Eine Reise durch die Musikgeschichte der USA, von Ulrich Holesch - Fotos: Arnd Caspary
| Leider mußten wir nach vier Tagen New Orleans verlassen, ich hätte es noch lange dort aushalten können, aber schließlich stand noch viel mehr auf unserem Reiseprogramm. Heute wollten wir eines der beiden letzten noch im Originalzustand erhaltenen Herrenhäuser einer ehemaligen Baumwollplantage besuchen, das Anwesen der Familie Destrian, einer französischen Einwandererfamilie, die gegen 1790 die Plantage errichtete und das Herrenhaus baute. | ![]() |
Wir haben das Haus von innen besichtigt, es ist ein Traum. Sämtliche Möbel der Destrians sind noch vorhanden, das Himmelbett, in dem die vier Kinder wahrscheinlich entstanden sind, das Herrenzimmer, in dem beim Sherry, Kaffee und Zigarren der Verkauf oder Einkauf der Sklaven getätigt wurde, oder der Küchentisch, auf dem die Magd das Kind vom Kutscher empfing, wahrscheinlich. Nachdem das Baumwollgeschäft nicht mehr so lief, wurde der Betrieb auf Tabak umgestellt. Man war schon damals sehr flexibel, und abgebrüht.
Am Nachmittag sind wir dann in die Louisiana-Sümpfe, die Swamps, gefahren, und schon kam die Stimmung auf, die John Fogerty befallen haben mußte, als er Born on the Bayou schrieb. Auf einem Boot mit höchstens 20 Zentimetern Tiefgang haben wir dann eine zweistündige Tour unternommen, die uns durch breite und tiefe Wasserflächen, oder durch ganz enge, von subtropischen Pflanzen und Bäumen überwucherte, manchmal nur zentimetertiefe Bäche führte. Schildkröten, Vögel, die wir noch nie gesehen hatten, oder Alligatoren, von 50 Zentimetern bis zweieinhalb Metern Länge kamen direkt bis ans Boot, und ließen sich vom Skipper mit Marshmellows füttern. Und die Hitze und die Schwüle waren mörderisch, aber von Moskitos blieben wir verschont.
Am nächsten Tag führte uns der Reiseplan nach Vicksburg, in die Stadt, vor deren Toren vor 135 Jahren eine der gewaltigsten und blutigsten Schlachten des Bürgerkrieges tobte. Das hügelige und teilweise bewaldete Gelände mit den Denkmälern der berühmtesten Süd- und Nordstaatensoldaten bot einen beklemmenden Eindruck der damaligen Geschehnisse und das auf dem Gelände ausgestellte und wiederhergestellte gewaltige hölzerne Kanonenboot, das man vor 30 Jahren auf dem Grund des nahen Mississippi entdeckt und gehoben hatte, ließ erahnen, was damals auf dem Fluß für Schlachten geschlagen wurden.
Lassen wir nun das Kriegsgetümmel beiseite und fahren weiter auf dem Freeway in Richtung Memphis, der Wiege des Rock´n Roll und der Geburtsstadt des Kings, Elvis Presley. Doch zuvor machten wir noch kurz Halt in Clarksdale, der Heimatstadt von Big Jack Johnson, dem gigantischen Musiker, der am 8. Mai in der Kulturwerkstatt zu Gast sein sollte. In Clarksdale gibt es das über die Grenzen Mississippi´s hinaus bekannte Delta-Blues-Museum, welches wir natürlich besucht haben. Und dort steht, neben einer Figur Muddy Waters´, neben dem Original-Verstärker B.B.Kings und seiner Gitarre Lucille, Big Jack Johnson, der große Sohn der Stadt Clarksdale. In den Südstaaten ist er also ein berühmter Mann, und wie sich später in Hamm erweisen sollte, zu Recht, denn er bot ein beeindruckendes Konzert im Hoppe Garden.
| Ab nach Memphis! Das erste, was wir schon von weitem zu sehen bekamen, war das Wahrzeichen der Stadt. Nein, nicht Elvis, sondern die Pyramide. Ein riesiger Bau in Pyramidenform, 65 Meter hoch und nutzbar als Sport- und Konzertarena mit 22000 Plätzen. Ehemals mit Glas, heute mit unschönen grauen Platten verkleidet, weil sich die Bewohner vom benachbarten Oklahoma über die Reflektion der riesigen Glasflächen erfolgreich beschwert haben. Schade, aber auch in Grau ein gigantischer Anblick. | ![]() |
Memphis ist, wie New Orleans, eine recht große Stadt und besteht nicht nur aus Graceland, Bealestreet oder dem Rock´n Roll-Museum mit Elvis, sondern hat eine imposante Skyline mit riesigen Wolkenkratzern, breiten Avenues und mörderischem Verkehr. Wir wollten uns natürlich eher auf die Altstadt konzentrieren, und das ist hauptsächlich die Gegend, wo Elvis sein Unwesen getrieben hat. Selbstverständlich haben wir Graceland seinen ehemaligen Wohnsitz und derzeitigen Ruhesitz besucht. Allerdings haben wir das Gelände nicht besichtigt, eine der Führungen wollten wir uns nicht antun, uns auch nicht in die endlosen Schlangen vor den Kassen einreihen. Aber wir standen vor dem mit Noten und Gitarre geschmückten schmiedeeisernen Tor, vor dem einst schon Jerry Lee Lewis, der Killer mit einer Knarre ´rumballerte und schrie, er sei der wahre King. Aber das Wichtigste in Memphis war für uns natürlich die Bealestreet, die Musik-Straße der Hauptstadt des Rock´n Roll. Eine Kneipe reiht sich an die nächste, in jeder gibt es sieben Tage in der Woche Live-Musik. Klamotten-Läden, Restaurants, Bars und Tennessee´s ältestes Warenhaus; ein Krims - Krams -Laden wie etwa Ter Veen. Dabei ist die Bealestreet nur etwa 500 Meter lang, aber man benötigt eigentlich eine Woche, um alles kennenzulernen. Trotzdem konnten wir auf unserem zweitägigen Kneipenbummel so einiges erleben. Zuerst besuchten wir das Rum & Boogie Cafe ein großer, schmuddeliger Laden mit einer riesigen Theke. Unzählige Fotos mit Autogrammen berühmter Musiker, Bühnenkleidungsstücke, Stiefel, Schuhe waren an die Wände genagelt und unter der Decke hingen etwa 70 Original-Gitarren mit Autogrammen von u.a. Johnny Cash, B.B. King, Joe Walsh, Stevie Ray Vaughn, Sting, Tom Principato oder Dickey Betts. Die wollte ich alle mitnehmen, durfte ich aber nicht. Gegessen haben wir dann am frühen Abend in Elvis´, einem Music-Club mit Restaurant der gehobenen Klasse. Natürlich spielte dort auch eine Band, und zwar Songs von Elvis. Zwischen den Sets lief Musik von der CD, Songs von Elvis. Und gegessen habe ich das Lieblingsgericht von Elvis: Meat Loaf mit Spaghetti und roter Soße. Es war sehr lecker. Danach haben wir dann einen weiteren Music-Club besucht, das This is it. Und dort haben wir wiederum eine fantastische Band erlebt: Stevie Ray and the P.O.T.B.-Band, eine Bluesband mit einem Gitarristen und Sänger, der mich vom Äußeren und von der Spielweise an Bernard Allison erinnerte. Zwar spielte Stevie Ray nur Covers, aber die so perfekt und sauber, daß man glaubte, das Original zu hören. Never make your move to soon von Tom Principato hat mir ganz besonders gefallen und eine interessante Version von Mustang Sally zog Sabine unweigerlich auf die Tanzfläche.
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Die Nacht wurde sehr sehr lang, obwohl wir am nächsten Morgen schon
zeitig aufstehen wollten. Aber man ist ja hart im Nehmen. In der nächsten Ausgabe: Memphis - Nashville, Music-City USA |
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