Krimi

Mystery zur Weihnachtszeit

Ein Kammerspiel von André Schörnig

 

Vorhang auf.

Ein dunkler, gemütlicher Raum. Ein knisternder, offener Kamin, ein reich behängter Weihnachtsbaum. Es schneit draußen.

Drei Personen sind zugegen. Lady Marilla Countersby, Detektive Parker und Dr. Wunder, der von Parker nur A. genannt wird.

Lady Countersby strickt nervös an einem Lappen herum, Parker stopft eine Meerschaumpfeife und der Doktor kratzt sich am Sack.

P.: Tolle Pfeife, die ihr Mann da hinterlassen hat....ich darf doch?

M.C.: Aber Detektive, wieso hinterlassen? Bisher vermisse ich ihn ja erst seit zwei Stunden.

P.: Machen Sie sich doch nichts vor.

M.C.: Ich verstehe nicht ganz...

P.: Ihr Mann war auf dem Weg zu seinem Stammtisch als er heute Morgen um 5 Uhr das Haus verließ. Normalerweise kehrt er pünktlich um 8 Uhr abends zurück und kotzt in den Vorgarten. Heute allerdings (der Detektive macht eine ausladende Bewegung mit der linken Hand, als ob er etwas mit seinem Steuerberater bereden würde) kam er dort nicht einmal an, geschweige denn wieder nach Hause.

M.C.: (Erwidert die Bewegung mit der rechten Hand) Es kann doch alles mögliche...

A.: (kratzt sich immer noch)

M.C.:...passiert sein.

P.: Nein! Sir Countersby war ein stadtbekannter Säufer, der in vierzig Jahren niemals einen Sauftermin verpasst hat, er muss also tot sein. Umgebracht!!! (schreit das letzte Wort fast hysterisch).

M.C.: Wie bitte?

A.: Hä?

P.: Genau! Ihr Mann wurde auf bestialische Weise niedergemetzelt, und zwar von IHNEN (schreit das letzte Wort fast hysterisch UND macht die ausladende Steuerberaterbewegung).

M.C.: Das ist eine infame Unterstellung!!!

A.: Genau!

P.: A., haben Sie nicht gesagt, daß Sie es bewundern, dass Lady Countersby den Mut hat, jedes Jahr einen absolut ungeschmückten Weihnachtsbaum aufzustellen?

A.: Ich erinnere mich, das habe ich wohl gesagt. Auch wenn das vor 17 Jahren war. Sie haben Recht.

P.: Und jetzt? Jetzt hängen lauter hübsche Kügelchen am Baum, brav eines neben dem anderen. Und alle sind FLEISCHFARBEN!!! (wirft wütend die brennende Pfeife aus dem geschlossenen Fenster).

M.C.: Das beweist gar nichts...(strickt jetzt wild drauf los, als ob sie nichts zu verbergen hätte).

P.: Wohl! Die Oberfläche einer Kugel errechnet sich aus der Formel 4 p r². Bei diesen Kugeln ist der Radius r ca. 2 inch, das bedeutet jede Kugel hat eine Oberfläche von ca. 50 inch². Die Haut-oberfläche von ihrem ziemlich fetten Mann, die ich aus den Maßen errechnen konnte, die A. in sein Patientenbüchlein einträgt, beträgt genau 1000 inch². Das wiederum würde bedeuten, es müssen sich präzise 20 Kugeln an dem Baum befinden.

A.: Es sind dreißig Kugeln, Sir. (hört auf sich am Sack zu kratzen)

P.: Hab mir doch gedacht, dass der Kerl fetter geworden ist, typisch. (macht eine wegwerfende Bewegung, bei der er auch noch die Pfeife in seiner anderen Hand verliert.)

M.C.: Wirklich unglaublich was Sie hier erzählen, die Kugeln sind aus Schweinsleder. HA! (wirft ihren Kopf nach hinten und strampelt mit den Beinen. Der Schal ist fertig)

P.: A., weiter haben Sie gesagt, daß die Lady eine strenge Vegetarierin sei. Ich rieche hier aber einen ziemlich fetten Braten.. Geben Sie es zu, sie haben Ihren Mann zerschnitten und gebrutzelt.

M.C.: Was Sie riechen ist ein Gänsebraten, sie können ja nachschauen, er hat Flügel!

P.: Alles von Ihnen aus dem zerkleinerten Fleisch modelliert, sie sind eine barbarische Mörderin. (zeigt mit dem Finger auf sie, aber nicht mit seinem eigenen, sondern mit Dr. Wunders.)

Die Tür öffnet sich, und Sir Countersby tritt ein. Parker und A. greifen sich jeweils eine Hand voll Kekse und springen aus dem Loch im Fenster welches die Pfeife hinterlassen hat. Der Raum fängt an zu brennen, weil etwas Glut die Vorhänge entzündet hat.

Vorhang zu.