die vierte, bestimmt aber nicht die letzte Oldie-Night fand am 20. September im Hammer Allee-Center statt. Fünf Bands waren angesagt: THE SESSION, CHRISTIE, THE BLUE DIAMONDS, THE LORDS und THE RUBETTES, außer THE SESSION, einer jüngeren Cover-Band aus Münster, alles alte Recken der Rock- und Pop-Musik. Nach einer wegen erheblicher technischer Mängel nur unzureichend verständlichen Ansage- und Begrüßungsrede von Veranstalter Detlef Haverland und Center-Manager Peter Luscher waren THE SESSION an der Reihe. Auch bei ihnen bekam der Sound-Mixer den Ton nicht in den Griff, ein unerträgliches Feedback versaute zumindest die erste Hälfte des Gigs. Das schien aber für das Publikum nicht sonderlich störend zu sein, es war sofort in der richtigen Stimmung, schließlich ist man nicht wegen der Musik gekommen, sondern um eine Oldie-Party zu feiern. Nach den Münsteranern, die vor allem durch den Sänger, Gitarristen und Frontmann Michael Voß glänzten, erwartete ich die Band CHRISTIE mit ihrem Sänger und Songschreiber Jeff Christie. Ich hatte die Band schon mehrfach auf einem Demo-Video ihrer Agentur gesehen und war von der Musik und von der Band begeistert. „San Benardino", „Yellow River", wer kennt nicht diese Ohrwürmer. Um so enttäuschter war ich, als plötzlich Jeff Christie allein mit seiner Gitarre auf der Bühne stand und es wirklich wagte, uns mit Halbplayback zu belästigen. Natürlich spielte er seine Hits, routiniert und sauber, dazu einige CCR-Hits, „No Replay" von den Beatles und etliche andere gut ins Ohr gehende Songs. Aber wenn es nicht das leckere POTTS-Bier im Ausschank gegeben hätte, ich wäre sauer gewesen. Das Publikum nahm´s hin, jo mei . Ja und nun wäre eigentlich die zweite Playback-Band an der Reihe gewesen, THE BLUE DIAMONDS. Nur, so´n Pech, die hatten ihr Playback-Band vergessen. Wie peinlich. Also mußten THE SESSION noch mal ran. Och Gott, es gibt Schlimmeres.

Um 23.00 Uhr war es dann endlich soweit: THE LORDS! Das ist eine Band nach meinem Geschmack. Stecker rein, alle Knöppe auf Zehn und los. Seit fast vierzig Jahren stehen diese alten Säcke nun schon auf der Bühne (sie sind sogar älter als ich) und sie haben nichts verlernt, im Gegenteil, ich finde, sie werden immer besser. Uli Günter, Sänger und Ober-Lord, hatte das Volk sofort im Griff. Mit ein paar rotzigen Frechheiten, wie es den Berlinern wohl angeboren ist, stimmte die Chemie auf Anhieb und Gitarrist Leo und Bassmann Bernd unterstützen ihren Chef auf der Bühne nach allen Regeln der Bühnenkunst. „Shakin´ all over", „Poison Ivy", „Gloryland", „Poor Boy", „Que Sera" und (natürlich) „Have a Drink on me", die Reihe der LORD-Hits ist schier unerschöpflich. Vierstimmiger Gesang, ein sehr guter zweiter Gitarrist und ein Tier am Schlagzeug, all das trug und trägt dazu bei, daß die LORDS immer noch eine der besten deutschen Live-Bands sind. Nur, der Sound war immer noch nicht gut. Das Schicksal meinte es nicht so gut mit uns, denn THE BLUE DIAMONDS hatten ihr Band nun doch noch gefunden und so zogen sie ihren Gig ab, mit gutem Live-Gesang und guter Show, das muß man schon sagen, aber Halb-Playback. Die RUBETTES, der Top-Act, haben mich dann wieder versöhnt. Ganz in Rot gekleidet, aber ohne ihre weißen Mützen, boten sie ein tolles Konzert, handgemacht, mit hervorragendem vielstimmigen Gesang. Neill Young wurde ebenso gebeten einen Song beizusteuern, wie die Beachboys. Natürlich fehlten die eigenen Hits wie „Sugar Baby Love" nicht im Programm der RUBETTES. Ein beeindruckender Gig, hat mir sehr gefallen.

Ich weiß nicht, wieviel Zuschauer dort waren, 1800, wie es im WA stand??? Auf jeden Fall war das Publikum in Party-Laune, was nicht zuletzt an dem reibungslos verlaufenden Bierausschank liegen mochte. Allein das Gewühle durch die Menge dorthin, und vor allem mit den vollen Bechern wieder zurück, bereitete Mühe und verschaffte Vielen nasse Arme. Ganz schlecht fand ich, daß die Toiletten nur ganz, ganz hinten im Saal geöffnet waren. Das hat sicher auch so manchem Zeitgenossen nasse Hosen beschert. Und dann die liebe Security-Garde. Natürlich

müssen diese Jungs präsent sein, aber warum müssen sie immer dieses „Ich-bin-der-Größte, -du-bist-ein-Dreck-Gesicht" vor sich her tragen? Ich habe eine Begebenheit vor der Bühne beobachtet, bei der ein Zuschauer, der nichts mehr als einen dummen Spruch abgelassen hatte, in einem brutalen Polizeigriff von zwei Gorillas abgeführt, und durch den Seitenausgang auf die Straße geworfen wurde. Was sollen diese „Tüt-Ei-Methoden?" Trotzdem, die vierte Hammer Oldie-Night im Allee-Center war ein Erfolg, und wenn soviele Zuschauer sich wohlfühlen, will auch ich nicht meckern und nächstes Mal wieder hingehen. Falls die Veranstalter mich und den Willi -Fotografen nach diesem Artikel nochmal hineinlassen (Hh. / Fotos: R. Brackelmann)