Der Kunst-Willi" unterwegs - Sensation zum Jahreswechsel:
Ich bin immer noch ganz bannig überrascht", meint Knut Brausewetter, Einkaufswagenzusammenschieber und Nebenerwerbslandwirt aus Lerche zu Willi. Wühl ich doch auf meinem Dachboden herum, um die Weihnachtskugeln meiner Omma zu finden, und was entdecke ich da? Verpackt in Butterbrotspapier, ein Ölgemälde. Verstaubt, der Rahmen etwas angegammelt, aber sonst noch gut erhalten. Meine Olle (Gattin, d. Red.) sagte noch, ich solle den grauenvollen Schinken doch besser inne Tonne hauen, aber ich bin zu´n Professer gegangen."
Gottseidank, wie Willi meint, denn der grauenvolle Schinken" ist ein verschollenes Werk des Bitterfelder Künstlers Hans Marianne Kalk, ein Zeitgenosse Emil Noldes und Albrecht Dürers. Willi sprach mit dem anerkannten Kunsthistoriker Hanns Hermann Dildo von der Universität Emsdetten: Das Exponat stammt höchstwahrscheinlich aus dem Jahre 1831 und ist ein Alterswerk des genialen Künstlers, und zwar aus der blau-grünen Periode seiner Gattin Hildegunde. Auf den ersten Blick vermag der oberflächliche Betrachter lediglich einen röhrenden Hirschen in der Brunft zu erkennen, umgeben von seinen ermüdeten Gespielinnen, einige von ihnen noch im zartesten Alter, was sich aber dem versierten Kunstkenner sehr bald als ein folgenschwerer Irrtum herausstellt. Läßt man etwas genauer, aus einiger Entfernung, dieses einzigartige Kunstwerk auf sich wirken, wird der Fachmann feststellen, daß der Künstler uns etwas zu sagen hat. Dazu muß man wissen, daß Hans Marianne Kalk Zeit seines Lebens ein verkanntes Genie gewesen ist. Niemand ist jemals auf die Idee gekommen, daß der Mann ein großer Künstler sein könnte. Daran ist er schier verzweifelt, zumal er einer 34 Jahre jüngeren Gemahlin zuwillen sein, die Bürde zu ertragen hatte. Dieser Umstand verwirrte seine Sinne mit zunehmenden Alter immer mehr, bis er schließlich, im Alter von 88 Jahren, geistig völlig demontiert, höchstwahrscheinlich das hier besprochene Meisterwerk schuf. Nun, was hatte der Künstler
uns denn zu sagen, werden Sie jetzt fragen. Ich will es Ihnen erklären, obwohl ich nur ungern das Werk eines großen Geistes unseres Jahrhunderts in seine Bestandteile zerlegen möchte. Im Vordergrund sehen Sie, einen Hirsch? Falsch, es ist der Meister selbst, etwas verfremdet natürlich, aber es soll den Betrachter schließlich auch zum Nachdenken anregen. Seine Gattin, unten hinter ihm knieend, wirft einen verstohlenen Blick auf den Bürzel ihres Gatten und denkt dabei an ihren Geliebten, den Sie hinten links auf dem Bild entdecken können. Ein versteckter Hinweis auf die stets verborgen gehaltene Homosexualität des Gemahls. Rechts auf dem Werk sieht der aufmerksame Kunst-freund ein Rehkitz. Es symbolisiert den lebenslang unterdrückten Wunsch nach eigenem Nach-wuchs. Die hinten links und hinten mitte zu erkennenden Passanten haben, so wissen wir es heute, nichts zu bedeuten. Im 19. Jahrhundert noch maß man ihnen eine große Bedeutung zu, man sprach von Wesen aus einer anderen Welt, oder aus Bayern oder so. Es hat sich aber als Irrtum herausgestellt. Und der von leuchtenden Wolken umgebene gewaltige Berg im Hintergrund letztendlich deutet auf die schier unerschöpfliche Gegenwart der Allmächtigen hin, der Mutter der Hildegunde. Die Kunstwelt darf sich glücklich schätzen, ein solches Werk wieder..."
Willi: Danke, Herr Professor, und das Bild ist echt Scheiße"