Superstimmung im Bahnhof Pelkum
In der Vorschau war da von "Workaholic" die Rede. Und was das bedeuten kann, demonstrierte eine recht zierliche, kleine Lady aus Australien am 10.09.99 im Pelkumer Bahnhof. Wieso? Tja, in dieser Art zu musizieren, gelingt einem nur, wenn man süchtig nach Musik ist. Ganz ohne Mitmusiker - so ganz alleine stellte sich Ronnie Taheny auf die Bühne, schnappte sich die "Klampfe" und legte los! Und das mit einer Energie, von der man nur zu träumen wagt. Der ganze Körper der Australierin schien die Songs zu leben und erleben. Eine angenehme Alt-Stimme, mal rauh, mal gaanz sanft, mal druckvoll und dann wieder dramatisch - WOW! Es wurde eine Gesangsmischung aus Soul, Gospel und Folk angekündigt. Irgendwie finde ich das noch untertrieben. Den Suzanne Vega-Song "Luca" brachte sie dermaßen druckvoll - man bedenke: nur in Begleitung der eigenen Gitarre - dass man eine Gänsehaut bekam. Im Publikum waren nur noch Ausrufe wie: "Super" zu hören. Treffender hätte ich das nicht formulieren können... Dann begab sich dieses Wesen an ein Keyboard und spielte engelsgelassen dieses Instrument, während sie so ziemlich arhythmisch darüber sang, dass man nur noch hinnehmen konnte, dass man das wohl in diesem Leben nicht mehr hinkriegt. Vor allem noch dieses Feeling in der Stimme...
In der Vorankündigung konnte man lesen, daß sie bereits mit Bands wie Crowded House zusammengearbeitet hat. Ja, das wundert mich nicht. Ronnie Taheny kann man wohl einfach irgendwo plazieren, Instrumente hinstellen und der Abend ist gerettet. Es ist nicht nur die her-vorstechende Musikalität, die sie ausmacht. Auch ihr Stil, das Programm zu präsentieren hat individuellen Charakter. Obwohl sie nur englisch spricht, was halt nicht jeder so parat hat, konnte sie so viel Charme versprühen, dass es eigentlich SCHEISSEGAL war, was sie sagte. Man muss sie einfa
ch mögen. Es wirkte alles so locker leicht, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, SO ein Können mal eben so hinzuzaubern...
Da ist es natürlich nicht erstaunlich, dass es ihr gelang, mit der ersten Debütsingle in Irland einen Charthit zu landen. Einerseits ist es vielleicht im Techno-Zeitalter gar nicht so leicht, sich mit handgemachter, ehrlicher Musik durchzusetzen. Andererseits habe ich den Verdacht, dass sich die kleine Australierin mit ihrem etwas frechen, charmanten Lächeln einfach auf die Büh-nen stellen wird - und sie macht es dann schon.
Übrigens: Die neue Scheibe, die sie in Pelkum vorstellte heißt "Briefcase"! (wi)
"Livingroom Blues"
WESTCOAST BLUES
Gregor Hilden, Martin Gorenz und Fay Victor
Noch im letzten Jahr war es ein Geheimtip, inzwischen schon fast ein Renner. Gemeint ist der "Livingroom Blues" auf der "Kleinen BÜHNE" in der Kulturwerkstatt. Auch dieses Mal war der kleine Raum in der ersten Etage gerammelt voll, denn ein besonderer Leckerbissen wurde den ca. sechzig Zuschauern, die es sich in gemütlichen Polstersesseln bei Kerzenschein, Faßbier und Knabberzeug bequem gemacht hatten, geboten. Gregor Hilden, bekannter Bluesgitarrist aus Münster, Gitarrist Martin Gorenz, (Al Bano und Romina Power-Band) ebenfalls aus der schwarzen Stadt am Aasee sowie die farbige Sängerin Fay Victor aus New York standen auf der kleinen zehn Quadratmeterbühne und brachten eine Mischung aus Blues, Jazz und Rhythm & Blues. Ganz besonders zur Geltung kam Fay Victors samtene Stimme bei gefühlvollen Balladen wie "Georgia On My Mind" oder "Since I Fell For You", aber auch bei rockigeren Stücken wie "Ooh Wee Baby" oder "Down Home Blues".
Natürlich bildeten die beiden Gitarristen die solide Grundlage hierfür, und immer wieder spielten sie im Duett die gewagtesten Passagen, oder war es ein Duell??? Wie auch immer, gut war es allemal. Wobei es diesmal nicht der erdige, schweißtreibende und rauhe Blues-Rock war, den man oft im HoppeGarden erleben darf, sondern sehr klassisch und akademisch gespielte Musik, eher zum Zuhören, als zum abfeiern geeignet.
Auch das Publikum unterscheidet sich von dem der üblichen Konzerte der Veranstalter, aber das ist wohl auch so gewollt. Immerhin bietet die "Kleine BÜHNE" eine intimere Atmosphäre und ist, wenn sich sechzig Zuschauer vor der kleinen Theke drängen, oder sich in die weichen Polster lümmeln, ein "Ausverkauftes Haus". So waren auch diesmal die Veranstalter zufrieden, auch, wenn die Einnahmen nie die Kosten decken. Aber der Eintrittspreis soll gehalten, und vorläufig nicht erhöht werden.
Den nächsten "Livingroom Blues" gibt es am Samstag, den 20. November. Dann wird Gerry Spooner rauhen, erdigen und verräucherten Kneipenblues spielen, zum Abfeiern. (Hh)
Musikalische Orientreise
- oder: Bildungsbürger im Museum
Ja, dieses hätte eine Party werden können, jedenfalls war alles nötige hierfür vorhanden. Da gab es eine gut aufgelegte Kapelle mit einem unverschämt gut aussehenden, charmant plaudernden Frontmann; es gab ein Publikum, das förmlich danach gierte, klatschen zu dürfen, es gab zu essen und zu trinken, man konnte mit durchaus interessanten Leuten plaudern.
Nur: Dieses alles fand in einem Museum statt!
"Was wollen Sie? Wollen Sie auch zuhören?" So die irritierende Frage der ebenso irritierten Dame an der Kasse. Wo genau findet die Veranstaltung statt? Der Neuling wagt nicht zu fragen, sondern geht der Masse nach. Dann die Ansage: "In der Pause dürfen Sie ein (!!!) Getränk zu sich nehmen und kleine Imbisse probieren..." Der Westfale denkt an dieser Stelle natürlich, dass es dieses kostenlos zu verspeisen gilt, und rennt in der Pause in Kompaniestärke zur Cafeteria, wo wirklich jedem (ca. 50 vornehmlich Damen) die Rezeptur erklärt und anschließend pro Bissen eine Mark abgeknöpft wird.
Dies alles erinnerte fatal an die Vorträge von sog. "Forschungsreisenden" vor den Kolonialgesellschaften zu Anfang des Jahrhunderts.
Sahbi Amara ist offensichtlich ein ausgebildeter Meister der recht schwer zu spielenden arabischen Laute. Begleitet von zwei Trommlern und einem weiteren Sänger bot er einen erfrischenden Querschnitt durch die Musik seiner tunesischen Heimat und der Nachbarn in Algerien, Ägypten, Libanon und Saudi-Arabien. Arabische Musik in der gebotenen Form beginnt immer mit einer kurzen Solo-Improvisation auf der Oud, die dann in das eigentliche Musikstück übergeht. Dies alles ist extrem tanzbar und erzählt auf eine enorm sympathische Art von einer Kultur, die uns doch größtenteils fremd ist.
Um so eher sollte hier aber der Veranstalter die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Künstler, zum Gespräch, zur Geselligkeit, zur Freude, zum Tanz schaffen. Das Prinzip ?L´art pour l´art? - die Kunst um der Kunst willen- greift hier nicht. Es geht um Menschen, es geschieht mit Menschen, und die wollen was miteinander machen.
Wie sagte Sahbi Amara: ?Ich habe da welche fast einschlafen gesehen. Weckt die mal auf. Dies hier ist keine Beerdigung!!? Kann man es noch deutlicher sagen?!
Einige Tips für Interessierte sind die CDs von Oumme Kholsoum und Ofra Haza im eher traditionellen Bereich, sowie Natacha Atlas, Transglobal Underground, Yulduz Usmanova und der frühe Cheb Khaled im gemäßigt bis extrem modernerer Form.
(mt)
Wolf Maahn: Ist der Soulman wieder da?
Auf seiner Deutschland-Tournee macht Wolf Maahn auch in Hamm Station - vor gut gefüllter Kulisse im Maximilianpark (die Werkstatthalle war picke-packe voll - besser wäre ein größerer Saal gewesen).
"Woher kommt die Liebe in den Songs von Marvin Gaye...?" fragt Wolf Maahn in einem seiner neuesten Stücke und weiß natürlich die Antwort.
Lange, fast zu lange hat man auf Nachricht von Wolf Maahn gewartet, den ewigen letzten im Rennen um ein en Platz auf dem Siegertreppchen neben Maffay, Westernhagen und Grönemeyer. Irgendwie hat er es wohl immer geschafft, kurz vor dem Ziellauf daneben zu treten.
Nun gibt es Neues, auch die bewährten älteren Stücke wie "Rosen im Asphalt", "Gib mir das Fieber zurück" und der Knaller "Irgendwo in Deutschland" sind erfrischend aufpoliert worden und werden durch eine nörgelnde WahWahGitarre durchaus "funky". Und die deutsche Version des Stones-Klassikers "Gimme Shelter" -("Liebe, Schwester, ist nur ´nen Kuss weit weg") - lässt dem Hartgesottensten eine Gänsehaut über den Körper ziehen.
Ob es in diesem Anlauf endlich gelingt, zu Recht und wohlverdient auf jeden Fall, auf dem Siegerpodest Platz zu nehmen, kann und muss sich noch zeigen.
Westernhagen zieht sich aufs Altenteil zurück, Grönemeyer nervt nur noch mit Peinlichkeiten und Neurosen, Maffay wird sowieso von der Hälfte der Deutschen grundlos gehasst für jemanden, der Feuer im Arsch hat, für einen echten Soulbrother also, ist da allemal ein Platz frei! (mt)
Super Stimmung im Hoppe Garden
JAMIE CLARKE´s PERFEKT
Pogues-Gitarrist in der Kulturwerkstatt
Endlich war es soweit, die Konzertsaison Herbst ´99 in der Kulturwerkstatt begann gleich mit einem Knüller. Jamie Clarke, der Gitarrist der legendären Irish-Folk-Punk-Rock-Band (was für ein Wort) THE POGUES stand mit seiner eigenen Band PERFECT auf der Bühne im Hoppe Garden. Dabei hatte sich die Anreise der drei Musiker als recht schwierig erwiesen. Sie hatten zwei Tage vorher telefonisch darum gebeten, in der Nacht zum Samtag um 2.00 Uhr im City-Hotel einchecken zu dürfen. Das ist natürlich recht ungewöhnlich, aber Günter Kurze und seine Hotel-Crew sind auf ungewöhnliche Situationen spezialisiert. Also wurden Jamie und seine beiden Jungs mitten in der Nacht wunschgemäß erwartet. Aber es kam etwas dazwischen, nämlich die Polizei . . . Denn auf der Autobahn (Die Band kam aus den neuen Ländern) hatte es wohl einen schwereren Zwischenfall gegeben, sodaß die Herren in grün den gesamten Verkehr von der Bahn herunter auf die Landstraße leiteten. Gegen fünf Uhr konnten sich die Musiker dann schließlich zur Ruhe begeben. Nochmals herzlichen Dank für die Geduld des Hotelpersonals.
Gutgelaunt kamen die drei Herren am nächsten Nachmittag zum Soundcheck in den Hoppe Garden, wobei dann eine DI-Box (gehört zur PA) mit einem mörderischen Getöse den Geist aufgab. So eine Lautstärke hatte ich nicht einmal bei Randy Hansen erlebt.
Doch nun zum Konzert. Trotz Boxkampf Schulz/Klitschko, bei dem Axel bekannterweise bitter abschmierte, war der Hoppe Garden sehr gut besucht. Etwa 170 Zuschauer wollten den Ex-POGUES-Gitarristen mit seiner Band PERFECT sehen und hören. Sie wurden nicht enttäuscht. Die Musik kann man ohne Weiteres Irish-Folk-Rock nennen, mit Betonung auf beiden Silben übrigens. Den Ton gibt ohne Zweifel das Akkordeon von Pedrag Zaric an, der die Charakteristik der Musik bestimmt, neben den Kompositionen von Jamie Clarke natürlich, denn die meisten Stücke stammen aus seiner Feder. Schon nach dem ersten Song hatte die Band den Kontakt zum Publikum gefunden, vor der Bühne wurde getanzt, mitgeklatscht und mitgesungen. Die Stimmung war bombig. Es war aber auch keine Kunst, die Zuschauer zum Mitmachen zu bewegen, mit der Musik war das eine Leichtigkeit. Wer die POGUES kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie hier im Hoppe Garden die Post abging, ein Knaller nach dem anderen, alles richtige Abgeh´songs, jeder ein Ohrwurm, den man schon nach wenigen Takten mitsingen konnte. Der Standup-Drummer Jochen Ritter, ein hervorragender Trommler, gab den Takt an und Jamie Clarke wechselte von der Electric-Guitar zur Acoustic-Guitar und zurück und sang alle Stücke, unterstützt von Jochen. Hitverdächtig: "Adorable", "Pray" oder "Pressure On", alle auf der brandneuen CD "Sickly Men - of thirty or so . . .", die erst in den nächsten Tagen in den Handel kommt. Wie ich finde, ein Muß für jeden, der tanzbare sehr unterhaltsame Musik liebt. Das Konzert in der Kulturwerkstatt jedenfalls verbreitete in Windeseile gute Laune unter dem Publikum, ein unterhaltsamer, schöner Abend ging, natürlich, erst nach einigen Zugaben seinem Ende entgegen. Einige der Zuschauer besuchten anschließend die Band in der Garderobe, wo man die Gelegenheit hatte, mit Jamie und seinen Jungs zu plaudern, ein Schlückchen zu sich zu nehmen, und sich Autogramme geben zu lassen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen. (Hh)