Rückblick

Pop-Night der Musikschule in der proMILLE

Am Samstag, dem 04.10.97 konnte man sich noch so sehr bemühen, bequem in der "Promille" zu stehen, es war so voll, daß man froh sein konnte, überhaupt ein Getränk zu bekommen. An dieser Stelle "Hut ab" den Damen, die an diesem Abend für die Versorgung der Gäste zuständig waren!!

Unter der Leitung von Jan Freund stellte sich die Hammer Musikschule vor, und zwar wurden vorgestellt: Eine Percussionsband, Jazz, Latin, ein Saxophonquartett, Big Band, ein Drum Duo und die Dozenten Band. Der "Szenemusiker" gähnt, wenn er Musikschule hört, wäre er anwesend gewesen, hätte er am liebsten mitgemacht. Von wegen langweilig! Die Popabteilung umfaßt ca. 250 Mitglieder im Alter von 8 bis 28 Jahren und wieviel genau hier nun auftraten, war für mich nicht so ganz zu überschauen. Das Dozententeam hatte für diesen Abend ein buntes Programm zusammengestellt, das sich allemal hören lassen konnte und zum mitwippen animierte, soweit das in jener räumlichen Enge möglich war. Jetzt fragt man sich vielleicht, welchem Zweck diese Veranstaltung wohl gedient habe.

Lt. J. Freund verfolgt die Hammer Musikschule das Ziel, unterschiedlichste Stile zusammenzufügen, Bands zu formieren, Workshops zu veranstalten, kurzgesagt Musiker aller Art zusammen zu bringen. Er betonte, daß großes Interesse besteht, z. B. mit Punk-, Grungebands usw. Sessions zu organisieren. Sogenannte "Schnupperkurse" sollen zukünftig ebenfalls zum Programm der Musikschule gehören. Wer Interesse hat, kann sich in der Musikschule entsprechende Informationen holen oder aber die Veranstaltungskalender verfolgen, denn dieser Abend soll auf gar keinen Fall der letzte gewesen sein. Was ich persönlich vermißt habe, ist die Abteilung Gesang. Es wurde jedoch eigens für das Jazz-Programm eine Sängerin engagiert, die mich sehr besänftigte. Zerrin Savma, ein zierliches Persönchen mit einer ganz großen Stimme. (Warum ist sie hier unbekannt???) (wi)


Paul James Barry beim Frühschoppen

Ein Taxi fuhr vor, Paul James Barry stieg aus, ging zur Bühne und drehte sich ein wenig verwirrt um. Fragte vorsichtig, ob die Kinder denn dablieben und ob das alles so seine Richtigkeit habe. Nachdem das Radbodteam ihn dahingehend überzeugen konnte, daß der Frühschoppen immer in dieser Form stattfindet, stimmte er seine Gitarren, machte einen kleinen Soundcheck und löste ein paar Kreuzworträtsel in Schneidersitzhaltung am Rande der Bühne. Doch so recht konnte sich der sonst in Under-ground-Clubs bekannte Musiker noch immer nicht an sein Publikum gewöhnen und meinte während des Gigs, daß kleine Kinder in die Kirche gehören. Nicht sehr überzeugend allerdings, denn die mochten ihn und tanzten auch etwas zu seinen Klängen. Obwohl ihm seine Texte in dieser Situation offensichtich sehr peinlich waren, tat das seiner Performance keinen Abbruch. (Hierzu sei angemerkt, daß er so erfolgreich nuschelte, daß man sogar als gut Englisch sprechendes Wesen nur die Hälfte verstand!)

Seine Texte sind auch, wenn man wie gesagt die englische Sprache einigermaßen versteht, nicht so ganz ohne... Paul singt von persönlichen Erfahrungen, die er machte, oder von denen, die er machen möchte in einer sehr unverblühmten Art.

Eine Gitarre kann sehr percussiv sein, eine Stimme einzelne Wörter so singen, daß man sie versteht auch ohne die Sprache zu können. Den Gesang des Briten könnte man als eine Mischung aus Jim Morrison, Curt Corbaine oder Michael Stipe bezeichnen. Es gelang ihm Aggression, Trauer, Härte, Depression und Sarkasmus hervorragend rüberzubringen. Dieser Mensch lebt seine Musik und schafft damit eine ganz individuelle Atmosphäre. Eine kleine Lehrstunde, wie eine Person, die Bühnenpräsenz mancher Bands charmant in den Schatten zu stellen vermag. Das Publikum war zwar müde aber begeistert und fragte, wo seine CD zu kaufen sei. Er wußte es selbst nicht genau...

Vielleicht wird er ja noch mal nach Hamm eingeladen? (wi)


„HAMMER-"Spitze" THE POLYCHROME DOGS

Kraftvoll und laut, jo mei, warum nicht . . ?

Zum Xten Male schon stand wieder eine Hammer Band in der Reihe „HAMMER-Spitze" auf der Hoppe-Bühne, diesmal waren es THE POLYCHROME DOGS. Nun, wie soll man die Musik der Band beschreiben? Wir nannten diesen Musikstil (den es übrigens schon vor 25 Jahren gab) Underground, heute nennt man ihn Grunge, Independent oder - weiß ich auch nicht. Jedenfalls begann der Auftritt der „DOGS" um 21.40 Uhr mit einem Sturm, nicht mit einem Sturm der Entrüstung, nein, mit einem elektronisch erzeugten Sturm, der den ersten Song einleitete. Ein schweres Werk, mit bedrohlich wirkendem Sound, aber der Abend sollte gottseidank noch beschwingter werden, dafür sorgten die Songs der Band, die sich als durchaus gefällige Rockliedchen entpuppten und von Gitarrist, Sänger und Frontmann Chrishoph Hugemann gut und souverän ´rübergebracht wurden. Gesanglich unterstützt wurde er von Sangeskollegin Anke Richter, die sich mit klarer und durchdringender Stimme gegen das Soundgewitter der Band sehr gut durchzusetzen vermochte. Denn laut waren die POLYCHROME DOGS allein schon durch das von Frank Strauch sehr kraftvoll und präzise gespielte Schlagzeug, und der neue Baßmann Jochen Franke sorgte durch sein exaktes Timing dafür, daß die Band eine excellente Rhythmussektion hat. Später wechselte Christoph Hugemann zur Acoustic-Gitarre und prompt wurde der Sound transparenter, denn wie so oft (siehe FREEZE) waren die Gitarren zwar laut, aber durch übertriebene (technisch leider mögliche und nur zu übliche) Effekte nie deutlich zu hören. Eine Unsitte, wie ich finde. Trotzdem, Solo-Gitarrist Jens Neuhaus hat so manches Solo abgeliefert, mit dem er durchaus beeindrucken konnte, und wenn man, wie bei ARD und ZDF, in der ersten Reihe stand, war auch der ein oder andere Ton besser zu hören. Das Publikum war offensichtlich zufrieden, eine Zugabe wurde gefordert und gewährt. Nur, es hätten ein paar Hände mehr sein können, die THE POLYCHROME DOGS bei ihrem Konzert die nötige Unterstützung gegeben haben. Achtzig waren es, und wenn wir richtig rechnen, kommen wir auf vierzig Zuschauer. Na, vielleicht das nächste Mal. (21. Nov., FIVE MINUTES LEFT)

Bands gesucht! Für die Reihe „HAMMER-Spitze"

in der Kulturwerkstatt werden für 1998 noch Bands gesucht. Die Konditionen: 100% der Abendkasse, Zeitung u. Rundfunkwerbung, Programmhefte und Anzeigenwerbung von der Kulturwerkstatt. Licht vorhanden, Backline u. PA - Gesangs-anlage müssen mitgebracht werden. Freie Monate: Januar, Mai, Juni, September, Oktober, November u. Dezember. Info, Foto, Demo bitte an die Kulturwerkstatt, Oberonstraße 20/21, 59067 Hamm, Stichwort: „HAMMER - Spitze".(Bitte nicht immer wieder dieselben Bands)


Neue Reihe in der Kulturwerkstatt:

LIVINGROOM BLUES mit dem ACOUSTIC BLUES DUO

Hin und wieder mal was Neues", dachten sich die Macher der Kulturwerkstatt und hoben das Kind „Livingroom Blues" aus der Taufe. „Es gibt sehr viele interessante Solomusiker oder Duos im Bluesbereich", war von Uli Holesch zu erfahren, „wenn wir die im Hoppe Garden auftreten lassen, spielen sie vor dreißig oder, wenn´s hoch kommt vor vierzig Leuten. In dem riesigen Laden kommen die sich dann ziemlich verloren vor. Das haben die Musiker nicht verdient. „ Also besann man sich auf die „Kleine Bühne" in der ersten Etage des Hauses, der Raum faßt etwa 50 Zuschauer und wirkt sehr intim. Eingerichtet wurde er im „Wohnzimmerstil", mit gemütlichen alten Sofas, runden Tischen mit Mutters Tischdecken, Messingkerzenleuchtern, Wohnzimmerlampen und Teppichen. Knabberzeug wurde gereicht und eine Zapfanlage aufgebaut. Außer Bier gab es Cola, Fanta, Wasser, Wein und Korn, eine Grundversorgung also. Und alles zu sehr zivilen Preisen: 2,- DM pro Getränk, Korn 1,50 DM. Das Eintrittsgeld von 5,- DM war ebenfalls erschwinglich und so konnte eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Zum Auftakt der Reihe hatte man das ACOUSTIC BLUES DUO aus Marktleuthen/Franken eingeladen. Annie Sauerwein (Drums, Washboard, Voc.) und Harald Goldhahn (Gitarre, Dobro, Voc.) betraten um 21.30 Uhr vom langen Flur her durch den Zuschauerraum mit einem „Walking Blues" die Bühne und erzeugten bei den etwa 30 Zuschauern gleich gute Laune. Und nun ging es auf eine Zeitreise zurück in die zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre des traditionellen Mississippi-Blues. Mit launigen und witzigen Ansagen brachten die beiden fast schon vergessene Songs von Legenden wie Lightnin´ Hopkins, Willie Brown, Lonnie Johnson und Blind Lemon Jefferson., wobei der „Running Gag" des Abends nach jeder Ansage die Bemerkung war: „Der ist übrigens auch schon tot." Einmal vergaß Annie dies zu erwähnen, und prompt kam aus dem Zuschauerraum der Zuruf: „Auch schon tot!" Unterbrochen von einer kleinen Pause und verlängert durch eine Zugabe konnte man beim LIVINGROOM BLUES 100 Minuten echten, urwüchsigen amerikanischen Blues hören, und vorher, in der Pause sowie nachher gab es Blues von der CD. Und wer den Veranstaltern an diesem Abend „Blues-lastigkeit" vorwarf, hatte diesmal völlig recht. Eine gute Idee, wie WILLI meint, und wenn LIVINGROOM BLUES im Januar in die zweite Runde geht, kommen vielleicht ein paar Zuschauer mehr. (Hh)


Immer wieder Dienstags...

Konzert im Senftopf, diesmal mit

FREEZE

Inzwischen ist es schon zu einer festen Einrichtung geworden, das Dienstagskonzert im „Senftöpfchen". Diesmal, am 14. Oktober, stand FREEZE, ehemals „Banana Breads", auf der kleinen Bühne. Die Musik dieser Hammer Band könnte man stilistisch einordnen in die Sparte des Grunge Rock, oder so . . . Das jedenfalls sagt das Info der Gruppe. Das übrigens beschreibt die Band noch viel ausführlicher, nur muß wohl an diesem Dienstag eine völlig andere Gruppe im „Senftöpfchen" gespielt haben, denn so recht begeistern konnte mich FREEZE nicht. Der Sound war total daneben, die Gitarre kaum zu hören, der Baß bollernd und das Schlagzeug holprig und für meinen Geschmack zu wiggelig. Die Stimme des Sängers Arkadius Kuczmera kam allerdings sehr gut ´rüber, besonders bei „In the Ghetto", einer originellen Version des Schmusesongs vom seligen Elvis. Ansonsten wurden nur Eigenkompositionen gebracht, die Texte aus der Feder des Sängers Arkadius, die Musik stammt von Gitarrist Benjamin Pawlowski, der unterstützt wurde vom „sechssaitigen" Kollegen Uli Stephanny, der die Sologitarre und den Synthesizer bediente. Die Songs der Band zu beschreiben will ich mir nicht anmaßen, man muß diese Musik mögen, um sie genießen zu können. Trotzdem, einen nicht unwesentlichen Teil zu dem unkonventionellen Musikstil tragen Bassist Dominik Grenzler und der neue Drummer Lars Libuda durch ihre teilweise ausgefallenen Riffs und Rythmen bei. Plötzlich, bei einer Ballade, war auch die Gitarre zu hören, da unverzerrt und clean. Es geht also doch. Der schönste Titel des Abends war für mich der letzte, nach dem allerdings vom Publikum keine Zugabe gefordert wurde. Komisch, gerade der ließ auf mehr hoffen. Trotzdem gab die Band noch einen Nachschlag,denn wenn man Lust hat zu spielen, muß man auch manchmal seinen eigenen Willen durchsetzen. Und Lust an der Musik hatten die fünf jungen Hammer, das konnte man merken. Und das macht Vieles wieder wett. Beim nächsten Gig ist dann auch der Sound wieder gut .

Sicherlich würde ein Fan dieser Band diesen Artikel ganz anders schreiben als ich, aber ich bin nun mal kein Fan dieser Band, daher möge man es mir verzeihen, wenn ich es kurz mache.

Halt, ein Wort noch an das Publikum des „Senftöpfchen": Sicherlich sind die Gagen der dort auftretenden Bands nicht sehr hoch, aber bezahlt werden müssen sie trotzdem. Also, akzeptiert ruhig ein Eintrittsgeld, fünf Mark sind doch nicht zuviel. (Hh)


Sechs Jahre Kulturwerkstatt / Hoppe Garden

THE ALL STAR ROCK´N ROLL CIRCUS

450 Zuschauer sahen den Hammer Rock´n Roll Rundumschlag

Whow, war das ´ne Party. Angekündigt war das Spektakel als „Hammer Rock´n Roll Rundumschlag", und Anlaß war die sechsjährige Zusammenarbeit zwischen Kulturwerkstatt und Hoppe Garden. Übrigens nicht, wie immer wieder in der seriösen Presse erwähnt, das sechsjährige Bestehen der Kulturwerkstatt, die ist nämlich noch älter. In den letzten sechs Jahren wurden von der Kulturwerkstatt im Hoppe Garden 170 Konzerte veranstaltet, die von über 23.000 Zuschauern besucht wurden. Die Highlights waren sicherlich: Luther Allison, Chicken Shack, Willie Littlefield, Herman Brood; Joanna Connor, Man, Birth Control, Spencer Davis Group, Hermans Hermits, Long John Baldry, Tom Principato, Alex Oriental Experience, Nine Below Zero, Blues 'n Trouble und Randy Hansen. Und zum Sechsjährigen gab es ein weiteres Highlight, den ALL STAR ROCK´N ROLL CIRCUS. 30 Hammer Musiker und Musikerinnen hatten sich zusammengefunden und sieben Bands gegründet, nur für diesen einen Abend, denn sonst spielen sie alle in eigenen Gruppen:

Return, Dirthy Wheels, Otis' Lehrerband, Red Point, InTrazz, Soul Out, Fechner, Brackelbande, King Fritte, Black & White Band, Touch of Blue und wie sie alle heißen. Die Musikrichtungen waren ebenso gemischt wie das Publikum, und das war in absoluter Partylaune. Gleich, als Otis mit seiner LEHRERBAND loslegte, waren die ca. 450 Besucher auf Tempo 100 und sie hielten das durch bis zum Ende. Nach der Pädagogencombo betrat Uwe Fechner mit seinen Mannen die Bühne und knallte den Fans einen gehörigen Rock mit deutschen Texten vor den Latz, hat mir sehr gut gefallen. Danach gab´s Soul, Boogie und Jazz/Blues von Seidel und Sumik mit Band. Kam sehr gut ´rüber, mit drei Bläsern, toll. Den längsten Auftritt des Abends hatte Sloopy Bialas mit seinen Frauen/Mannen, denn neun Musiker/innen wollen beschäftigt sein. Und mit Birgit Copony und Catrin Budach hatte Sloopy zwei ebenbürtige Sangeskolleginnen an seiner Seite, die nicht nur besser aussahen als er, sondern auch ebenso gut bei Stimme waren. Der Hoppe Garden tobte, allen voran Michael Reckers, ehemaliger Mitbetreiber, der mit 20 Leuten aus dem Siegtal angereist war. Nun waren Harald Sumik und Otis Reddig an der Reihe, die mit einer sehr gelungenen Einlage etwas ruhigere Töne anschlugen, ein perfekter Kontrast zur Rock´n Roll & Country Show der Vorgänger. Die Gitarristen-Abteilung wurde mit Martin Sommer und Uwe Sill´s Combo mehr als gut bedient, mir klingeln heute noch die Ohren von diesem Soundgewitter. Toll. Den würdigen Abschluß bildete die Band um Andreas Tiggeman und Bert Spangemacher, die LED ZEPPELIN und Kollegen zu Wort kommen ließen. Zwar hieß einer ihrer Songs „Going Down", aber das Volk war aus dem Häuschen, und ließ die Musiker erst nach mehreren Zugaben von der Bühne. Nicht nur oben im Hoppe Garden ging die Party noch lange weiter, sondern auch unten in den Gewölben der Kulturwerkstatt feierten die Akteure mit vielen Freunden noch bis in die tiefe Nacht. Fast die komplette „reifere" Musikszene Hamm´s war auf den Beinen, nicht jeder konnte an dem Bühnengeschehen teilnehmen, dafür reichte einfach die Zeit nicht. Trotzdem, auf Bitte und im Namen der Kulturwerkstatt und des Hoppe Garden bedankt sich WILLI hier auf diesem Wege bei allen Beteiligten, auch bei denen, die gern mitgemacht hätten, aber aus den genannten Gründen nicht konnten. Es war eine tolle Party, wir freuen uns auf die nächste. Vielleicht zum 10jährigen. (Hh)