DAMENWAHL von Margret Holota - Buchhandlung Akzente -
Nachdem an dieser Stelle in der letzten Zeit Elisabeth Evertz fast ausschließlich hochkarätige Literatur vorgestellt hat, erscheint hier heute, aus gegebenem Anlass, wieder einmal eine Krimi-besprechung - wobei Elizabeth George (zumindest im Genre des Frauenkrimis) durchaus als hochkarätig zu bezeichnen ist. Sie ist - das sei vorausgeschickt - eine Autorin, die trotz zuneh-mender Popularität und einer Reihe von Veröffentlichungen sich durchaus immer noch zu stei-gern weiß.
Jetzt ist also ihr zehnter Roman auf deutsch erschienen: ?Undank ist der Väter Lohn" und natür-lich wirft die George wieder ein Netz psychischer Verstrickungen und Verirrungen aus, in dem sie uns von der ersten bis zur letzten Seite gefangen hält.
Im ersten Kapitel des Buches erfahren wir vom Selbstmord eines berühmten Londoner Kompo-nisten, der scheinbar nicht mit den Leichenfunden von zwei gewaltsam zu Tode gekommenen jungen Leuten einige Monate später zusammenhängt. Unlösbar erscheint zunächst dieser Fall, da die Verbindung, die zwischen den beiden jungen Leuten bestand, nicht deutlich wird. Nach und nach dringen die Ermittler - oft von Zufällen geleitet - in das Leben der Beteiligten vor und entwirren ein Beziehungsgeflecht, das von Angst, Unverständnis und falscher Rücksichtnahme geprägt ist. In beeindruckender Weise beschreibt E. George das Dilemma des Eingebunden-seins in familiale Loyalitäten.
Inspektor Linley und seine Assistentin Barbara Havers ermitteln in diesem Fall nicht in ge-wohnter Eintracht, da Barbara sich durch "Befehlsverweigerung" den Unmut ihrer Vorgesetzten und eben auch Linleys zugezogen hat. Aber Havers wäre nicht Havers, wenn sie nicht ihre Ver-setzung in den Innendienst etwas großzügig auslegen und Ermittlungen auf eigene Faust und hinter dem Rücken Linleys durchführen würde.
Das Psychogramm der Beziehung der beiden so ungleichen Polizisten wird in diesem zehnten Fall noch einmal um einige interessante Komponenten erweitert.
George, Elizabeth: Undank ist der Väter Lohn; Blanvalet 1999; DM 49,90