Rückblick

Blues im „Bahnhof Pelkum„

GERRY SPOONER

Waliser ließ Bluesherzen höher schlagen

Ich war schon lange nicht mehr im „Bahnhof Pelkum„, der gemütlichen Kneipe hinter dem Gebirgsmassiv der Pelkumer Alpen. Aber der neue Betreiber und nicht zuletzt der Bluesgitarrist und -Sänger Gerry Spooner veranlaßten mich und den Willi-Foto-grafen Rainer die Strapazen einer langen Taxifahrt auf uns zu nehmen, und am 13. August in der „Wirtschaft„ Einkehr zu halten. Vierundzwanzig Zuschauer waren bis 21.00 Uhr dem Ruf Gerry Spooners gefolgt (es wurden dann später ca. 45) und richteten sich auf einen netten Abend mit „Blues und mehr„ ein. Keine falsche Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Kurz nach 21.00 Uhr betrat der freundliche Engländer aus Swansea/Wales die kleine Bühne, und begann mit einem Song von Altmeister Muddy Waters sein Konzert. Das Lied widmete er Bill Clinton, ich weiß nicht warum, denn der Text handelte gar nicht von Zigarren und Praktikantinnen . . ! Spooner spielte fantastisch Slide-Gitarre auf seiner Dobro (Korpus aus Metall) und er beherrschte das Fingerpicking ebenso perfekt. Doch das tollste an ihm war seine Stimme, denn die klang nach Whisky und verräucherten Kneipen, also echt bluesig. Der Bluesmann aus Wales verfügt über ein schier unerschöpfliches Repertoire, die jahrzehntelange Spielerfahrung in den verschiedensten Stilrichtungen hat ihn einen reichen Fundus an Titeln aufbauen lassen. So erzählte er seinem Publikum, er habe für den heutigen Abend überhaupt kein Programm zusammengestellt. Er wolle einfach nur aus seiner und der Zuhörer Stimmung heraus sein Repertoire gestalten. Und so wurde es recht abwechslungsreich und kurzweilig; Eddie Cochran´s „Summertime Blues„, Robert Johnsons „Stop Breakin´ Down„, auch von den Stones schon mal gecovert, oder Leadbelly´s „Jean Harlowe Is Died„ wurden von Gerry Spooner ebenso stimmungsvoll und authentisch ´rüber-gebracht, wie Rory Gallager´s „Lightnin´ Slim„ oder Chuck Berry´s „Thirteen Questions„. „Cliff Richard hat 146 Singles herausgebracht„, meinte Gerry Spooner, „und das tolle daran ist, es waren zwei gute dabei.„ Eine davon spielte er dann, und er hatte recht, der Song war gut. Richtig Klasse war dann „It´s Allright Mama„ von Elvis, nur mit zwei Eßlöffeln und einem Knie gespielt oder der „Chatanooga Choo Choo„ von Glenn Miller, mit Harp und Stimme. Ein tolles Konzert im „Bahnhof Pelkum„, nur ein Zwischenfall trübte die Stimmung des Wirtes, wenigstens kurzfristig: Vier Gäste haben sich einen Set des Engländers interessiert angehört, als es dann darum ging, 8,- DM Eintritt zu zahlen, weigerten sie sich und sprachen lautstark von „Räubermethoden„. Sie wurden dann vom Chef des Hauses hinausbegleitet. Lauschepper gibt es nun mal überall . . !
Übrigens: Gerry Spooner wurde vom Fleck weg engagiert, für den „Livingroom Blues„ in der Kulturwerkstatt. Im November, Willi lesen.
(Hh)

2. Reggae -Summer - Night

bestach durch Regenmissachtung!

Es hätte alles so schön werden können, Sommer Sonne Reggae, statt dessen plagte uns ein mitteleuropäschischer Monsun. Meine Meinung dazu: EGAL!! Reggae spielt sich in den Köpfen und Gliedmaßen der Zuhörenden ab, da macht äußerliche Feuchtigkeit rein gar nichts. Jedenfalls bei den rund 500 Anwesenden. Zu Anfang noch spärlich und trübselig dreinschauend, brach schon die erste Formation, die HOTKNIVES, die düsteren Gewitterwolken, und einige wenige begannen sich zu bewegen Zumal es unmittelbar vor der Bühne auch recht trocken war im Gegensatz zu der aufgequollenen Restwiese. Allerdings hatte zumindest ich ein wenig zu viel von den Engländern erwartet, dachte ich bei Ska doch zumindest an Bläser, die leider hier allesamt vom Keyboard gemacht wurden. Anscheinend schien das den anderen recht wenig auszumachen, hauptsache gute Laune zu schlechtem Wetter. Die Wiese füllte sich langsam gegen Ende des Sets, immer mehr Leute kamen zum Roten Erde-Gelände und gerade als die HOTKNIVES ihr letztes Lied spielten, gefielen sie mir plötzlich besser. Aber wenn es am schönsten ist, soll man ja aufhören, das taten sie dann auch.

Was folgte war eine immense Umbaupause, die leider nicht wie angekündigt von den BIFIS verkürzt wurde. Diese Zeit nutzten etliche um die Stände der fliegenden Händler zu begutachten. Es gab Cocktails, Kokosnüsse und jede Menge Geräte zur Rauschzuführung zu bestaunen, wobei ich bei den Cocktails den Preis von 8 DM doch arg zu bedenken gebe. Aber lecker waren sie doch. Man war ja schließlich auf Karibikurlaub.

Die Bierpreise waren happig aber nicht unerschwinglich, denn sie wurden es durch die eigenartige Rechenweise einer Thekenbediensteten. Beispiel: Wenn ich ein Bier für 4 Mark kaufe und 1 Mark Pfand auf dem Becher ist, bezahle ich 5 DM. So weit, so gut. Jetzt hatte ich mittlerweile aber 2 Becher, sprich 2 Mark, bestellte ein neues Bier, gab die Becher ab und musste 4 Mark bezahlen? Auf etwaige Diskussionen verzichtete ich lieber, der Regen hatte mich zu einem willenlosen Konsumenten gemacht.

Weiter im Text. Die WE REMEMBER BOB MARLEY SHOW von BASS CULTURE stand auf dem Programm. Jeder der die Band schon auf der Nacht der Clubs bewundern durfte, weiß das der Name gnadenlos Programm ist.

Das war auch gut so, die Massen bewegten sich zu einer kompletten Marley Anthologie, spätestens jetzt hätte es Hunde und Katzen regnen können, es hätte keinen irritiert. Jeder Song natürlich ein alter Ohrwurm, total herrlich präsentiert, der Abend war gerettet. Zum nähern Ablauf des Programms möchte ich jetzt keine Fragen gestellt bekommen, BASS CULTURE versetzten mich und den Rest indirekt nach Jamaika. Nach einer wiederum endlosen Umbaupause betraten die zehn Gebote des Abends die feuchte Bühne. MISTY IN ROOTS (siehe Foto) eine seit 20 Jahren existierende und zehnköpfige Band aus dem Westen Londons begann den Roots- Reggae förmlich zu zelebrieren. Jetzt kamen auch die von mir geforderten Bläser zum Einsatz, es wurde aber auch Zeit. Jetzt war sowieso jeder irgendwo naß, so das der Bühnenbereich förmlich gestürmt wurde. Alles wollte tanzen, jeder wollte Spaß, MISTY IN ROOTS gaben was sie konnten und vielleicht noch ein bisschen mehr.
A.P.a.M.