Rückblick

Gerd Dudenhöfer - Heinz Becker

"a joohh" Saarländischer Spießer füllte die Maxi-Halle

Das Bühnenbild war sehr spartanisch, lediglich ein Tisch und ein Stuhl standen auf der großen Bühne der Maxi-Halle. Und, wie könnte es anders sein, war es ein sehr spießiger Tisch und ein sehr spießiger Stuhl, denn Gerd Dudenhöfer alias Heinz Becker nahm Platz. Das heißt, erst blieb er stehen, als er pünktlich um 20.00 Uhr vor das ausverkaufte Auditorium trat und die Zuschauer begrüßte. Er schaute in die Runde, mit gequältem Gesicht, und fragte: "Sind sie müde?", natürlich in echtem saarländisch, "Das liegt am Wetter." Er philosophierte über die Zeit, die so schnell vergehe . . . "da muß man sehen, daß man im Dezember schon den Juni erledigt, sonst schafft man das alles gar nicht." Dann erzählte Heinz Becker von seinem neuen Garagentor, das nicht zugeht, weil - er hatte es erst gar nicht aufbekommen. Er setzte sich umständlich an seinen Tisch, wischte mit ausholenden

Gesten nicht vorhandene Krümel herunter, schaute in die Runde und schwieg, während er seinem Schweigen mit unterstützenden Handbewegungen Nachdruck verlieh. Dieser penetrante Kotzbrocken, der eigentlich nichts, aber alles besser weiß, braucht nicht zu reden, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Plötzlich regte er sich über die Arbeitslosen auf, die von morgens bis abends auf ihren Vorruhestand warten und lobte die Flüchtlinge des zweiten Weltkrieges, die noch zu Fuß auf der Flucht gewesen sind, während die heutigen Fliehenden per Schiff anreisen. "Sie kommen auf der einen Seite in unser Land hinein, und drängen uns auf der anderen Seite heraus. Plötzlich sind wir die Neger." Aber auch "das Hilde", was dem Heinz seine Frau ist, bekam ihr Fett ab: "Ich hab´ sie zur Kur geschickt, sie sollte etwas für ihre Figur tun. Um sechs Uhr fuhr sie mit dem Zug davon, um sieben bekam ich sie per Einschreiben zurück, mit der Bemerkung: was für ´ne Figur?" Dann lachte er hämisch, um sich gleich darauf zu beschweren, daß "das Hilde" ihm vorgeworfen hätte, sich auf der letzten Vereinsfeier völlig daneben benommen zu haben. "Nur, weil ich Bowle getrunken habe - aus der Schüssel! Es war Ananasbowle - das hat man hinterher an der Kotze gesehen." Und wie er aussah, dieser Heinz Becker; mit einer kack-beigen Kombination aus Trainings- und Hausanzug mit schicken Streifen auf der Jacke, einem karrierten Hemd, brauner Schlägermütze und hellbraunen Bequemschuhen stellte er den typischsten aller Spießer der Kabarettisten-Garde dar, vielleicht gerade noch mit Gerhard Polt zu vergleichen. Und wenn er dann noch versucht, mit zynischen Worten einen Kurzschluß zu erklären . . . "Jo, Kurzschlußhandlung ist klar, als ich damals mit Hilde vor dem Traualtar . . . - aber Kurzschluß - Sie nehmen also ein Stück Kupferdraht im Halbbogen und stecken es in eine Steckdose . . ." Und so ging es den ganzen Abend weiter. Becker kam von "Hölzchen auf Stöckchen" und redete über alles und legte ein Halbwissen an den Tag, daß einem angst und bange wurde. Man möchte diesen Mann nicht zum Feind haben, aber noch weniger zum Freund, denn er ist in seiner einfältigen Selbstüberschätzung, unterstützt von der naiven Ergebenheit seiner Hilde, ein gefährlicher Zeitgenosse. Aber Vorsicht, ich meine den Heinz Becker, nicht den Gerd Dudenhöfer. Denn der ist einfach genial . . ! (Hh.)

Dubreggae mit den Rebelites in der Promille
Am 13.02.99 stellte sich die Formation aus dem Raum Köln/Bonn vor. Tja, und wider Erwarten war der Boß der Band eine weiße Lady (Das machte sie eigentlich schon sympathisch). Auf den ersten Blick dachte man sich so etwas wie: "Nur Weiße, viel Sequenzer - das kann ja nur Schrott sein". Man kennt die netten Bemühungen Weißer, in die Reggaewelt einzutauchen. Und dann fingen Tom (drums), Michael (bass), Susan (keys), Klaus (guit.), Andreas (trombone), Sister Kune Zuva (voc. & Bass) an zu musizieren. Die ersten drei Stücke lullten einen mehr ein, als daß sie einen vom Hocker rissen - nicht zuletzt aufgrund des für Reggae ungewöhnlichen Gesangs von Sister Kunes. Jemand meinte da, das wäre typischer Drogenreggae. Weit gefehlt, denn dann kam doch noch ein Schwarzer auf die Bühne, Ras Tabani aus Zimbabwe und übernahm die Leadvocals. Zwar überragten die anderen Bandmitglieder ihn um mindestens einen Kopf, er hatte hingegen in sekundenschnelle den ganzen Laden im Griff. Und jetzt zeigte die Band auch, daß sie wirklich den Reggae im Blut haben. Ich war beeindruckt, wie man es schafft, innerhalb von vier Stücken die Stimmung so enorm zu beeinflussen! Die Promille tanzte. Übrigens eine angenehme Zahl von Zuschauern. Zwar gut gefüllt, aber die Toilette konnte man erreichen, ohne irgendjemanden zu zerquetschen, man bekam sofort sein Getränk und man konnte, ohne jegliche Körperverletzung zu verursachen, tanzen, wie es der eigene Körper wollte. Zurück zur Band: Ich weiß ja nicht, wie sie es anstellten, (wahrscheinlich, weil eine Frau das Zepter in Hand hält) aber man konnte mit der beschissensten Laune der Welt hingekommen sein, die Rebelites ließen einem keine Chance, die Depressionen auszuleben - da war jeder gut gelaunt und wippte irgendwie mit. Und sogar die schwarze Herrenwelt im Publikum war so überhaupt nicht machomäßig, die fanden es sogar gut, daß zwei Frauen auf der Bühne standen. Und dann auch noch weiß! Das kenne ich ja gar nicht so. Besonders klasse fand ich Gitarrist Klaus und Keylady Susan. Was die beiden da musikalisch so entspannt hinzauberten, war schon nicht von schlechten Eltern. Millimetergenau immer auf den Punkt und das teilweise gegen den Rhythmus. Zwar konzentriert bei der Sache, strahlten alle so eine entspannte, gut gelaunte Atmosphäre aus. Naja, das Kongaspielen war nicht so gelungen....was aber nun wirklich auch das einzige Mängelchen war. (Das kam nämlich vom Sequenzer und der Andreas hatte es leider nicht so raus, mit dem Simulieren) Das hat man ihnen aber vergeben. Sie durften erst nach der zweiten Zugabe gehen und selbst dann brüllten die Leute noch. Ich habe schon lange kein Publikum so vor Begeisterung toben hören. Wow! (wi)

Die einzig wahre Karnevalsfeier im JZ Südstraße
Obwohl ich überhaupt kein Liebhaber dieses "Hurra wir sind besoffen" Getues bin (das kann man auch das ganze Jahr haben), habe ich mich überwunden am Karnevalsfreitag ins Jugendzentrum Südstraße zu pilgern, um mit einer Masse gleichgesinnter musikalischen Spaß zu haben. Männer mit lustigen Hüten tranken Sangria aus Eimern, obwohl in ihren Gesichtern zu lesen war, dass sie dieses von Haus aus noch gar nicht dürfen, lustige Frauen, die sich als Mitesser verkleideten oder die ominöse Hammer Punker-Szene, die endlich mal ermäßigt reinkam, aufgrund der aufwendigen Kostümierung. Hatten die leitenden Angestellten des Jugendzentrums letztes Jahr mit der Erstaufführung schon ein glückliches Händchen bewiesen, gaben Sie heuer noch einen drauf und etablierten die Feier wohl endgültig. Wie auch schon im Vorjahr besetzte man den Abend mit drei Hammer Bands. Derselbe wurde eingeleitet von WAKE aus Westtünnen, eine mir bis dato unbekannte Formation, die mir sofort hängen geblieben ist, aufgrund des ordentlichen Biergenusses. Wer Metal macht muß auch dabei trinken, werden viele jetzt behaupten. Recht sollen sie haben. Wie mir einer der zahlreichen Gäste in meiner späteren Sendung TALK IM MÄNNERKLO nahelegte, soll ich an dieser Stelle massiv darauf hinweisen, daß WAKE nicht BREAK o. ä. sind (Diana, die Ohren). Soviel zu den Formalitäten.

Zurück zur Musik. Allesamt verkleidet im Westernlook betraten sie die Bühne. Aber man war friedlich gesonnen. Die Knarren wurden Zuhause gelassen und Flaschen füllten die Halfter. Das darin kein SchwippSchwapp war, setze ich jetzt mal voraus. Laut, oh ja laut wurde es als die ersten Töne erklangen, aber wenn eine Mischung aus Metallica der späten 80ger und The Almighty nicht laut ist, kommt es nicht so schön rüber. Vielleicht noch ein bißchen Waltons dabei, aber es kann auch sein, dass die Kostümierung mich da ein wenig irritierte. Die Riffs schnitten durch meine Bauchdecke, und als ich endlich wieder klar hören konnte, zermalmten die herrlichen Bassläufe mir das Gedärm. Ungefähr eine halbe Stunde muß ich da so gelegen haben, immer wieder wachgerüttelt von englischen Kraftausdrücken, bevor ich endlich wieder klar wurde. Da wurde auch schon die Zugabe gespielt, "Sweet Dreams", sehr schnell, sehr schön. Einziges Manko dieser Band ist im Moment noch die Tatsache, das keine Demos existieren, soll aber abgestellt werden, wie mir zu Gehör getragen wurde.

Danach, nach einer aufwendigen Umbaupause, betraten PETRA die Bühne im besten Herbert-Knebel-Look. Die Verkleidungen waren Zucker, man hatte sich Mühe gegeben. Leider gibt es nicht viel neues zu berichten, außer vielleicht, dass es da einen Song gab der "Sand" hieß, oder Düne oder Strand oder so. Auf jeden Fall erinnerte es daran. Das Erstaunliche bei PETRA finde ich, dass die Zuhörer sogar noch bei den langsamsten Liedern voll aus dem Häuschen sind und bewegungstechnisch alles geben. Es ist einfach schön zu sehen, wieviel Freude sie mit ihrer Felsenmusik in die Herzen bringen, ohne sich dabei anstrengen zu müssen. Vielleicht ein Therapievorschlag für die DFB-Elf. Falls da überhaupt noch was hilft, dann PETRA . Auch nur drei Akkorde, aber mit soviel Energie beladen, dass es mich wundert, dass die Jungs überhaupt noch frei sind für so eine mittelkleine Veranstaltung. Aber sichtlich erschöpft gaben sie dann doch nach, die KELLERBÄND wollte irgendwann auch noch, so dass sie leider die Bühne räumen mußten. Meinetwegen hätten sie auch bis drei Uhr in der Früh so weiter machen können, es gibt im Moment in dieser Musiksparte einfach nichts besseres bei uns. Zur KELLERBÄND gibt es leider aber noch weniger zu berichten, wie gesagt die Sache im Männerklo. Einmal dort angekommen, vermochte die Masse der Redelustigen mich zu überzeugen im gemütlichem Rahmen dort zu verweilen und die Reste zu verzehren. Schade für die Kellerbänd, aber man muß auch mal Prioritäten setzen. Soviel von heute aus der Begegnungsstätte Jugendzentrum, ich bin sicher die Korrespondenz wird im März erfolgreich fortgesetzt, wenn nicht, das Jahr ist noch lang. Und das nächste mal erzähl ich euch warum die Sesamstrasse ein Verbot gegen das Betäubungsmittelgesetz darstellt. (A.P.a.M.)

"HAMMER-Spitze": The Enema Bandits
230 Zuschauer erlebten "Uncle Frank´s" Musik
Überraschung, und manchmal frage ich mich, nach welchen Kriterien sich die Zuschauer richten, wenn sie sich für einen Konzertbesuch im Hoppe Garden der Kulturwerkstatt entscheiden. Wahrscheinlich ist die Beliebtheit des 1994 verstorbenen Musiker-Genies Frank Zappa ungebrochen, denn die "Enema Bandits" sind in Hamm schließlich noch nicht so bekannt. Immerhin 230 Besucher sind gekommen, vielleicht auch nur aus Neugier. Zappa-Musik nachzuspielen ist nun mal kein leichtes Vorhaben, da kann man sich sehr schnell die Zähne daran ausbeißen. Doch wer das erwartete, hat sich getäuscht. Als die "Enema Bandits" um 20.30 Uhr ihren Soundcheck beendet hatten (ganz dicker Minuspunkt), war der Hoppe Garden schon recht gut gefüllt. Viele neue Gesichter konnte man entdecken, aber auch nicht wenige alte, im wahrsten Sinne des Wortes. (Sorry, Rainer N.) Um 21.20 Uhr begann die Band ihr Konzert mit einem langsamen, sehr schrägen Song, dessen Namen ich nicht kenne. Die Zappa-typischen Rhythmuswechsel wurden souverän gemeistert und der Gitarrist Siggi Scharf leistete wirklich Beeindruckendes, was allerdings nicht heißen soll, daß Sänger und Gitarrist Andreas Berg ihm nicht das Wasser reichen konnte. Mir ist diese Musik viel zu kompliziert, daher ziehe ich meinen Hut vor Musikern, die sich die Songs locker merken können, ohne stets auf Noten oder Texte schauen zu müssen. Die zweistimmigen Gitarrensoli wurden ebenso gekonnt dargeboten, wie der perfekte Satzgesang der Hammer Musiker, und der Pianist klimperte sich mit sicheren Fingern durch die schwierigsten Passagen. Leider hatte die Band an der falschen Stelle gespart und sich mit einer äußerst unzulänglichen PA begnügt, die an zu vielen Stellen die Ohren der Zuhörer mit fiesem Feedback belästigte. Nach einer halben Stunde wurde es dem Nicht-Zappa-Fan plötzlich langweilig, sorry, ich gehöre dazu, aber nach 45 Minuten war eh eine Pause angesagt. Im zweiten Set wurde es noch komplizierter aber auch noch besser. Es schien so, als wenn die Musiker neue Kräfte gesammelt hatten, denn nun ging die Post richtig ab. Wahrscheinlich hatten sich die Jungs inzwischen von ihrem freudigen Erschrecken ob der vielen Zuschauer erholt, denn bei ihren ersten beiden Konzerten außerhalb Hamm´s waren nach eigenen Angaben lediglich insgesamt 50 Publikümer gekommen. "Mr. Greens Jeans" und "Sofa" waren nochmal zwei Songs, die mir richtig gefallen haben und die Titel kenne ich, weil ich mich danach erkundigt habe. Ein interessantes Konzert, aber leider, und da muß ich Olaf Berhorst recht geben, haben die "Enema Bandits" darauf verzichtet, meinen Lieblingssong zu spielen: "Bobby Brown". Nun gut, ich werd´s überleben, denn für mich spielt ja im März die "Hamburg Bluesband". (Hh.)