Rückblick

Maria Stuart an der Pauluskirche

Nein – „Vom Winde verweht„ hieß das Stück nicht, das die Kölner Theatergruppe N. N. unter freiem Himmel aufführte. Es wurde aber fast von Wind und Wetter beendet. Doch Petrus war offensichtlich von dieser Kunst-Dünger- Aufführung genauso angetan wie das Hammer Publikum und ließ Gnade walten. Trotz der schlechten Witterung war der Platz vor der Pauluskirche mit rund 500 Zuschauern gut besucht. Und der Besuch hatte sich nun wirklich gelohnt.

Frei nach Friedrich Schiller interpretierten die Schauspieler „Maria Stuart„ mal ganz anders. Mit Witz und Charme gelang es Didi Jünemann, Ute Kossmann, Irene Schwarz, Michael Thorbecke und Antje von Wrochem (Musik) unter der Regie von George Isherwood das Publikum zu fesseln und begeistern. Unvorhergesehene Ereignisse wurden kurzerhand mit ins Stück eingebaut. So z. B. die peinliche Einlage eines Betrunkenen, der meinte der Welt mitteilen zu müssen, wie „bescheuert„ alle seien. Es passte nun wirklich, da der untergebene Schotte „Mylady„ von ihrem Gemahl befreien sollte, ins Geschehen trat und vor seinem Einsatz mit „Aber zuerst Mylady möchte ich Sie von dem Besoffenen in der ersten Reihe befreien!„ wohl allen aus dem Herzen sprach. Ein netter Herr aus dem Publikum war hierbei dann auch praktisch behilflich. Man könnte jetzt annehmen, die Akteure hätten das Ziel verfolgt, Schiller oder gar sein Werk ins Lächerliche ziehen wollen. Doch davon konnte nicht die Rede sein. Es war eher die unsinnige Handlungsweise vergangener Zeiten, die hier humoristisch dargestellt wurde und wohl sicher nicht als Kritik an die Literatur gedacht war. Dem N.N. Theater gelang es, klar werden zu lassen, für welch nichtige Dinge damals die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes „den Kopf verloren„. Und um ihr Ziel zu verdeutlichen, wurden auch ernste Szenen sehr ernst und gekonnt präsentiert. Es wurde ein enormes Feingespür dafür entwickelt, wann das Stück drohte, zu dramatisch und ernst zu werden. Man fühlte sich keineswegs vor den Kopf gestoßen, sondern mit einem Schmunzeln zurück in die komödiantische Betrachtungsweise zurückgeholt. Wenig Kulisse, viel Können und eine beeindruckende Flexibilität ergaben eine gelungene Vorstellung! Das einzige, was da zu bemängeln gewesen wäre, war die Akustik. Durch den Wind wurde mal hier und da ein Sätzchen fortgetragen. Und es gibt halt Menschen, die zu so einem Anlaß unbedingt ausdiskutieren müssen, wann sie sich denn zum Kaffeekränzchen treffen. Da muß man sich ja echt zusammenreißen, denen nicht mal satt die Meinung zu geigen. Doch die Zuschauer ließen sich nicht davon abhalten zu bleiben. Es blieben fast alle bis zum letzten Satz! Hut ab vor dem Theaterensemble - die hatten es wirklich nicht leicht! (wi)

„3. Summertime Music Party„

„THE VOICE„ in Hamm

Chris Farlowe bot beeindruckendes Konzert - THESE DAYS überzeugte

Das schöne Sommerwetter nahm sich eine Auszeit in den Tagen vor dem Ereignis, aber rechtzeitig zum 24. Juli zur „3. Summertime Music Party„ im TITANIA-PARK kehrte die Hitze zurück und schuf die idealen Voraussetzungen für eine sommerliche Party im Grünen mit kühlen Getränken, leckeren Speisen, guter Stimmung und erstklassigem Programm. Das Gelände des ehemaligen Germania-Bades ist aber auch wie geschaffen für eine solche Veranstaltung. Um 17.00 Uhr war Einlaß, denn um 17.30 Uhr sollte LUTZEMANNS DIXIE TRIO in dem eigens eingerichteten Biergarten die Gäste mit dezenter Dixieland-Musik auf den Abend einstimmen. Und das machte Lutz Eickelmann (Lutzemann) mit seinen beiden Mitmusikern wirklich sehr gut. Unverstärkt und ohne Mikrophon schufen die Drei lockere und ungezwungene Stimmung bei den etwa sechzig Gästen, die sich zu der Zeit bereits auf dem Gelände eingefunden hatten, um so viel wie möglich Sonne zu tanken. Und das Bierchen schmeckte schließlich auch schon. Mit Tuba, Posaune, Stimme und einem weiblichen Banjo, übrigens die einzige weibliche Banjospielerin im Raum Köln, wie Lutzemann uns erklärte, unterhielt das Trio neunzig Minuten lang die Gäste mit kurzweiliger Musik.

Die Hauptbühne war natürlich schon eingerichtet, die Chris Farlowe Band hatte bereits nachmittags ihren Soundcheck gemacht, daher konnte THESE DAYS ohne Umbaupause um 19.15 Uhr mit ihrem Auftritt beginnen. Das Publikum war zwar schon zahlreicher geworden, der große Ansturm ließ aber leider immer noch auf sich warten, was die Veranstalter mit einem gewissen Unverständnis zur Kenntnis nahmen, aber man kennt ja seine Stadt inzwischen. Dabei hätte es sich wirklich gelohnt, die Bon-Jovi-Coverband THESE DAYS aus Hamm nicht zu verpassen, denn was die sechs Musiker zu bieten hatten, war sehr beachtlich. Ich bin zwar kein ausgesprochener Fan von Bon Jovi, aber schon vor einem Jahr auf dem Kurparkfest ist mir die Band um Holger Auer angenehm aufgefallen und die Menschenmassen, die ihr zuhörten, empfanden das wohl auch so. Aber leider ist die „3. Summertime Music Party„ kein Kurparkfest . . .

Nun war auf der Bühne ein Umbau fällig, der in einer angenehm kurzen Zeit vonstatten ging. Dann etwas Musik von der CD (Innes Sibun, Gitarrist von Robert Plant, am 6. Nov. im Hoppe Garden. d.Red.) und um 21.30 Uhr betrat der RHYTHM `N BLUES TRAIN, die Begleitband des großen Chris Farlowe, die Bühne und legte los. Norman Beaker, ein Bluesgitarrist der ersten Garde übernahm den Gesangspart während Mr. Farlowe noch neben der Bühne stand, und auf seinen Einstand wartete. Und dann betrat einer der weltbesten Rock´n Blues-Sänger die Bühne im Titania-Park und zeigte den inzwischen etwa 400 Zuschauern, was ein fast sechzigjähriger Mann stimmlich noch zu leisten imstande ist. In einem grellbunten Hemd mit aufgedruckten Gitarren (was ich ihm nach der Show vergeblich versuchte abzuluchsen) stand der kleine grauhaarige Musiker mit dem Medizinball unter dem Hemd vor seinem Mikrophon und sang mit einer Stimme, die sicherlich jedem eine Gänsehaut über den Rücken jagte. So kraftvoll, so sanft, so leise und sooo laut. Etwas Vergleichbares kenne ich nicht. Ich liebe Rod Stewart, aber selbst der benötigt inzwischen bei den höheren und lauteren Tönen die Unterstützung seines Chores. Nicht so Chris Farlowe, der schafft das immer noch alleine. Farlowe spielte mit seinem hervorragend eingespielten Rhythm´n Blues Train eine Mischung aus Rock, Blues, Soul und Balladen vom Allerfeinsten, und das mit einem excellenten Sound. „Handbags & Gladrags„ (Rod Stewart), „All or nothing„ (Small Faces) und „I want to do everything„ von der aktuellen CD „The Voice„, „Out of Time„ von den Stones in einer sehr schönen Version und der unvergleichliche „Stormy Monday Blues„ mit dem legendären „Didldididldididli„ aus der Collosseum-Zeit, um nur einige der vielen Höhepunkte des Programmes zu nennen. Norman Beaker (Guit.), John Price (Bass), David Baldwin (Keyb.), Lenny Croajes (Sax) Paul Burgess (Drums) und „THE VOICEChris Farlowe boten ein Konzert, das man so leicht nicht vergessen wird. Doch wie sagte ein Hammer PA-Fritze zum Veranstalter: „Wo, zum Teufel, bleibt Hamm ?„