Die Tage werden kürzer und dunkler. Herbstdepressionen stellen sich ein. Besonderer Sadismus zeigt sich in diesen Tagen in Sätzen, wie Weißt Du noch? Vor drei Monaten waren wir noch am Strand ...". Aber es ist ja wahr - jetzt sitzt man hier bei Temperaturen knapp über Null Grad, und vor gar nicht so langer Zeit hat man noch bei 40· am Strand von Cádiz geschwitzt. Keine Frage, was mir jetzt lieber wäre! Auch wenn unsere Interrailtour mal wieder anstrengend war, ich kann mir einen normalen" Urlaub trotzdem kaum vorstellen. Dieses Jahr ging es per Zug vier Wochen lang durch Spanien. Von Hamm fuhren wir zuerst einmal nach Paris, was wir aber aufgrund der Anwesenheit des Papstes und zirka 500 000 anderer junger Christen fluchtartig wieder verließen. Weiter führte uns der Weg zuerst in den Norden Spaniens, nach San Sebastián. Danach ging es in die Heimat Don Quichote´s: Toledo und Segovia sind wirklich riesige Freilichtmuseen. Nach so viel Kultur war dann aber doch noch ein längerer Badestop nötig. Von Cádiz aus haben wir allerdings nicht nur die Strände der Atlantikküste erforscht, sondern vor allem die Sherry-Kellereien um Jerez de la Frontera herum ausgekundschaftet. Anfang September, bei 40· ist es allerdings nicht so ratsam schon um 11·· Uhr mit Besichtigungen (sprich Kostproben!) in den Bodegas zu beginnen, wie ich nun aus (schmerzlicher) Erfahrung sagen kann. Trotzdem hat es uns so gut gefallen, daß wir neben unseren Rucksäcken - und einem 2-bändigen Spanischlexikon (wessen Idee das wohl gewesen ist?) - noch zwei Flaschen Sherry mit zurückgeschleppt haben. Nach diesen mehr geistigen" Erquickungen ging es dann weiter nach Sevilla. Wer sich in diesem Hitzekessel nicht von 14 bis 18 Uhr mehr tot als lebendig im Schatten verkriecht, kann nicht ganz normal sein! Siesta" ist hier überlebenswichtig. Auf dem Rückweg ging es dann auch schon etwas erschöpft über Barcelona zu einem zweiten Badestop an die Costa Brava. Aber auch in diesen letzten zwei Tagen haben wir es nicht geschafft uns von unserem Urlaub zu erholen". Irgendwann ist die Sehnsucht nach einem Bett, einer sauberen Dusche und einem guten Essen einfach stärker als der größte Wissensdurst! Trotzdem jetzt, wenn ich die Heizung aufdrehe und in den Nieselregen vor dem Fenster schaue, würde ich lieber in meinen Trekkingschuhen mit 20 Kilo auf dem Rücken über die staubigen Straßen in Castilla-La Mancha ziehen. Nichts wie weg hier! Wo geht´s nächstes Jahr hin?
Katja Pohl