Von André Schörnig
Nachfolgend lesen Sie die ersten Notizen, die sich der Schriftsteller Abraham Stoker 1896 zu seinem Roman Dracula gemacht hat. Der Originaltext wurde im Interesse der besseren Lesbarkeit leicht gekürzt und überarbeitet, und, nicht zuletzt, auch übersetzt.
Gefunden wurden sie in einem Londoner Hotel, eingenäht in einen beblümten Duschvorhang, der letzte Woche erneuert wurde.
Die englische Originalfassung enthält die Widmung: Für Dich, liebe Dusche.
Vlad Dracul, nachfolgend Graf Dracula genannt, verkleidet sich als Ratte und
erschreckt durch buh' - Rufe die Leute seines Dorfes.
Schlecht, sehr schlecht. Diese schillernde Persönlichkeit ist schließlich
der Weltmeister im pfählen, und außerdem der Erfinder dieser
aufgespiesten Käsestückchen, wie heißen Sie noch? Horsd'oeuvres!
Genial, welche Kombination! Ich werde es nie schaffen, einen ihm würdigen
Roman zu schreiben.
Hier folgt nun die erste kurze Abschrift. Sie enthält in kurzen Zeilen die Ankunft Harkers auf Schloß Dracula. Dieser Teil mußte danach von Stoker, der sich ab jetzt nur noch Bram Stoker nennt weil das große A auf seiner Schreibmaschine kaputt ist, nur noch mit unwichtigem Füllstoff gefüllt und in die erwähnte Briefform gebracht werden. In Klammern finden sich jeweils Informationen, die Stoker angefügte um unwichtige Details trotzdem nicht aus dem Auge zu verlieren. Jonathan Harker kommt in Bistritza an, ein Dorf in den Karparten. Ein Zimmer im Hotel (entweder Goldene Krone, goldener Gockel oder goldene Henne, eben wie solche Hotels immer heißen) ist reserviert. (Unbedingt Bar einfügen, bei der der Pianist aufhört zu spielen und alle Gespräche verstummen, wenn Harker den Raum betritt).
Nächsten Tag Fahrt mit der Kutsche zum Schloß Dracula. (Jeder dem Harker begegnet bekreuzigt sich, und Harker vermutet schon er wäre etwas besonderes). Die Fahrt ist recht turbulent und Werwölfe säumen den Straßenrand. (Nicht vergessen beiläufig zu erwähnen, daß Harker sich in die Hose macht. Möglicherweise: ...keinerlei Rast auf dem Weg erleichterte mir das Feuer in meinen Lenden, jedoch tat das Wolfsgeheul sein übriges...).
Er kommt am Schloß an, natürlich sieht es gruselig aus und lädt ganz und gar zur Heimfahrt ein, jedoch ist unser Held Manns genug sich allem Unheil zu stellen, außerdem weigert sich der Kutscher standhaft diese elende Holperstrecke nochmal zurückzufahren.
Dracula erscheint, natürlich blaß (Zitat von Harker: ...scheint er nicht einen Tropfen Blutes in seinen Adern zu haben, was auch erklärt, das er weiße Brustwarzen hat und über kalte Füße klagt), er erklärt durch die Blume, daß Harker sich auf eine längere Zeit auf dem Schloß gefasst machen kann und unterstreicht das dadurch, dass er dem Kutscher eine Lieferung über 130 Hähnchen in Soße quittiert. Harker gewöhnt sich schnell an sein Geiseldasein, was ihm (und nicht zuletzt dem Leser auch) durch die Anwesenheit dreier mysteriöser, sexuell sehr aktiven Damen versüßt wird. (Nicht vergessen: Die versauten Szenen sind nur für mich, müssen aus der Endfassung raus.)