Rückblick

Musik im Fitty's

Das Steppers ist gestorben und das Fitty's lebt wieder. Diesmal als Szenekneipe, laut Schild oberhalb des Eingangs. Das wird sich zeigen! Als Start wurden kurzerhand zwei Bands engagiert. „Break" (ich hoffe, ich habe den Namen richtig verstanden) und „Delirious". Die erste Band hatte es mit dem Publikum nicht ganz so leicht, zum einen, weil diese Formation noch recht unbekannt ist, zum anderen, weil die Deliriousfans eindeutig in der Überzahl waren. Break spielten auf jeden Fall auch Töne der „härteren Gangart" und ließen das ein oder andere Coverstück in ihrem ganz eigenen Stil hören.

Delirious muß ich wohl nicht näher beschreiben. Die Hammer Jungs sind schließlich nicht nur lokal schon ziemlich bekannt, sondern nach ihrer Europatournee auch anderenorts. Und wenn ich das richtig verstanden habe auch ziemlich erfolgreich. Von Überheblichkeit war Gottseidank nichts zu spüren oder zu hören. Auch auf kleinerem Boden zeigten die Jungs was sie können, trotz Plattenvertrag und allem was dazugehört. Das sieht man doch gern, wenn man bedenkt, welche Arroganz bei so manch anderem Musiker mitschwebt. Die Band war in gewohnter Weise voll da und ließ auch an diesem Abend wieder ihre Fans zufrieden nach Hause gehen. Wahrscheinlich liegt es daran, daß es sich wirklich um gute Musiker handelt und keine „Poser" und „Möchtegerns" - da hat man es eben auch nicht nötig mit dem „Vorsichtichbindergrößtegesicht" herumzulaufen.

Wieviel Gäste nun dem Konzert lauschten, kann ich gar nicht so richtig einschätzen. Der Laden war aber gut gefüllt. Allerdings wage ich zu bezweifeln, daß das Fitty's so ideal für Live-Konzerte dieser Art ist. Vielleicht sollte der Wirt mal darüber nachdenken, wie angenehm es ist, wenn rund 100 Gäste anwesend sind, aber nur jeweils ein Damen- und Herrenklo existiert, zu dem man sich dann auch noch hinquälen muß. Da überlegt man sich doch, ob man nicht doch besser woanders ein Bier einnimmt, denn man sollte doch auch die Gelegenheit haben, dieses wieder zu entsorgen. Ja gut - im Sommer kann man vielleicht in den Nordringpark ausweichen, aber wer will das schon? Dabei ist das Lokal an sich gar nicht so ungemütlich, nur sind das Delegieren der Mitarbeiter und die allgemeine Planung wohl noch nicht ganz ausgereift. Was mich aber am meisten gestört hat, war die Lautstärke, die hier irgendwie nicht so recht verschwimmt. Da war ich mir doch nicht mehr so sicher, ob es nun endlich der Tinnitus ist oder mein Gehör nach drei Stunden wieder annähernd normal funktionieren würde. Ich will auch gar nicht weiter meckern - so lange ist es mit der Neueröffnung ja auch noch nicht her... das wird wohl noch. Die Idee mit der Live-Musik ist wenigstens bei dem allgemeinen Angebot in Hamm nicht ganz so falsch. Wir warten gespannt auf das nächste Konzert (wi)

Travestie vom Feinsten:

THE SWEET DEVILS

Tolle Bühnenshow im „Palazzo"

Das ist mal was Anderes, dachten wir von Willi, Travestie-Show im „Palazzo". Also, nix wie hin. Gegen 20.30 Uhr betraten wir die winzige, aber urgemütliche Kneipe an der Werler Straße. An der Kasse empfing uns eine hochgewachsene, perfekt geschminkte vornehme Dame im Wahnsinnsfummel, die/der sich als Manni outete. (Manni ist der Chef). Nein, Eintritt kostete es nicht, es gab nur Mindestverzehrkarten an der Kasse. 15,- DM mußte man verbraten, aber das schafft man ja mit links. Wir nahmen auf Anraten von Manni unten direkt vor der Bühne Platz, da konnte man das spätere Geschehen perfekt verfolgen. Ein guter Rat, wie sich erwies, denn der Laden füllte sich zusehends. THE SWEET DEVILS waren angesagt für diesen Abend und um 21.50 Uhr betrat Michelle Duvall die Bühne, in einem atemberaubenden Glitzerkleid, in schwarz und türkis gehalten, mit knallroten Glitzerlippen und sang Liza Minelli´s „Cabaret". Natürlich im Voll-Playback, aber mit perfekten Lippenbewegungen. Links und rechts der Sängerin wiegten sich zwei Kolleginnen im Takt, ebenso festlich gekleidet und ebenso aufwendig geschminkt. Nach dem ersten Song verließen zwei der Jungs die Bühne und die Zurückgebliebene erwies sich als fantastischer Entertainer in der Art wie „Mary" / Georg Preusse. „Herzlich Wilkommen in dieser Luxus-Brause-Bude, was seh´ ich denn da vorn?" (Ein knutschendes Paar) „Junges Glück, was? Zum Kotzen" und: „In unserem Schlafzimmer herrscht Smog-Alarm, Dicke Luft und kein Verkehr . . ." Dann sang sie „Ganz Paris träumt von der Liebe", den Song, mit dem im vorigen Jahrhundert Catarina Valente ihre Karriere startete. Auch hier - Voll-Playback, aber sehr gut. (Ich hab´ das auch schon anders gesehen!) Sehr beeindruckend war die Schnelligkeit, in der sich die Damen und Herren umziehen konnten. Völlig unweiblich! Während Kim Best uns mit Klara Zylinder´s „Kann denn Liebe Sünde sein" und „Yes Sir" unterhielt, standen Bella la Bomba und Michelle Duvall bereits in den Startlöchern, um Marianne Rosenberg oder Charles Aznavour auf die Bühne zu bemühen. Zwischendurch kam man uns noch auf Bayerisch und ein gekonnter Striptease beendete die fantastische Show, die vom zahlreich erschienenen Publikum mit begeistertem Applaus belohnt wurde. Leider ist das „Palazzo" sehr klein, die Bühne winzig und wer das Pech hat, oben hinten an der Theke sitzen zu müssen, kommt von der Show sehr wenig mit. Die Playback-Technik hatte auch so manches Mal ihre Tücken, aber trotzdem war es ein sehr unterhaltsamer Abend. Und wer ihn verpaßt hat, die nächste Show kommt bestimmt. Wann? Willi lesen. (Hh.)

Happy birthday - 4 Jahre O'CASEY'S

Am Freitag, dem 15.01.1999 war es soweit: Hamms heimlicher Liebling, das O'Casey's feierte das 4-jährige Bestehen. Und man staune: Dieser Pub hat in den letzten vier Jahren nichts an Beliebtheit eingebüßt. Es ist genauso gut besucht wie eh und je. Da wird so mancher nach dem Geheimrezept fragen, wie man es schafft, ausgerechnet in Hamm so erfolgreich zu sein. Tja, ich vermute doch stark, weil es eben echte Iren sind, die einen Irischen Pub leiten. Halt ein Original und keine peinliche Imitation. Es gab ja mal so verzweifelte Bemühungen anderer Kneipenbesitzer eine ähnliche Strategie zu fahren. Und über die Bemühung ging es auch nicht hinaus. Der Gast wird höflich und mit irischem Charme bedient und nie bedrängt. Inhaber Rod hat nun mal die goldene Mitte dessen getroffen, wie man auf Menschen zugeht, die gemütlich zusammen ein Bier trinken mögen. Obwohl auch regelmäßig irische Live-Musik angeboten wird, wird man nie mit zu lauter Musik zugedröhnt, so daß ein nettes Kneipengespräch immer drin ist. Eben genau so, wie man sich einen Abend mit Bekannten und Freunden in einer Kneipe vorstellt. Keine bösen Überraschungen, sondern ein Lokal, bei dem man sich sicher sein kann, daß es noch genauso ist, wie es letztes Jahr auch war. Wahrscheinlich ist es deshalb auch längst über die Stadtgrenzen hinaus sehr bekannt und der Geheimtip Nr. 1. Und ganz so, wie das O'Casey's ist, wurde auch an diesem Abend Irish Folk Rock live dargeboten. Als ich „Susi and the Banshees" hörte, war ich erst geschockt: Eine ähnlich klingende Band hatte sich mal im Punk hochgespielt. Das konnte ich mir ja gar nicht vorstellen. Nö, da lag ich auch richtig; es handelte sich um drei irische Musiker. Und die unterhielten die Gäste, wie bereits erwähnt, ohne irgendjemanden akustisch zu erschlagen. Das Publikum war sichtlich zufrieden. Bei so viel Beliebtheit, ist eigentlich klar, daß es gar nicht so einfach ist, allen Gästen einen Sitzplatz zu ermöglichen. Aber es wird von Seiten der Lokalleitung stets darauf geachtet, daß frei gewordene Sitzgelegenheiten den Gästen zugeteilt werden. In welcher Kneipe erlebt man das schon?? Dem zahlreichen Publikum war anzumerken, daß es sich wohl fühlte. Wie soll man da auch anders? An diesem Abend hatte Clive die Leitung übernommen. Und er machte das so rührend gewissenhaft, daß ich ein Schmunzeln nicht unterdrücken konnte. Nun das O'Casey's-Team wünscht „the cosmos a good 99" und wir dem O'Casey's weiterhin viel Erfolg. (wi)

„Jazz geht´s los" - hätte man meinen können:

BARJAZZO

Gute Band - wenig Zuschauer

Normalerweise sind wir lange vor Konzertbeginn am jeweiligen Veranstaltungsort, um uns schon mal mit einem Bierchen auf den Abend einzustimmen, oder um uns Mut anzutrinken, je nach Band. Diesmal sind wir erst gegen 22.30 Uhr im „Haus Wiemann" angekommen, das heißt, ich. Denn Fotograf Rainer hatte noch einen anderen Fototermin. Eigentlich ist so eine Verspätung kein Problem, denn um diese Zeit wird es in den Kneipen erst so richtig gemütlich. Etwas anders war es allerdings am Samstag, den 16. Januar im „Haus Wiemann". Jazz war angesagt und BARJAZZO hieß die Band, die dem Publikum in Bockum-Hövel diese Musikrichtung näher bringen wollte. Aber man hatte die Rechnung zwar mit der Wirtin Aljona gemacht, nicht aber mit einem derartigen Desinteresse des Publikums gerechnet. Jazz ist nun mal nichts für Jedermann. Als ich, wie gesagt, um 22.30 Uhr den Laden betrat, saß die Band bereits an der Theke und erholte sich vom aufreibenden Konzert. Zwei Gäste sind gekommen, und die haben es verdient, mit Namen genannt zu werden: Björn Grote, Oliver Zimmermann. Ein dritter gesellte sich noch zu späterer Stunde dazu: Horst Söllner. Vielen Dank, meine Herren.

Auf meinen Wunsch kehrte die Band dann nochmals auf die Bühne zurück, um mir wenigstens einen Eindruck ihres Schaffens zu vermitteln. Und siehe da, die Leute waren gut. Ein getragenes Piano, unterstützt von einem satten sauberen Akustik-Baß und einem sehr übersichtlich gespielten Schlagzeug boten der hervorragenden Sängerin eine solide Unterlage, um mit ihrer glockenklaren Stimme eine Samba zu präsentieren, die den Gast Horst Söllner veranlaßte, mit Aljona ein Tänzchen auf´s Parkett zu legen. Das virtuos gespielte Saxophon-Solo vom Saxophonisten der Band setzte noch das I-Tüpfelchen obendrauf, wobei der klare Sound alles zu einem Ohrenschmaus werden ließ. Eine Zugabe gab es leider nicht mehr, da das Essen auf dem Tisch stand. Nach einiger Zeit traf dann auch Willi-Fotoraf Rainer ein, so daß die Band ihr wohlverdientes Mahl kurz unterbrechen mußte, um sich ein letztes Mal auf der Bühne zu einem Gruppenbild mit Dame einzufinden hatte.

Tja, das war´s. Wie ich aus halbwegs sicherer Quelle erfahren konnte, waren die letzten Konzerte im „Haus Wiemann" stets gut besucht. Vielleicht hatte BARJAZZO im Jazzclub „Haus an der Geinegge" etwas mehr Glück mit dem Publikum, denn dort spielte die Band am 29. Januar. (Hh.)

First `99 Concert

Man hatte aus dem vollen geschöpft, beim Jahresauftakt im JZ SÜD. Der zweitplatzierte des Nachwuchswettbewerbes BUTLERS JIHAD wurde engagiert um ein wenig Publikum zu locken. Da dies allein nicht funktionieren kann, wurde zusätzlich zu obengenannten aus Ahlen noch Verstärkung aus selbiger Metropole des Hammer Umlandes geladen. JILL, ihr wißt schon, die nichtplatzierten des NWW sollten die Ahlen-Präsenz verstärken, um so vielleicht noch mehr Publikum herbei- eilen zu lassen. Da dieses Ahlener Doppelpack aber in Hamm wohl kaum jemanden zu einem müden Gähnen überreden konnte, wurde kurz vor dem Konzert noch jemand verpflichtet und zwar: die Gewinner des NWW CUATRO X aus Hamm.

Kamen wir anfangs absichtlich zu spät, um der logischen JILL, BUTLERS JIHAD, CUATRO X Staffelung entgegenzuwirken, mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass kaum jemand mit ein bisschen Verstand dieses Billing zusammenstellte. So waren CUATRO X die ersten, die wir fast verpaßten. Zum Glück waren wir noch aufnahmefähig, so dass rasch bemerkt wurde, dass bei der Musik der gewünschten JILL etwas nicht o.k. sein konnte. Und oh Schreck, nein es waren gar nicht JILL, die uns als erstes zu beglücken versuchten. Mann hatte den Lokalmatadoren von CUATRO X den allseits beliebten Part der Instrumentenaufwärmer verschafft, so dass das JZ schon zu dieser frühen Stunde den Zenit seines Unterhaltungswertes erreicht hatte.

Leider, leider, leider kamen wir nur zu den Zugaben, ich meine wir haben es zumindest versucht, uns durch die tosenden Wellen der Musikbegeisterten zu preschen. Die Nachlese von CUATRO X beschränkte sich auf zwei Cover und ein eigenes Stück, aber wie das halt so ist wenn zwei Cover eine Eigenkomposition einrahmen, die Cover bleiben hängen. Wo noch gerade das liebliche PARANOID erklang, vom Bass-Gott gesungen, erstach uns flugs darauf schon das schneidende CREEPING DEATH, was ich persönlich schon lange nicht mehr gecovert gehört habe, dadurch aber wohlige Erinnerungen in mir aufkamen, und ich kurz davorstand die Instrumente zu begatten. Doch leider währte dieses Glück nicht sehr lange, da ja jetzt die Nächsten im Begriff waren die Bühne zu erklimmen.

Das Publikum bemerkte dies wohl und zog sich mit allgemeinem Einverständnis geschlossen zurück, um den Weg für die grandiosen JILL oder Barbie oder wie sie doch gleich heißen zu ebnen. Hatte ich beim NWW schon keinen guten Ton bei ihnen gefunden, wurde ich jetzt durch alberne Texte (Hey, OK, does anybody listen?) in die wahre Welt zurückgerufen. Nicht jeder der will, der kann auch, sagte einmal eine volltrunkene alte Bettlerin zu mir und irgendwie war ich in diesem Moment auf ihrer Wellenlänge. Bevor ich hier noch absichtlich Beschimpfungen gegenüber JILL ergehen lasse, komme ich lieber zur nächsten Band.

BUTLERS JIHAD hatten ihr Demo in weiser Voraussicht schon mal zum Metal Hammer geschickt (ihr wißt schon, das was zu unseren Zeiten noch Metal Hammer Crash

war - hach, früher war alles besser) und dort auch eigentlich nur Lorbeeren geerntet. Aber wer kann sich von Lorbeeren schon ernähren? Wir sind ja keine Nager, wir wollen Musik. Und auf diese ließen uns die Hoheitsbediensteten nicht lange warten. Zwar auch nur ausgestattet mit dem eigenen Ahlener Fanclub, begaben sie sich auf die Reise zwischen eindringlichem 10 Jahre altem Heavy Metal und ein bißchen neumodischem Kram, wobei mir das erste wesentlich besser gefiel. Aber dennoch erinnerten sie mich ein wenig an eine sibirische Karnevalskapelle. Nichts gelernt von ihrem Auftritt beim NWW gaben sie sich großkotzig und weltbeherrschend. Das kann man vielleicht machen, wenn

man die Westfalenhalle füllt, aber nicht bei uns. Deshalb habe ich auch nur das Fazit, welches das Publikum mir schon vorher zu verstehen gab. CUATRO X waren der eigentliche Headliner, wir in Hamm sind froh, auch mal eigenen Nachwuchs zu haben, da brauchen wir die Jungs aus unseren Kolonien nicht. Und das nächste mal erzähl ich euch, warum die Verspeisung alter Emueier in Japan keinen mehr anmacht.

Wir sehen uns im JZ, ich hab schon den Wohnberechtigungsschein beantragt. (A.P.a.M.)