Huhn als Durchreiche, ein großer Schritt für die Menschheit...
Alsdann! Wir hatten sie erlebt bei unzähligen Konzerten in Jugendzentren und auf SPD-Parties in Westtünnen, wir hatten sie geliebt auf dem Härte10 Festival, und wir haben sie vergöttert auf den beiden Festivals des Mottoradclubs Südost-Dinker. Die UNVORSTELLBARE PEIN lebt. In uns allen. Zumindest in denen, die sich so weise entschieden haben wie ich und ihre CD erwarben. Zwei Titel stehen zur Wahl. Zum einen das progressiv kom-munistische "HUHN AUF DURCHREISE" oder das kapitalistisch, ergonome "HUHN ALS DURCHREICHE". Ich entschied mich für letzteres, weil dort mehr Sinn den Einklang der Musik mit den Texten findet.
Gegründet um Silvester 1991 gehören sie schon zu den Veteranen der Hammer Musikszene. Songs wie "Katzen-darm" oder "Pogo in der Straßenbahn" rufen in uns allen das Gefühl der Geborgenheit einer bekannten Melodei wieder, so dass von dem Moment, an dem jemand diese Weisen zu Gehör bekommt, klar ist, dass es nur ein Gebot auf dieser Erde gibt: PEIN MUSS SEIN.
Doch genug der Kritik, an einem Stück Hammer Kulturgut, wie es noch nie dagewesen ist. Und vergeßt bitte nicht die Unterschriftenaktion zur Aufstellung ausgewählter PEIN-SÄULEN im gesamten Stadtgebiet.
Nun aber zum Genuß des Ergusses von Josch El Mendosa (git.), Ulrich Gegus-Wiens (voc.), Ralf Strumpf (dr.) und Ledermax (bass). Da weiß man gar nicht, wo man zuerst reinbeißen möchte, doch der Reihe nach.
Das Liedgut der Unvorstellbaren Pein ist nicht so einfach, wie die Musik es fälschlich einem vorzugaukeln versucht. Am einfachsten, und für jeden verständlich, kann man ein paar Textzeilen zitieren, da die Musik am ehesten einem musikalischem Delirium gleicht, und auch in diesem Zustand am besten zu genießen ist. 22 hervorragende Stücke, wurden auf diesen Rohling gepreßt. Angefangen beim biblischen "Pein muß sein" (wenn ihr jetzt nicht pogt, schlagen wir euch tot) folgt ein Gebot dem nächsten.
Ich habe unlängst meine Bibel verbrannt, hörte ich doch von der völlig revolutionären Religion, der UNVORSTELLBAREN PEIN. Man bekommt auch ernste Texte, so zum Beispiel "Das Schwein" (Blut, soviel Blut, das tut dem Schwein nicht gut). Mit " Say Captain, say what" wurde einer der besten Cover von "Shadow on the Wall" auf der CD eingefangen. Aber auch mit Sex wissen die vier nicht zu spaßen, so gehört in "Exzessiv und bizarr" (Tritt mir in den Magen, ich kann noch viel vertragen) der Gehalt einzig und allein der S/M Szene. Doch der Hochgenuß geistiger Verunreinigung kommt durch die beschissenste Aufnahme der CD, das sozialkritische "Kinderfest" über uns hereingebrochen. Konnte man bei den obengenannten Liedern, noch frei den Text mithören, ist hier das ausgiebige Booklet der CD gefragt. Ein kleiner Auszug: "Eine Maus ist ein kleines Tier, eine Fliege ist noch kleiner. Welches Tier ist am kleinsten?" Ich könnte stundenlang in dem Liedgut wühlen, es würden immer noch Überraschungen auftauchen, doch das würde den Rahmen bei weitem sprengen. So bleibt mir nur das Fazit. Wer Pein noch nicht kennt, und keinen Bezug zur Realität im Musikgeschäft besitzt, wird diese CD spätestens beim ersten Konzertbesuch zu kaufen versuchen. Wer PEIN kennt, und das sind jede Menge, wird die CD schon besitzen, und nur ein wenig traurig darüber sein, das Klassiker wie "Katzendarm" oder das apokalyptische "Pogo in der Straßenbahn" fehlen. Aber man wird mit einer geballten Ladung Ernstlosigkeit entschädigt. Und das ganze für 10 Mark. Zu erwerben bei ist jedem guten Kunsthändler und bei Annemarie Wendel.
(A.P.a.m.)