Psycho-Beratung
Ich finde keine Frau - was mach´ ich nur falsch?
Eine psychologische Leserberattung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether
Liebe Frau Lammkotelett,
Ich heiße Manfred Schaishe, meine Freunde nennen mich Manni, bin 42
Jahre alt und als Angestellter bei der Post beschäftigt, im Schalterdienst.
Eigentlich sehe ich sehr gut aus, sagt meine Mutter. Trotzdem habe ich ein großes
Problem, ich bin noch immer unverheiratet. Meine Eltern werden schon ganz nervös,
besonders Vater kommt schon manchmal auf dumme Gedanken. Dabei kann er ganz
beruhigt sein, ich bin durchaus ein Hetero. Ich habe auch absolut kein Problem
damit, Frauen kennenzulernen, denn ich bin ganz groß im Anmachen.
Besonders wenn ich am Wochenende in den Hammer Lokalen auf die Pirsch gehe, gerät
mir so manches tolle Wild vor die Flinte. Ich stelle mich dann neben die Auserwählte
an die Theke und sage: Na, auch hier?" und wenn sie dann kuckt, sage
ich: Ich bin der Manni". Und schon hab´ ich sie, meistens. Wenn
nicht, dann gehe ich eben ein Haus weiter, da kenn´ ich nix. Irgendwann
klappt es dann schließlich, und dann kann man sich mit mir auch sehr gut
unterhalten. Ich will nämlich nicht immer nur das Eine", Sie
verstehen? Jedenfalls nicht sofort, das kommt später. In der Kneipe erzähl
ich dann immer etwas von mir, damit sie mich so richtig kennenlernt. Erst lasse
ich sie raten, was ich wohl beruflich machen könnte, das ist immer sehr
lustig. Was da so manchmal bei 'rumkommt. Die letzte meinte, ich könnte
Manager sein, oder so etwas. Im Bankgewerbe oder in der Wirtschaft. Mit der
Wirtschaft hatte sie ja gar nicht so unrecht . . ! (Sie verstehen? Wirtschaft /
Kneipe) Dann hab´ ich ihr ein bißchen von Mutter erzählt, denn
wenn man eine Beziehung miteinander eingehen will, muß man alles
voneinander wissen. Meine Eltern wohnen eine Etage über mir und Mutter
putzt meine Wohnung, wäscht meine Wäsche, legt mir jeden Morgen
frische Unterhosen auf´s Bett, Unterhemden nur einmal pro Woche, denn mit
obenherum geht man ja nicht auf´s Klo. Mutter kocht auch für mich und
erledigt alle Botengänge. Nun ist Mutter schon siebzig Jahre alt und sie
braucht ein wenig Ruhe. Daher kommt auf meine zukünftige Frau natürlich
eine große Verantwortung zu. Es wird nicht leicht sein, meine Mutter zu
ersetzen, ich werde meine zukünftige Gattin immer an ihr messen. Allerdings
würde sich eine intelligente und willige Person sehr schnell einfügen
und unterordnen, was gar nicht so schwer sein dürfte, denn es liegt ja
schließlich in der Natur einer Frau, ihrem Gemahl zu folgen und ihm untertan"
zu sein. Das steht ja auch in der Bibel, glaube ich. Sehen Sie, liebe Frau Rüpelhof-Lammkoether,
das alles habe ich meiner Bekanntschaft erzählt und plötzlich hatte
die es ganz eilig. Ihre Kinder wären ganz allein zu Haus, sei ihr plötzlich
eingefallen, und sie müsse sofort gehen. Das verstehe wer will. Wir haben
doch so nett geplaudert, und ich weiß auch gar nicht ihren Namen. In der
Kneipe habe ich sie auch seitdem nicht mehr gesehen. Einmal ist es mir sogar
gelungen, eine Dame mit in meine Wohnung zu nehmen. Ich hab ihr alles gezeigt,
die Toilette, die Waschmaschine und den Trockner im Keller, natürlich die Mülleimer
und die gelben Säcke. Das Kämmerchen mit den Putzmitteln hat sie
besonders interessiert, glaub´ ich. Dann zeigte ich ihr mein Schlafzimmer
und habe ihr von meinen Schlafgewohnheiten erzählt. Ich pflege nämlich
stets mit Schlafanzug, Schlafmütze und Wollsocken bekleidet zu Bette zu
gehen. Wenn ich einmal zärtlich zu werden gedenke, würde ich mich
selbstverständlich meiner Kleidung entledigen. Das fand sie sehr
beruhigend, sie müsse aber trotzdem leider jetzt gehen, da ihre Mutter plötzlich
erkrankt sei. Verstehen Sie das? Ich jedenfalls nicht. Was, liebe Frau
Sonja-Renate, soll ich nur tun? Raten Sie mir. Ihr Manni
Hallo, lieber Manni,
ich habe mir Ihren Brief aufmerksam durchgelesen und mir ein ganzes
Wochenende meine Gedanken gemacht. Eigentlich sind Sie ein Mann, den sich eine
jede Frau nur wünschen kann. Sie sind aufgeschlossen und ehrlich, Sie sind
gesellig und bereit, sich Ihren Mitmenschen mitzuteilen, was in unserer heutigen
Zeit nicht mehr so selbstverständlich ist. Sie haben ein hervorragendes
Verhältnis zu Ihren Eltern und sind ernsthaft bemüht, Ihrer Frau
Mutter einen geruhsamen Lebensabend zu ermöglichen. Daß die von Ihnen
erwähnten Kneipenbekanntschaften dafür kein Verständnis
aufbringen können, ist mir schier unverständlich. Aber vielleicht
sollten Sie bei Ihrer nächsten Eroberung erwägen, die Dame nach ihrem
Namen zu fragen, bevor Sie sich ihr öffnen und ins Detail gehen. Zunächst
einmal vermitteln Sie ihr damit den Eindruck, daß Sie sich auch für
ihr Leben interessieren und zum Zweiten können Sie sich, wenn sie wieder flüchten
sollte, nach ihr erkundigen, Sie werden sie dann besser wiederfinden. Es sei
denn, sie erreicht ohne Zwischenlandung in kürzester Zeit den Südpol.
Lassen Sie den Kopf nicht hängen, einmal wird es schon klappen. (Fürchte
ich)
Herzlichst, Ihre Reni.