Literatur

DAMENWAHL von Gunda Wirschun

Osterurlaub-endlich! Im Norden. Mit Mann und zwei Söhnen, stark pubertierend der ältere. Außerdem dabei: ein paar alte Freundinnen aus USA.

Das kann nicht gutgehen, meinen Sie? - Allerbest sogar, denn wenn's ätzend wird, verziehen wir Weiber uns in eine kuschelige Ecke...

Molly Cates aus Texas lernte ich durch „Der rote Schrei„ kennen. Die engagierte Kriminalreporterin hat es darin mit einem brutalen, aber dichtenden Serienmörder zu tun, der in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet. Als weitere Morde geschehen, wachsen in Molly Zweifel, ob Louie Bronk die Tat, für die er zum Tode verurteilt wurde, wirklich begangen hat. Im neuen Roman von Mary Willis Walker: Lass die Toten ruhn" (Bertelsmann 1998) klärt sie endlich das Geheimnis um den Tod ihres Vaters auf, das sie seit 25 Jahren nicht zur Ruhe kommen lässt. Dass eine Obdachlose in ihrem Nachtquartier die Planungen zu einem Giftgasanschlag auf den Austiner Senat belauscht (wo ein neues Waffengesetz beschlossen werden soll), bringt nicht nur Molly wieder in akute Lebensgefahr. Ex-Ehemann und Polizist Grady ist ihr diesmal dabei keine große Hilfe...

Kate Delafield, die bei Ariadne schon eine Reihe von Fällen gelöst hat, lässt sich in „Treffpunkt Washington„ von Katherine V. Forrest breitschlagen, an einem Vietnam-Veteranentreffen teilzunehmen. Prompt fallen im Hotel Schüsse auf sie und Lebensgefährtin Aimee. Während des Festes wird ein alter Weggefährte ermordet aufgefunden. Was in Kates Einheit in Vietnam wirklich geschah, was aus dem vermissten Freund Cap von damals geworden ist, das findet Kate aus dem sonnigen L.A. bei ihren ortsfremden Ermittlungen in Washington D.C. heraus - und nebenbei eine ganze Menge über sich selbst.

Die Dritte im Bunde ist Kate Martinelli, Kommissarin in San Francisco. Hatte sie in „Die Farbe des Todes„ mehrere Kindermorde und den Verdacht an einer Malerin aufzuklären, geht es in "Die Maske des Narren" von Laurie R. King um den charismatischen Bruder Erasmus, der verdächtigt wird, einen Gefährten aus der Obdachlosenszene umgebracht zu haben. Beim Verhör gibts Probleme: der Bruder redet nur in Bibel- oder sonstigen Zitaten. Kate macht sich kundig bei Experten der Narrenbewegung, und es gelingt ihr, die Identität des Predigers zu lüften. Dies ist das Spannende an dem Fall, weit mehr als die Aufklärung des Mordes und die Ermittlung des wahren Täters. (Ein bißchen weniger Narren-Theorie hätt's allerdings sein dürfen...)

Freundin Lee übrigens, die den ersten Fall nur schwerverletzt überlebt hat, sitzt immer noch im Rollstuhl; dafür ist Kate - nach schlimmen Outing-Erlebnissen beim FBI jetzt bekennende Lesbe. Ich bin nun total gespannt auf den frisch erschienenen dritten Fall: „Geh mit keinem Fremden„, in dem die Tochter ihres Kollegen Al Hawkins in Gefahr gerät.