Volles Haus im "ANNO 1888"
Walter Trout on Tour
Soester Publikum kam pünktlich
Lange hat es gedauert, bis ich den englischen Gitarristen Walter Trout mit seiner Band endlich live zu sehen bekam, denn am 11.11., genau zum Narrenstart, gastierte er im "Anno 1888" in Soest. Außer mir wollten noch weitere
260 (!) Zuschauer den kleinen korpulenten Gitarrenkünstler sehen. Erstaunlich an einem Donnerstagabend, und dann für 28,- DM an der Abendkasse. Für Hamm undenkbar, aber in Hamm ist ja auch nichts los . . !
Um 21.00 Uhr startete Walter Trout die Show und der gemütliche Laden war schon gerammelt voll. Seit seinem 16. Lebensjahr steht Walter schon auf der Bühne und er lernte sein Handwerk von keinen Geringeren als John Lee Hooker, Joe Tex, Louisiana Red und Percy Mayfield, den unbestrittenen Größen des Blues. Jeweils fünf Jahre spielte Trout bei Canned Heat und John Mayall, bevor er sich mit seiner eigenen Band auf Tour begab. Und bei John Mayall´s Bluesbreakers habe ich den Gitarristen Walter Trout vor 15 Jahren das erste Mal live gesehen, und ich war restlos begeistert. Er hat mich bei meinem eigenen Gitarrenspiel sogar derartig beeinflußt, dass ich noch heute Riffs und Solopassagen von ihm spiele. Und so bin ich mit dem Willi-Fotorafen Rainer und ein paar Freunden nach Soest gefahren, um eines meiner großen Blues-Vorbilder wiederzuhören. Und dann? Ja, dann war ich sehr enttäuscht. Nicht, daß Walter Trout schlecht war, keineswegs. Und seine Musiker, allen voran der fantastische Drummer, waren hervorragend. Aber den alten Blues-Haudegen kannte ich musikalisch kaum wieder. War sein früheres Markenzeichen diese herrliche, sparsame aber trotzdem virtuose Bluesgitarre, so ist es heute ein wirres, wiggeliches Gitarrengejammere, was fast jeder einigermaßen begabte Metal-Gitarrist zu spielen im Stande ist. Jeder Song, sei es ein Slow-Blues, ein Rock´n Roll oder eine Ballade, wird von Trout zugeballert. Da konnte selbst der Keyboarder, der Ähnlichkeit mit einem jüngeren Tony Ashton hatte, mit seiner alten Hammond-Orgel nichts mehr ausrichten, denn er war kaum zu hören. Und als die Band Robert Johnsons, und von den Stones herrlich interpretierten "Love in Vain" anstimmte, sagte ich zu Rainer, im Hinblick auf das göttliche Solo des alten Stones-Gitarristen Mick Taylor: "Wenn er dieses Stück jetzt auch noch zuballert, dann höre ich ab sofort nicht mehr hin . . ." Und was tat Walter Trout . . ? Richtig! Wir haben uns dann an die Theke gesetzt und das leckere Bier und die nette Bedienung genossen.
Damit mich der geneigte Leser nicht falsch versteht; das Konzert der Walter Trout Band war ein Erfolg, die Veranstalter waren zufrieden und das Publikum begeistert. Und mehrere Zugaben mußte der übrigens sehr gute Sänger auch geben. Aber in meinen Artikeln schreibe ich meine Meinung, das darf ich. Und mir hat es nun mal nicht so gut gefallen. Punkt! (Hh.)