Krimi

In der Wand...

von André Schörnig

„.....bis ich kam und die Idee hatte, den Mörder dadurch zu verwirren, anstatt des Stethoskops eine Federboa zu tragen.„ „HaHa. Interessant, soviel ich weiß haben dieser Arzt und der Mörder kurze Zeit später geheiratet, oder so.....„ „Psst, sagen Sie nichts, da vorne kommt der Kontrolleur!„

Nach 14 Stunden waren die beiden endlich in Zermatt angelangt, und Detektive Parker lies auch Dr. Wunder wieder aus dem Schrankkoffer, den die beiden zur Kostenersparnis immer auf lange Reisen mitnahmen.

„Ich wunderte mich schon, warum sie heute so still sind, A., und sie rührten auch nichts von dem Essen an, was ich Ihnen übergelassen hatte. Warum haben Sie nicht geschrien?„„Ich habe geschrien, aber Sie waren schließlich zwei Kilometer von mir entfernt im Restaurant.„ Dr. Wunder zog seine Krawatte fest, welche die ganze Zeit im Kofferdeckel festhing und ihn am nicken hinderte.

„Wir haben wichtigeres zu tun. Ich habe mir gerade von unserem geschätzten Freund Samuel Hinterfotzig die Geschichte angehört, ziemlich mysteriös wenn Sie mich fragen, jedoch für einen Mann meines Kaliebers nicht weiter wild.„ Parker sprach den Namen witzigerweise wie Hinterfotzig aus. „27 Todesfälle an ein und der selben Stelle im Berg, und das innerhalb eines Tages, und alle Toten aus derselben Familie....„ „Sie meinen doch nicht etwa...„, warf der Doktor ein.

„Genau! Das hat was mit der Familie zu tun!„

„Wer ist noch übrig von der Familie?„ Doktor Wunder spielte mit der Spitze seines Spazierstocks in seinem Ohr.

„Nur noch Elfriede Obervögler, 98 und Ihre Tochter Jutta, 27, die...„

„Lassen Sie mich raten, Elfriede ist reich und Jutta ist die Begünstigte im Todesfall, richtig?„

„In der Tat, Jutta ist Tochter Nummer 28, und war auch die Erbin Nummer 28, d.h. sie sollte das Erbe bekommen, wenn es keiner der anderen 27 mehr hätte entgegennehmen können..!„

„Sie meinen doch nicht etwa..?„ „Genau!„ „Wie kamen die 27 zu Tode?„

„Es passierte stets an der Untermösler Wand, immer an derselben Stelle, aber sie wurden nicht runtergestoßen.„ „Woher wissen Sie das?„

„Die Obermösler Wand liegt auf 2888m, die Temperatur dort betrug –27 Grad, meinen Berechnungen zufolge frieren die Gesichtszüge bei diesen Verhältnissen nach bereits 0,5 Sekunden freiem Fall. Und jetzt der Clou, alle Leichen weisen ein Lächeln auf!„ „Sie meinen sie gingen freiwillig in den Tod? Lächelnd?„

„Freiwillig nein, lächelnd ja! Ich denke, jemand den sie kannten, machte sie auf die schöne Aussicht aufmerksam. Interessant ist auch, daß alle Toten vorher eine Einladung von einem Unbekannten erhalten haben. Immer derselbe Satz: Kommen Sie am Montag allein zur Obermösler Wand, dort wartet etwas ganz besonderes auf Sie. Eine Angabe der Uhrzeit folgte noch, jeweils eine viertel Stunde versetzt.„

„Warum wußten die Toten nicht, daß jeder so eine Einladung bekommen hatte?„

„Auf jeder Einladung stand eine Liste mit Zitaten, welche die jeweils anderen 27 über den Eingeladenen gemacht haben sollen, nicht gerade nette Dinge, das können Sie glauben.„

„Raffiniert, so war jeder auf jeden sauer und redete nicht mit den anderen. Ich würde sagen, wir gehen mal zu dieser Jutta und nehmen sie fest!„ „Geht nicht, Jutta hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Sie leidet unter Höhenangst und kann unmöglich dort oben gewesen sein.„

„Mist!„

„Nicht so schnell, Elfriede wurde dabei erwischt, wie sie sich beim Bäcker über alle 27 Kinder beklagte. Wenn sie mich fragen, Elfriede hat einen billigen Weg gesucht die unliebsamen 27 Töchter aus dem Weg zu schaffen, um nicht noch mal ihr Testament ändern zu müssen, das ist hier nämlich sauteuer!„

„Genial, dann nichts wie los!„ Der Doktor hakte sich bei Parker ein und beide verließen die Badewanne.