von Elisabeth Evertz - Buchhandlung Akzente -
Es kommt nicht so häufig vor, dass wir Bücher junger deutscher Autorinnen besprechen und kaum, dass es Autorinnen mit bekanntem Namen wären. Heute haben wir beides zu bieten, wiewohl die Bekanntheit des Namens (noch) auf die Ministertätigkeit des Vaters zurückzuführen ist. Mirjam Müntefering hat mit Flug ins Apricot ihren ersten Jugendroman veröffentlicht, der aber Frauen jeden Alters zu empfehlen ist, die Spaß an leisen Geschichten haben, in denen Gedanken und Gefühle der Personen mehr Platz haben, als Handlungen und Ereignisse.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der 16jährigen Franzi, die nach Ablauf der Sommerferien (!) gespannt ist auf ihre neue Klassenlehrerin und auf die neue Mitschülerin Alex aus dem großen fernen Berlin. Die Zeit des Romans umfasst nur wenige Wochen, in denen sich das Leben Franzis ziemlich schnell zu verändern scheint und der Abschied vom Kind-Sein letztlich vollzogen wird. Ihre beste Freundin Mercedes verliebt sich in einen Mann, den Franzi nicht leiden mag, die neue Lehrerin ermutigt sie zum Schreiben und die neue Mitschülerin Alex beeindruckt sie durch ihre erwachsene Art.
Müntefering, Jahrgang 1969, trifft den Ton, die Sprache und vor allem die Themen der jungen Frauen Es finden sich sowohl lustige als auch nachdenkliche Passagen und insgesamt eine sehr schön zu lesende Geschichte mit Hintergrund. Anders als so manch anderer Jugendroman dreht sich hier eben nicht allein alles um die erste große Liebe und das mögliche Happy-End, es geht schlicht und ergreifend um das Leben. Franzi beschäftigt sich ebenso mit der Frage nach ihren Fähigkeiten in beruflicher Hinsicht wie mit dem Selbstmord einer Freundin, mit dem Thema Aids und der Frage, was in dieser Gesellschaft eigentlich als normal gilt.
Es wäre schön, wenn wir in Zukunft noch mehr von Mirjam Müntefering zu hören und zu lesen bekommen würden. Denn sie kann das, was heute gewünscht aber selten bei deutschsprachigen Autor-Innen zu finden ist: gute Geschichten mit Gehalt leichtfüßig erzählen. Überdies ließt sie ganz hervorragend aus ihren Büchern, was sie denn auch am 6. Oktober 1999 in der Buchhandlung Akzente tun wird.
Uns bleibt zu wünschen, dass der Name Müntefering bald von vielen mit guter Literatur assoziiert wird statt mit Verkehrsministern.
Mirjam Münterfering: Flug ins Apricot. Milena Verlag, DM 32,00