Im Gespräch

Würgolenium

Von André Schörnig

Echt super!! Das Millennium steht vor der Tür. Zumindest jetzt, wenn ich das hier schreibe. Wenn Ihr das lest, ist es schon da gewesen, dieses unglaubliche Gefühl, wenn die ganze Nation das Jahrtausend verlässt. Das Gefühl, was man höchstens einmal im Leben hat, wenn man nicht gerade das Glück hat, ein Typ wie der Noah von der Arche zu sein.

Das Gefühl, was wir uns eigentlich schon zum Regierungswechsel erhofft haben.

Ein Ruck ist durch das Land, durch Europa, durch die ganze Welt gegangen, wenn Ihr das hier lest. Und nicht nur deshalb, weil man plötzlich feststellen muß, dass man am 1.1.2000 plötzlich 7 Milliarden Miese auf dem Konto hat.

Nein, ein freudiger, friedlicher Ruck wird es gewesen sein, hin zu mehr Wärme in unserer Zeit, unserer neuen Zeit. Vielleicht sind endlich die Aliens gekommen und haben uns erlöst, entweder mit der Kraft der Liebe oder Ihren Phaserkanonen. Egal. Ich spüre, daß es bald besser wird. Alles, für alle! Blumenverkäuferinnen auf dem Wochenmarkt streiten sich friedlich um den ersten Platz des reichsten Menschen der Welt, weil jeder Mensch plötzlich andauernd irgendwem irgendwelche Blumen schenken will. Bill Gates` Herzschrittmacher hat den Y2K Bug nicht überlebt, und kurz nach 0 Uhr am 1.1.2000 geglaubt er sei eine Waschmaschine mit Windows 3.11 Betriebssystem.

Die Leute werden fröhlicher sein und netter miteinander umgehen. Der Herausgeber dieser Zeitung wird jeden Monat Freudensprünge machen, weil ich meine Story pünktlich zum Redaktionsschluß abliefere und nicht immer eine Woche danach.

Wenn es nach dem Fenster putzen regnet, werden wir nicht länger mit Stühlen um uns werfen, sondern darüber lachen und die Arbeit ein zweites Mal tun.

Alle Menschen gehen Sonntags in die Kirche und verkünden auch wochentags die frohe Botschaft Gottes. Jeder hält sich an die zehn Gebote, bis auf das mit dem Ehebrechen, weil alle so voll Liebe sind. Der Papst ist unverhofft schwanger geworden und findet niemanden der ihn dazu beraten will. Helmut Kohls Regierungszeit wird annulliert und als nichtig erklärt und der echte Gerhard Schröder moderiert ab sofort die Gerd Show auf EinsLive.

Ja Freunde, noch mehr wunderbares wird passiert sein, wenn Ihr diese Zeilen endlich lest. Seit nicht traurig, wenn Euer Videorecorder glaubt er sei zurück ins Zeitalter Edisons gefallen und er Euch nicht mehr GZSZ (ab 2000 übrigens nur noch GZ) aufnimmt. Ein guter Freund, vielleicht Euer Nachbar leiht Euch bestimmt seine Pornosammlung.

Hoffentlich merkt Ihr auch welch ungeheureres Glück uns widerfahren ist, als wir das Jahrtausend des Krieges, der Zwietracht und der Jakob Sisters hinter uns gelassen haben. Ich jedenfalls freue mich schon sehr auf den ersten Kater, und den mit ihm verbundenen Kotzkrampf im neuen Jahrtausend, während im Fernsehen Martin McGrinsi Schmitt beim Neujahrsspringen noch 15m weiter kommt. Ich liebe Euch.