Psycho-Beratung
Eine psychologische Leserberatung von Dipl.-Psychol. Dr. Sonja-Renate Rüpelhof-Lammkoether
Es ist gar nicht so einfach für mich gewesen, den Entschluß zu fassen, mich mit meinem Problem an Sie zu wenden, denn sicherlich werden Sie oder Ihre Leser über meine Zeilen schmunzeln, wenn nicht sogar schallend lachen. Aber ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich bin 43 Jahre alt, habe 3 Kinder, einen Hund, ein Meerschweinchen und einen Mann. Purzel, eigentlich heißt er Heinz-Rüdiger, aber wir nennen ihn alle Purzel, ist 44 Jahre alt und ein todguter Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Er kann sich allerdings auch nicht vorstellen, daß irgend ein Mensch ihm nicht wohlgesonnen sein könnte, denn Purzel ist, nun, wie könnte man es nennen, recht schlicht im Geiste. Er hat in seinem Beruf alles erreicht, was seine Fähigkeiten ihm erlauben, ist also auf der höchsten Stufe der Karriereleiter angelangt. Nun ja, eigentlich handelt es sich wohl eher um eine Fußbank, denn Gänsehirt auf einem Kleinbauernhof in Övelgünne zu sein, ist nicht gerade etwas, womit unsere Kinder in der Schule angeben können. Aber ihm reichts. Und das ist gerade mein Problem. Ich entstamme einer gutbürgerlichen Beamtenfamilie, gutsituiert, nicht unvermögend und mit Verbindungen in höhere Regierungskreise. Daher waren meine Eltern über meine Wahl, den Lebenspartner betreffend, nicht gerade überschwenglicher Stimmung, Sie verstehen. Trotzdem liebe ich Purzel, aber, das gebe ich ebenso zu, er ist mir manchmal einfach peinlich. Kürzlich waren wir bei Bürgermeisters privat eingeladen, zum Abendessen, und natürlich waren mein Gemahl und ich nicht die einzigen Gäste. Der Lehrer, der Apotheker, der Doktor und der Pfarrer waren ebenfalls zugegen. Alle mit Ihren Gattinen, versteht sich, außer dem Pfarrer, der hatte seinen Vikar mitgebracht. Wir betrieben vor dem Essen Konversation und der Lehrer rezitierte ein Gedicht von Rilke. Etwas total Hochgeistiges. Purzel meinte nun, auch etwas vortragen zu müssen, ich ahnte schon das Schlimmste, aber es übertraf meine Befürchtungen um ein Vielfaches. Mein Gatte stellte sich vor den Kamin, lässig mit einem Arm auf den Sims gelehnt, in der einen Hand ein Glas Maykamp (!) in der anderen eine Eckstein ohne Filter (!!), und begann mit seiner grellen Stimme mit seinem Werk: Ene mene Miste, geh´ mir anne Kiste! Ich wollte gerade im Boden versinken, als er unter lautem Prusten fortfuhr: Ene meine mack, geh´ mir auch an´ Sack! Eisiges Schweigen, nur der Vikar gluckste, bis ihm der Pfarrer seinen Ellbogen in die Seite rammte. Der Hausherr versuchte die Situation zu retten, indem er zum Essen bat, obwohl das eigentlich die Aufgabe der Dame des Hauses gewesen wäre. Sei´s drum. Das Essen brachten wir ohne dramatische Zwischenfälle hinter uns, wenn wir mal vergessen, daß Purzel eine Kerze umstieß und dabei die Rüschenbluse der Apothekersgattin entfachte, die ihrerseits vor Schreck ihr Weinglas der Lehrersgemahlin ins Gesicht goß. Nicht weiter tragisch, wenn diese nicht Alkoholikerin wäre und durch den unerwarteten Guß und den daraus resultierenden Schluck nicht wieder voll die Dröhnung bekommen hätte. Sie kam sofort derart in Stimmung, daß sie meinem Gatten prompt in die Wäsche griff, was der Lehrer mit einer Ohrfeige in Richtung seiner Holden ahnden wollte. Die aber ging, durch den unverhofften Alkoholgenuß leidlich angeschlagen, in die Knie, so daß der Pauker meinem Purzel mitten in die Fresse schlug. Der stolperte rücklings über den Doktor, der gerade vor der Gastgeberin kniete, und landete unsanft auf dem teueren Perserteppich. Und dabei fiel meinem armen Purzel das goldeneZigarettenetui des Bürgermeisters aus der Jackentasche . . ! Und was tut mein Gemahl? Er fragt den Hausherrn doch tatsächlich, ob das echtes Gold sei. Sehen Sie, liebe Frau Renate, das ist es, was ich meine. Dieser Gänsehirte kann nicht einmal echtes Gold von billigem Schund unterscheiden. Mein Gott, war mir das peinlich. Was soll ich nur tun. Bitte helfen Sie mir.
Herzliche Grüße, Ihre Heidelinde Müller-Beckschäfer aus Havixbeck.
schicken Sie Ihren Gatten doch einmal zu mir, ich habe da in Mallorca kürzlich
eine ROLEX sehr günstig erstanden, die würde ich gerne Ihrem Purzel zu
einem guten Kurs weiterverkaufen. Natürlich müßte ich meine
Unkosten, Sie wissen schon . . .
Danach erschießen Sie ihn
Herzlichst, Ihre Reni