Porträt

Harry Houdini - König der Ausbrecher -

Die meisten Leute haben irgendwann einmal einen Zauberkünstler gesehen, an seinen Namen erinnern sie sich jedoch nur selten. Bei Harry Houdini ist das anders. Jedes Kind hat schon mal etwas von diesem Teufelskerl, diesem Übermenschen, dessen Name stellvertretend für Entertainment, Sensationen und Wunder steht, gehört. Selbst meine Oma sagte neulich noch zu mir: "...und viel geiler als dieser Coppertyp, war der alle mal"
Unvergessen seine spektakulären Tricks, wie das entkommen aus der Milchkanne, die chinesische Wasserfolter, das Öffnen dieser verzwickten Milchtüten in Harper's Restaurant.
Seine Leidenschaft Schlösser zu öffnen zeigte sich schon recht früh. So wird z. B. berichtet, daß Harry als Kind stets sauber in den für Stubenarrest vorgesehenen Raum getrieben, jedoch oftmals dreckig und verschwitzt am Abend wieder herausgelassen wurde. Das geschah gerade in den Räumen am meisten, die am wenigsten Fluchtmöglichkeiten boten, ein Zeichen dafür, dass er es schon in jungen Jahren eher kompliziert liebte.
Von seinem Faible für schwere Schlösser wußte schon bald jeder in dem kleinen Dorf in Wisconsin, was zur Folge hatte, dass, wenn immer irgendwo etwas gestohlen wurde, zunächst mal er dafür verhaftet wurde. Mit mäßigem Erfolg natürlich, denn nach wenigen Sekunden war er ja aus jeder erdenklichen Zelle befreit, und meistens steckte er als kleinen Scherz noch jemand anderen, unbeteiligten in sein Gefängnis. Eine Marotte, die er nach einigen Jahren ablegte, nämlich als einer dieser Unbeteiligten vom wilden Mob aufgeknüpft wurde, der es "dem alten, blöden Houdini" mal zeigen wollte.
An diesem Abend, nahm ihn sein Vater sanft bei Seite, legte ihm dreimal wuchtig seine Hand auf die linke Wange und sagte: "Jetzt verpiss Dich hier, und komm erst wieder wenn Du Millionär bist. Und nimm den Müll mit raus!".
Harry ging zu seinem Kumpel Hayman und überredete ihn mit Hilfe einer Grundkonstruktion des Gerätes, welches später in seiner Show unter der "Chinesischen Wasserfolter" bekannt werden sollte, mit ihm mitzugehen.
Auf ihrer Tournee lies sich Houdini immer wieder etwas tolles einfallen, mal lies er sich lebendig begraben, mal von Kopf bis Fuß mit schweren Ketten und Schlössern fesseln, die sogar vom Publikum selber mitgebracht werden durften, mal lies er sich von einer stadtbekannten Hure in die Kneifzange nehmen.
Einmal in Dresden wäre es um Houdini fast geschehen, als er sich am Stadtrand von Dresden auf Eisenbahnschienen fesseln lies. Houdini sagte noch vorher zu Hayman: "Kein Problem, der Zug kommt sowieso zu spät, wir sind hier schließlich in Deutschland."
Er hätte natürlich richtig gelegen, was er jedoch nicht wußte war, dass der Lokomotivführer, ein Houdini Fan, schon vorher von dem Ereignis gehört hatte, und extra Gummi gab um rechtzeitig dabei zu sein.
Houdini lag also auf den Schienen, erspähte in 500 Metern Entfernung den unweigerlich herannahenden Zug, aus dem der Lokführer aufgeregt spähte. Houdini hatte zu diesem Zeitpunkt gerade erst die Fessel des kleinen linken Zehs gelöst, 499 weitere Schlösser mussten noch geöffnet werden. Ein lautes "Scheiße" übertönte das Johlen der aufgebrachten Menge, und das Rattern der Räder. In wilder Panik rupfte er sich förmlich die Ketten vom Körper und sprang wahrlich in letzter Sekunde von den Gleisen. Die Zuschauer verstummten, nahmen sie doch an, dass Houdini bereits in Einzelteilen, halb klebend am Kuhfänger, halb an den Rädern des Zuges auf dem Weg nach Berlin Wedding war. Doch es kam anders. Der Zug rollte vorbei, und ein eingenässter Houdini stand auf der anderen Seite der Gleise und kaute Fingernägel.
Ein paar Jahre später starb er an einem perforiertem Blinddarm, nachdem er einem dahergelaufenen Studenten, der Harrys Körperbeherrschung testen wollte, erlaubt hatte, ihm einen Schlag in den Magen zu verpassen, und dieser sich das nicht zweimal sagen ließ.
Sooo toll waren seine Tricks auch wieder nicht. (as)