Psycho-Beratung

Meine Frau ist eine Verschwenderin

Eine psychologische Leserbebratung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether.

Liebe Frau Soja-Renntante,

Ich lese immer regelmäßig Ihre Kolumne, daher weiß ich, daß man sich sorgenvoll an Sie wenden kann, wenn man Probleme hat. Ich habe Probleme, das heißt, eigentlich nur eines: Meine Frau. Aber das hatīs in sich. Ich könnte normalerweise sehr zufrieden sein mit meinem Leben. Ich bin recht gutaussehend, 40 Jahre alt, verdiene sehr gut als selbstständiger Reisender in Luxuspräservativen, habe zwei niedliche Kinder (6 u. 8 Jahre), ein schönes großes Haus, bin aber, wie gesagt, auch verheiratet, und zwar mit meiner Frau Helga (38). Warum das ein Problem ist? Nun, meine Gattin ist eine Verschwenderin. Sie verschwendet eigentlich alles:

1. Toilettenpapier: Ich zum Beispiel benutze nach frischer Tat ein bis zwei Doppelblatt, je nach Beschaffenheit der Hinterlassenschaft. Manchmal kann ich sogar ein Blatt noch an die Wand kleben, wenn die Rückseite noch frei ist, damit es ein anderes Familienmitglied nach nochmaliger Benutzung der Entsorgung zuführen kann. Und was macht meine Gemahlin? Sie wirft das tadellos erhaltene Blatt in die Toilette, um sich großzügigst der Rolle zu bedienen, der sie einen Schaden in Höhe von mindestens 6 Blatt zufügt.

2. Helga verschwendet Zeit, und zwar meine: Ich bin ein vielbeschäftigter Mann, denn wenn ich mit meinen Luxus-Lümmeltüten on the Road bin, verbringe ich sehr viel Zeit und Energie in den Luxus-Bordellen unseres Landes. Sie können ja nicht einfach irgendwo auftauchen, und den Protestantinnen* irgendeinen Ramsch anbieten. Die wollen ja keine Katze im Sack kaufen. Natürlich wollen die ganz genau die Vorzüge und Beschaffenheiten meiner Ware kennenlernen. Das bedeutet selbstverständlich auch, daß ich Präsentationsveranstaltungen durchführen muß. Das geschieht meist im kleinen Kreise. Höchstens ein oder zwei Damen gleichzeitig sind möglich, aus gesundheitlichen Gründen und der Hygiene wegen. Und um die geeignete Stimmung herbeizuführen, das fördert die Kaufbereitschaft, wird nur der ungeschickte Geschäftsmann mit Beiwerk wie Champagner und Kaviar geizen. Klar, daß meine Geschäftspartnerinnen bei derartigen Besprechungen in ihrer gewohnten Umgebung eher gehemmt reagieren, daher sind neutrale Örtlichkeiten wie Hotelzimmer der gehobenen Kategorie unbedingt vorzuziehen. Und wenn ich dann nach Hause komme, fragt meine Gattin mich, was ich denn wieder so getrieben habe, die letzten Tage. Mein Gott, ich habe doch wirklich Wichtigeres zu tun, als ihr diese immer wiederkehrende Frage zu beantworten, oder?

3. Sie verschwendet mein Geld: Ich bin ein sparsamer Mensch, ich verbrauche kaum etwas von meinem sauer verdienten Geld. Wenn ich zu Hause bin, esse ich höchstens dann und wann mal ein Häppchen. Ein Fläschchen Bier ist manchmal auch auf meinem Speisenplan zu finden, das war es aber auch schon. Und wenn ich auf Reisen bin, gehen alle verzehrten Speisen und Getränke, und seien sie noch so exclusiv und edel, zu Lasten meines Spesenkontos. Es ist natürlich klar, daß man in meiner Branche seine Geschäftspartner nicht zu īner Currywurst mit Fritten rot/weiß einladen kann. Die würden auf so etwas sehr sensibel reagieren. Daher ist sehr viel Wert und Sorgfalt auf die Auswahl und Ausgewogenheit der Speisen und Getränke zu legen, und das bedeutet natürlich auch, daß die Kosten eines solchen Arbeitsessens die einer Currywurst nicht unerheblich überschreiten. Das bedeutet nicht selten einen hohen vierstelligen Betrag pro Monat, da bleibt nicht mehr viel für unnötige private Ausgaben, im ernährungstechnischen Bereich übrig. Das muß doch auch meine Gattin einsehen. Aber was macht die? Sie ißt jeden Tag, und die Kinder auch. Unerhört, finde ich.

4. Sie strapaziert verschwenderisch meine Nerven und meine Gesundheit: Wenn ich von meinen mehrtägigen Touren nach Hause zurückkehre, brauche ich nichts, als Ruhe. Ich möchte lange schlafen, ich sehe gerne TV, und zwar alles. Das entspannt. Ich spiele Minigolf, faulenze, liege gern am Pool und tue nichts und so weiter. Und was will Sie? Sie will, daß ich im Haushalt schwerste Arbeiten erledige, wie zum Beispiel die Spülmaschine einschalten, den Wecker stellen, damit sie morgens nicht verschläft oder gar dem Beischlaf beizuwohnen. Ich finde das unglaublich, was diese Person von mir verlangt. Schließlich gehe ich stramm auf die 41 zu, man ist ja kein junger Hüpfer mehr. Aber dafür hat die Gnädigste natürlich kein Verständnis. Bitte, liebe Frau Psychologin, wie kann ich meine Frau Gemahlin dazu bringen, ihr Verhalten zu überdenken? Geben Sie mir einen Rat.

(* Nutte)

Hans-Heinrich Meisenkaiser, Pelkum.

Lieber Hans-Heinrich,

Ich möchte lieber Ihrer Frau Gemahlin einen Rat geben, und zwar den, sich schleunigst von Ihnen zu trennen. Sie muß sich keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen, sie wird sehr schnell einen Ersatz für Sie finden, denn solche Arschlöcher wie Sie, gibt es wie Sand am Meer. Aber davon ab, Ihr Lebensstil gefällt mir, wann und wo können wir uns denn mal treffen? Meine Adresse haben Sie ja,

Herzlichst, Ihre Reni.