Unterwegs mit Willi

Willie Littlefield in Concert

Im "Domhof" in Rheda-Wiedenbrück

Das war eine gute Idee von Siggi Ridder, uns mit auf die Reise zu nehmen nach Rheda-Wiedenbrück, einer kleinen Stadt in Ostwestfalen. Dort, mitten im Ort, steht der "Domhof", ein mittelalterliches Fachwerkgebäude mit großem Innenraum. Früher war der "Domhof" ein Mehrzweckgebäude, Gericht, Knast und Richtstätte, heute ein sehr gemütliches und rustikales Kulturzentrum, in dem in regelmäßigen Abständen Jazz- und Bluesveranstaltungen stattfinden, die von einer sehr breiten Bevölkerungsschicht gern und zahlreich besucht werden. Etwa 150 altersmäßig sehr gemischte Zuschauer waren gekommen und wir sind nicht die einzigen "Ausländer" gewesen. Der Veranstaltungsraum ist, mit Natursteinfußboden, uralter Galerie und Treppen aus noch älterem Eichenholz, allein schon sehenswert, was man von der ersten Kapelle nur bedingt zu behaupten wagen sollte. Die "G-Town-Boogies", ein Boogie-Woogie-Pianist und ein Drummer, bemühten sich redlich, waren auch nicht sooo schlecht, aber konnten letztlich niemanden vom Hocker reißen. Gab es am Anfang noch freundlichen, wohlwollenden Applaus, ließ sich das Publikum nach einer gewissen Zeit nur ungern bitten, den Künstlern ihr "Brot" zu spenden. Am Schluß wurde es sogar richtig ätzend und zäh´. Glücklicherweise spielte diese Band nur 45 Minuten und, von uns zu dieser Zeit noch völlig unerwartet, wurde der Star des Tages angesagt: "The King of Boogie Woogie", Little Willie Littlefield, schwer auszusprechen, was auch der Ansager feststellen mußte, aber musikalisch und persönlich eine Entschädigung für alles, was wir an diesem Tage hörten und noch hören mußten.

Willie ist ein wunderbarer Musiker, ein fantastischer Entertainer und ein faszinierender Pianist. Schon nach wenigen Takten hatte er sein Publikum in seinen Bann gezogen, sein unentwegtes breites Grinsen verbreitete sofort gute Laune und der sympathische Texaner ist ein Meister der musikalischen Kapriolen. Natürlich spielte er Boogie Woogie, aber nicht einfach so, sondern mit einer Schnelligkeit und Originalität, die ihresgleichen sucht. Schon nach wenigen Minuten stand sein Schuh auf dem Klavier und sein Fuß ("My Drummer", O-Ton) stampfte im Takt, daß die Bühne wackelte. Immer wieder sprach er mit seinem Publikum, feixte, machte seine Späße, stellte sich für die Fotografen in Pose, indem er sein Spiel für ein, zwei Takte unterbrach, um es fast nahtlos fortzusetzen. Ein großartiges Konzert, das allerdings nach 45 Minuten unterbrochen wurde, um Roland Berens Zeit für seine unsägliche Darbietung zu geben. Dieser sogenannte Bluesbarde ist ein penetranter und aufdringlicher Selbstdarsteller, der nicht davor zurückscheut, auf die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade seiner mäßigen Gitarrenkunst hinzuweisen. Dabei quatscht er derart viel dummes Zeug, daß man fast geneigt ist, auf sein nächstes Stück zu warten. Ein Beispiel: "Und nun ein Song von Van Morrison, dem Meister des Rhythm´n Blues". Gottseidank beglückte Willie uns noch einmal mit einer 45minütigen Show, der sich allerdings noch eine Session mit allen Musikern anschloß, mit Roland Berens an der Harp . . ! Na gut, sei’s drum, es war trotzdem ein sehr schöner Tag. Und nach einer kleinen Plauderei mit Willie konnten wir, leicht angeschickert, die Heimfahrt nach Hamm antreten, mit dem Zug! Übrigens, Little Willie Littlefield spielt am Samstag, den 2. Oktober im Hoppe Garden der Kulturwerkstatt. Unbedingt vormerken! (Hh.)