Unterwegs mit Willi

„Black Velvet" - Alannah Myles in Lünen

„Black velvet – and a little boy`s smile

Black velvet – and I saw the southern sky

A new religion that you`re bringing to my ease

Black velvet – if you please..."

Diese Zeilen haben Alannah Myles seit 1990 bis in den letzten Winkel dieser Erde gebracht, und mich zum ersten Mal in meinem Leben nach Lünen.

Ein wenig halbherzig für meinen Geschmack war die Veranstaltung angekündigt worden, wer nicht zufällig ein besonderes Magazin für die Hellweg – Region (gleichzeitig Veranstalter) gelesen hatte, wusste wohl von nichts. In Hamm, obwohl nur 15 km von der Hansehalle in Lünen entfernt kein Plakat, am Eingang der Halle mal gerade ein DIN A3 - Zettel angeklebt. So etwas ist respektlos dem Künstler gegenüber - oder einfach nur dumm!

Ja aber dann Alannah Myles! Nach einer belanglosen Vorgruppe, die das Konzept „Tina Turner trifft die Blues - Brothers" strapaziert und sich damit in einer langen Reihe anstellen kann, gab`s erstmal eine längere Pause: Sängerin und Gitarrist litten an der Grippe, wie man später erfuhr. Ich schwöre: Man hat es Alannah Myles nicht angemerkt, und der Gitarrist sowie der Rest der „Kapelle" waren in beneidenswerter Form!

Los geht`s mit „Rock This Joint" und Frau Myles tanzt im roten „Fummel" auf den Boxen. Ganz im Stil einer „Southern Belle", schwarzhaarig, lachend, zeigt sie in leider nur 65 Minuten, dass sie nicht nur über kleine Mädchen singen kann, die im schwülen amerikanischen Süden ein Date mit Elvis haben.

Die Band ist wie aus einem Guss, man merkt, dass sie Spaß mit ihrer Chefin haben. Peinliche Posen oder Anbiederung ans Publikum gibt`s nicht, dafür exzellente Musiker, eine Sängerin, bei deren ausgebildeter Stimme man selbst in schwierigsten Momenten jedes Wort klar verstehen konnte - eine Sängerin, die es nicht nötig hat zu „brüllen", was ja oft als „Soul" missverstanden wird.

Ich hatte übrigens während des gesamten Konzertes das Gefühl, dass mich das Ganze irgendwie an Led Zeppelin erinnerte, der Sound mit einem wirklich fleißigen Bassisten, einem „trockenen" Drummer, einem kraftvollen, aber auch filigranen Gitarristen, Keyboards, die eher einen Klangteppich legen - und eben Alannah Myles, die in ihren Phrasierungen stellenweise stark an ihren ehemaligen Lover Robert Plant erinnerte.

Die Zugabe, die ein eifriges Publikum sich redlich erarbeitet hatte, war „Lover of Mine" von der Debut-CD. Diese Melodie habe ich seitdem im Kopf und im CD-Player, und ich frage mich, was für Trottel doch Elvis und Robert Plant sind, dass sie diese Frau haben gehen lassen! (mt)