Rückblick

MUSIK VON FRAUEN .........FÜR FRAUEN?

Rocksie! - Auftakt im JZ Südstraße

Alle Jahre wieder finden die Rocksie!-Kurse großen Anklang beim weiblichen, musizierenden Volk.

Alle Jahre wieder finden die Konzerte dieses Workshops aber leider nicht den Ansturm, den sie verdient hätten. Auch diesmal nicht, obwohl ich sagen muß, dass ca. 50 Gäste ein nicht sooo schlechtes Ergebnis sind. Letztes Jahr waren es gerade mal 10 - 20 Leutchen. Genau wie damals kamen auch PUNISHMENT aus Köln zu Besuch. Zum Glück, wie ich sagen muss. Ließ ich mich letztes Jahr noch überraschen, so wusste ich doch an diesem kalten 6. November, dass nicht nur lullige weibische Performerinnen in unseren Breiten ihr Unwesen treiben.

PUNISHMENT, das sind über kurz Anna Koza (voc./git.), Sengül Tolga (bs.), Jessi Steinert (dr.) und Marta Juszcak (git./voc.) aber über lang sind PUNISHMENT vor allem die Band mit DER Stimme. King Diamond ist ein Haufen Hundekot im Gegensatz zu Anna Koza´s Vocalauswüchsen. Die Höhe einer Nina Hagen, die Tiefe eines Sloopy Bialas (na ja , o.k. fast.). Unter Euphorie neigt man halt zu Übertreibungen. Aber was ist schon eine Stimme ohne die passende Musik? A Capella, ich weiß, aber das meine ich nicht. Sengül, Marta, und Jessi bearbeiten ihre Instrumente filigraner als der Papst sein Kettenhemd. Raus kommt dabei eine eigene Mixtur aus Grunge, Rock, und ein bisschen Punk. Gegründet im April 1997 mit dem Auftrag, der letzten guten Frauen- Band CYCLE SLUTS FROM HELL einen draufzusetzen, sind sie durchaus auf dem richtigen Weg, bloß die Darbietung auf der Bühne war mir noch ein bisschen zu statisch. Die Bassistin stierte unentwegt an die Decke oder am Publikum vorbei zu Mixer Ficken Schmidt. Die Gitarristin spielte Gitarre, die Schlagzeugerin ihr Schlagzeug und jene Sängerin hat die Hand inner Buchsentasche. Aber diese Technik der Bühnenpräsentation ist uns in Hamm ja nicht neu, es fehlt auch uns an Innovation und Absonderlichkeiten in der Musikpräsentation und der Vermarktung. Nichtsdestotrotz ein kleiner Stern am Nachwuchsmusikhimmel. Noch ein kurzes Wort zur CD, die bei dem Gig erfolgreich von mir erstanden wurde. Die Band fragte während des Konzertes ihren Manager und Organisator Heinzi wie teuer sie wohl heute sei. Dem Handzeichen zufolge konnte ich 10 Finger zählen. Die Band sah nur fünf. Es gibt noch Gerechtigkeit.

Kurz darauf sollten DIE PERLEN spielen. Aber ich muss sagen, die Umbaupause, falls es eine sein sollte, hatte überhaupt nicht die typischen Merkmale einer solchen. Lassen wir es mal 40 Sekunden gewesen sein, die vergangen waren, als DIE PERLEN aus Werl und Hamm schon auf der Bühne standen. Ehe ich noch laut "Krombacher aus kleinen Flaschen is noch das Beste" denken konnte, fingen Sie schon an, mir den Brägen aus dem Kopp zu rocken. Warum brauchen andere 30 Minuten? Kann ja wohl nicht sein. Egal.

Ich versuche, mich jetzt nicht von einschlägigen Zeitungsberichten blenden zu lassen. Ich hab da ja Sachen über DIE PERLEN gelesen, das spottet jeglicher Beschreibung. Der Name POLYDOR fiel mehrfach, und der ganz große Satz ins Showgeschäft wurde angepriesen. Das Gegenstück zu ECHT (Ihr wisst schon, die Band die in den Charts der Computerindustrie ganz hoch im Kurs ist wegen Ihrem Hit: "Alles wird gerendert, wenn wir groß sind") wollen sie sein, oder es wurde Ihnen in den Mund gelegt, wer weiß. Auf jeden Fall waren Sie die Lorbeeren wert, die da im voraus verteilt wurden. Es war Bewegung auf der Bühne, da ging echt (schon wieder) der Punk ab. Da tanzte der Bär..., mehr Phrasen möchte ich Euch zu dem Thema ersparen. Allein die Instrumentierung spricht Bände. Saxophon, Schellenkranz, Keyboard usw., ein Novum unter Hammer Nachwuchskünstlern, jedenfalls den mir bekannten. Es war Freude in den Gesichtern, Spaß an der Musik. Live. AAAAAAllerdings. Die Musik. Da fehlte mir was. Wenn ich doch nur wüsste was? Es war ja alles da, Instrumententechnisch gesehen. Ich sage nicht, dass ich der Band kommerziellen Erfolg, wenn eine Single raus kommt, nicht gönne. Für die Masse sicher eine Erweiterung des Horizontes, aber für mich persönlich zu viel Mainstream.

Aber ich bin nicht die Welt und die steht DEN PERLEN mit weit geöffneten Pforten zur Verfügung. (A.P.a.M.)

Letztes Highlight der Saison

The INNES SIBUN BAND

Robert Plant-Gitarrist bot Gitarren-Power pur

Das letzte große Konzert der Kulturwerkstatt in diesem Jahrtausend war ein würdiger Abschluß der Saison 1999, denn der Engländer INNES SIBUN, der mit seiner Band am 6. November im Hoppe Garden zu Gast war, erwies sich als einer der beeindruckensten Gitarristen, die je dort auf der Bühne standen. Das gilt für sein virtuoses Spiel ebenso wie für seine außerordentliche Präsentation.

Die Band befand sich auf einer ausgedehnten Deutsch-land-Tournee, nach Hamm ging es noch nach Hamburg, Bremen, Berlin, Aachen und Düsseldorf. Und wer jeden Tag auf einer anderen Bühne steht, hat natürlich wenig Zeit zum Proben. Das erledigte die Band dann schließlich während des Soundchecks, wie nicht wenige Top-Acts vor ihr. Da merkt dann der aufmerksame Zuhörer, dass die alle auch nur mit Wasser kochen. Allerdings schon mit sehr heißem Wasser. Und was Innes Sibun dort schon für eine Spielfreude an den Tag legte, ließ erahnen, was uns am Abend erwarten sollte. Um 22.00 Uhr betrat Innes Sibun mit seinen Musikern die Bühne und begann mit einem wundervollen Slow-Blues seine über zweistündige Show. Wenn man bei diesem Song noch beruhigt durchatmen konnte, spätestens bei der zweiten Nummer gerieten auch die Zuschauer völlig außer Atem. Was dieser Mann auf der Bühne für einen Zauber veranstaltete, hat man noch nicht gesehen. Keine Sekunde stand er still auf seinen Beinen. Jeden Moment mußte man befürchten, dass er ein Mikro-Stativ, eine Gitarre oder das Schlagzeug von der Bühne befördert. Innes hatte allerdings auch sehr viel musikalischen Freiraum, denn den Part des Sängers hatte Steve Robinson übernommen. Und was dieser kleine Mann für eine Stimme hatte, war schon sehr beeindruckend. Und nicht nur das, er unterstützte den Meister auch auf der Gitarre. Besonders hervorzuheben wäre ein ruhigerer Part in der Mitte der Show. Innes und Steve setzten sich auf einen Barhocker, bedienten sich zweier Acoustic-Gitarren und legten zwei, drei herrliche Balladen hin, deren letzte sich zu einem Sound-Feuerwerk entwickelte, welches einem eine Gänsehaut über das Kreuz schleuderte. Und dann war die Zeit für einen großen,

alten Mann des Schlagzeuges gekommen. Ric Lee, Original-drummer von TEN YEARS AFTER, der schon beim legendären WoodstockFestival dabei war, und noch heute dann und wann mit der legendären Band unterwegs ist, spielte einen Song aus Woodstock-Tagen; "The Hobbit", der Ten-Years-After-Song nach "Going Home". Und bei seinem Drum-Solo zeigte er, was gute alte Musiker zu leisten imstande sind. Mit einigen geilen Rock´n Roll-Titeln und zwei Zugaben beendete die INNES SIBUN BAND das Konzert. Allerdings war der Abend damit noch nicht gelaufen, denn wie das so üblich ist, wurde unten in den Gewölben der Kulturwerkstatt mit Freunden der Band und des Hauses noch kräftig gefeiert. Schön war´s. (Siehe "News - Klatsch u. Tratsch") (Hh)

Der Telök

suchte Radbod heim.

Da kann man mal sehen: Wenn der Tag und das Programm stimmen, dann lassen sich die Hammenser doch noch nach Bockum-Hövel locken.

Ungewohnt viele Zuschauer waren ungewohnt begeistert von der Comedyshow der beiden Wanne-Eickeler, die unter dem Namen "Telök" derzeit durch Deutschland touren. Sie dürften dem einen oder anderen Comedy-Fan, von der Mattscheibe her auch durchaus ein Begriff sein. Um so erstaunlicher, die mal im Kulturrevier anzutreffen! So kennt man Veranstaltungen des Kulturreviers Radbod leider gar nicht. Und wie in der Vorankündigung versprochen, boten Dirk Sollonsch und Martin Frommes auch Comedy vom feinsten. Keineswegs mitleidig, sondern mit einem herrlich schwarzen Humor baute Frommes seinen halben Arm in das Programm ein. Na, man könnte meinen, das sei geschmacklos, doch es verhielt sich eher so, dass er gekonnt uns "Nichtgehandicapte" vorführte. Derart z.B., dass er das großzügigerweise gespendete Behindertengerät, das eigentlich für eine gänzlich andere Behinderung vorgesehen wäre, wie in einem schlechten Werbespot mit Zahnpastagrinsen anpries. Ein geradezu gnadenloser schwarzer Humor mit einer Prise Selbstironie und einem Teelöffelchen "Winkmitdemzaunpfahl". Und auch Dinge wie der "Irrsinnskult" um die Backstreetboys wurde aufs wunderbarste auf Korn genommen. Man stelle sich diese beiden Herren im Miniröckchen vor... ganz girlielike, kreischenderweise mit "Der Teeniezeitschrift" in der Hand und das alles mit den Telök-gemäßen Dialogen.

Geradezu köstlich fand ich auch den Anti-Aids-Pro-Kondom-Werbespot. Im Hintergrund Musik von Jimmy Summerville, mimten die beiden zwei sich näherkommende Schwule in einer Diskothek. Dazu hörte man eine männliche Stimme aus dem Hintergrund, die die Gedanken des einen oder anderen wiedergab, ob der Befürchtungen, die Mann ja so haben könnte, falls Mann sich näherkäme und falls es dann weiter ginge... Na, die Pointen kann ich hier nicht vorwegnehmen. Wird mir ohnehin nicht gelingen, das muß man sich schon selber ansehen. Auch die Sesamstraße wurde nicht ausgelassen und der Untergang der Titanic - so bestimmt noch nicht gesehen...(wi)

Lily of the valley

- Zu Gast in Hamm -

Die Woche zuvor so toll besucht, am Freitag darauf das übliche Radbod-Pech. Immerhin ganze ZWEI zahlende Gäste ahnten, dass sie etwas hätten verpassen können, wenn sie nicht hingegangen wären. Wenn Mann "Frauenband" hört, denkt Mann sofort an Barbipüppchen, die gekonnt mit dem Ar... wackeln aber keineswegs gekonnt mit der Musik umgehen. Tja, Lily of the valley bewiesen haargenau das Gegenteil. Sie legten einen dreistimmigen Gesang hin, von dem in dieser Umgebung so manche Band träumen darf. Welche Idole die Ladys haben, ließ sich erfreulicherweise ganz und gar nicht heraushören! Denn die Damen haben ihren ganz eigenen und sehr unverkennbaren Stil. Die Bühnenshow war auch nicht von schlechten Eltern, trotz des raren Publikums. Erotisch-rockig aber keineswegs ordinär. Und wenn sich eine mal das Akkordeon griff, klang das nicht wie Volksmusik – nö, auch nicht mit der Bratsche. Es war auch nicht gehampelt, wenn sie mal Gitarre und Bass untereinander austauschten. Oder mal die Querflöte und diverse Percussionsinstrumente zur Hand nahmen. Da haben die vier Ladies Bühnenerfahrung in verschiedensten Länder sammeln können, auf den unterschiedlichsten Bühnen musiziert und landen in Hamm vor ZWEI Menschen, die zuhören! Wie die Leadsängerin sagte, habe sie in neun Jahren Musikerdasein zum ersten Mal das Gefühl, sie stünde vor der Jury aus dem Film "Fame". Das war wohl verständlicher Weise für die Wiesbadenerinnen ungewohnt. Und vor allem hatten die das wirklich nicht verdient!!! Ich hatte ja fast schon den Verdacht, dass die "Herren der Schöpfung" geahnt hatten, dass sie bei den Damen mal eine Lehrstunde hätten erfahren können und einfach gekniffen haben. Aber ich glaube eher, dass der Tag wohl mal wieder nicht der richtige war, um das allgemeine Interesse zu wecken. Es ärgert mich geradezu, dass die hier so untergegangen sind - vielleicht holt sie ja doch noch mal jemand nach Hamm...es würde sich lohnen Lily of the Valley live mal gesehen zu haben!!! Und sie schlugen sich wirklich wacker und scherzten mit den paar Leutchen herum. Natürlich gehört es auch zum Musikeralltag, dass einem sowas mal passiert, aber warum ausgerechnet in Hamm? Tja, meine Lieben ignorierenden - da habt ihr was verpasst! (wi)

Corner Inn in Stimmung

PILEDRIVER

Jeans und Turnschuhe waren angesagt

Selten wohl war eine auswärtige Band so häufig zu Gast im Hamm, wie PILEDRIVER, die Status Quo-Coverband. Das hat aber auch sicher seinen Grund, denn die vier Musiker, die sich ausschließlich der Musik der immergrünen Altrocker aus England widmen, machen Stimmung. Jedesmal. Einmal schon haben sie den Hoppe Garden, und jetzt, am 13. November, das dritte Mal das "Corner Inn" aufgemischt. Und wieder haben sie den Laden vollgemacht. (Publikumsmäßig meine ich natürlich). Mit einer kleinen Clubanlage, die einen recht guten Sound hervorbrachte, knallte die Band die Status-Quo-Songs routiniert, sauber und voller Power den Zuschauern um die Ohren. Die Original "Quo´s" haben sich inzwischen optisch etwas verändert, was sicherlich auch etwas mit dem unvermeidbaren Alterungsprozess zu tun haben wird. Außerdem haben sie sich zu einem Quintett fruchtbar vermehrt. PILEDRIVER dagegen sehen so aus, wie die echten Jungs früher, kurz nach der Währung. Francis Rossi und Rick Parfitt waren deutlich zu erkennen, und auch die anderen beiden am Bass und an den Drums konnten eine gewisse Ähnlichkeit mit den Originalen nicht verbergen. Und die Musik, ja, wenn man die Augen schloß, glaubte man tatsächlich die großen Vorbilder zu hören. Nun ja, fast jedenfalls. Denn die echten Quo hätten aus dem Corner Inn wahrscheinlich eine Schutthalde gemacht. Und der Nachbar, der stets die Ordnungsmacht zu Hilfe ruft, wäre sicherlich aus dem Bett gefallen. PILEDRIVER dagegen haben mit einer durchaus erträglichen Lautstärke einen kraftvollen Sound auf die Reihe bekommen. Und man höre und staune; die Band hat auch ein paar Songs gespielt, die ich noch nicht kannte. Und wer ein wenig auf die Gitarrenarbeit der beiden Gitarristen geachtet hat, konnte feststellen, daß die Quo-Songs keinesfalls mit drei Griffen zu bewältigen sind. Ob PILEDRIVER auch diesmal etliche Zugaben geben mußten, weiß ich leider nicht, (ich gehe aber davon aus) denn ich mußte zurück zu einer Geburtstagsparty, die ich extra wegen dieses Berichtes unterbrochen habe. Hat sich aber gelohnt . . ! (Hh.)