Musikszene Hamm

Violet

September- die aktuelle CD

Für die Liebhaber mittelalterlicher Klänge haben Hamms Goldkelchen Bianca Stücker (Lead-Gesang, Hackbrett, Flöte) und ihre Mannen Oliver Pietsch (Lead-Gesang, Git., Bass), Rainer Janssen (Sackpfeife), Markus Bosser (Violine, Backing-Gesang), Mario Griggel (Bass) und Martin Duda (Schlagzeug, Percussion, Flöte) nun eine neue CD aufgenommen, damit wir uns die romantische Musik von Violet auch vor dem Kamin durchs Herz laufen lassen können.

Da sich die Folker die CDs im Ausland pressen ließen, blieb es bis zum Konzert und der offiziellen CD-Präsentation im Hoppegarden spannend, ob denn der liebe Paketversand den Zeitplan einhalten würde. Und er war so nett! Über das Konzert will ich gar nicht berichten. Hier soll der Silberling im Vordergrund bleiben. Und der ist wahrlich gelungen! Kein merkwürdiger Effekt, wie sooft bei Studioprojekten, auf der glasklaren Stimme von Bianca Stücker. Es soll kein Rüffel an die PA-Leute sein, aber live läßt sich manch Instrument, nicht zuletzt aus raumtechnischen Gründen, nicht ganz so klar umsetzen. Tja, und den vollen Sound kann man so richtig mit "September" genießen. Das Besondere ist, dass Violet nicht nur englische Texte bietet, sondern auch deutsche, die allerdings so irisch phrasiert, dass sie dann doch folkig authentisch sind, es muss halt nicht keltisch sein, sondern "Biancaisch" verleiht dem Ganzen erst das Original. Und ganz im Sinne von NEW ROMANTIC FOLK-ROCK handeln die Songs von der Liebe, Eifersucht, mystischen Ereignissen und natürlich der Romantik. Nicht zuletzt in dem außergewöhnlichen Gesang wird spürbar, dass sehr viel von der eigenen Gefühlswelt der Folker in die Musik mit einfloss. Mit "außergewöhnlich" meine ich, dass Biancas klassische Ausbildung zwar herauszuhören ist, was nicht unbedingt etwas besonderes wäre, doch nutzt sie ihre Stimme durchaus auch percussiv, sehr gefühlvoll dynamisch und schafft so, ihre Texte emotional zu unterstreichen. In dem mittelalterlichen Gedicht "al amor" (Song 9) setzt sie ein ungewöhnliches Vibrato ein, dass einem die Gänsehaut über den Rücken laufen läßt. (Im positiven Sinne!!! – für die, die es hätten falsch verstehen können)

Bei einem Konzert, sagte ein Zuhörer, dass es Violet gelänge, einen einfach "wegzutragen" und ins Träumen zu bringen. Und wer in die mystische Welt der Musik tauchen möchte, um dem Alltags- und Weihnachtsstress zu entfliehen, der braucht sich nur "September" anzuhören. Violet mit Leib und Seele auf einem Silberling ist auch gar nicht schwer zu besorgen: Ab zum Musik Hans auf der Südstraße! (wi)

Bardic

The roadsmell after the rain - die neue CD

Man stelle sich einen grauen Tag vor, der aber keineswegs depressiv anheimelt, sondern eher voller Tatendrang und Neugierde auf das Unbekannte steckt. Ein wenig Fernweh oder die Vorfreude auf eine unbeschwerte Reise. Ab und zu unterwegs ein paar rauhe Momente – mal sehnsüchtige Gedanken an die Vergangenheit oder Zukunft... So ungefähr würde ich die Musik des Duos Bardic beschreiben. Sarah-Jane Himmelsbach und Stefan "Eddie" Arndt gelingt es tatsächlich, dass man sich in der grünen Keltenwelt wiederfindet, schließt man beim Zuhören einmal die Augen.

Schon einzigartig in der Folk-Szene ist die kräftig-bassige Stimme Eddies in Harmonie mit der zart-weiblichen von Sarah-Jane und nicht zuletzt ihr Geigenspiel, das den wohligen Teppich von Bardic ausmacht. Deswegen ist es natürlich kein Phänomen, dass die beiden Dortmunder im Internet bereits hoch oben in den Irish-Folk-Charts mitmischen. Eddie übernimmt Instrumente wie Gitarre, Banjo, Bass und Sarah-Jane, neben der Geige, Flöten und Percussion. Nicht weniger als 14 Songs sind auf "the roadsmell after the rain" zu hören plus Bonustrack. Auch wenn man der englischen Sprache nicht so mächtig ist und die CD gerade nicht zur Hand hat, kann aus dem Gesang und dem Klangmuster heraus interpretiert werden, wovon der einzelne Song handelt. Die Texte beinhalten Erfahrungen, erzählen Geschichten oder sind einfach poetisch. Auch wenn der Silberling keineswegs oberflächlich, eher sehr tiefsinnig gestimmt ist, ist er nicht schwermütig. Sonst neigt Irish-Folk schon mal dazu, mit den Balladen doch sehr dramatisch zu werden. Doch auch Song 10 "Skibbereen", der eine recht traurige Geschichte erzählt, lässt nicht die Stimmung kippen, sondern mitfühlen. Mein Liebling dieser CD ist Nr. 11 "Vagabonds", die von der Freiheit und den "kleinen Wundern" der Welt erzählt. Irgendwie bekommt man gute Laune und kann sich diese CD stundenlang anhören. Das schönste ist, dass nicht mal ein Hauch von Profilneurose zu hören ist, trotz des Könnens, das eindeutig in dieser Musik liegt. Es hat mal einer gesagt, Kunst sei es, wenn es gelingt, die Atmosphäre zu vermitteln, die man mit seiner Kunst bezweckt. Stimmt, hier ist der Beweis. (wi)