Rückblick

Jürgen von der Lippe

Der Meister rief und alle kamen

Wenigstens 2000 Lippe-Fans und solche, die es werden wollten, zog es an zwei Tagen, in die seit Monaten ausverkaufte Maxihalle, um Jürgen von der Lippe zu hören und zu sehen. Und was geboten wurde war in allen Belangen vom Allerfeinsten.

Es gibt wohl kaum jemanden in der deutschen Comedy-Szene, der es so gut versteht, banale Situationen des Alltags ein wenig überspitzt zwar aber dennoch so treffend zu artikulieren. Die Themenpalette reicht vom nichtrauchenden Vegetarier, denen er unterstellt, Tiere zu töten, indem sie ihnen "das Futter wegfresse bis hin zur Selbstironie, indem er auf sein Gewicht anspielend äußert, "er sei exakt so schwer wie John Wayne, mit Pferd."

Was im Wesentlichen die Pointen unterstützt, ist die unnachahmliche Art von der Lippes, wie schon einleitend erwähnt, die ganz normalen Dinge des Lebens zu erzählen. So z.B. auch, wie man mit der Frau Gemahlin leicht angetrunken darüber diskutiert, wer den Wagen von der Party aus nach Hause lenkt, vor allem auch wie.

Wer hier nicht wenigstens amüsiert ist oder gar herzlich lachen kann, muss schon den Humor eines oberschlesischen Postbeamten haben.

Ich persönlich meine, dass Jürgen von der Lippe schwer mit anderen Künstlern dieses Genre verglichen werden kann, vielleicht noch gerade mit einem Harald Schmidt oder Rüdiger Hoffmann.

DUB ist kein Roots - Reggae

Zunächst war es nicht ganz so voll wie gewohnt, dann aber füllte es sich nach und nach am 4. Dezember in der Promille. Und ganz wie erwartet bot eine Live-Band schwarze Musik. Dieses Mal, den Dub-Fans natürlich ein Begriff: Hypnotix, die ihren eigenen Stil Trance-Dub nennen.

Da ich mitbekommen habe, dass einige Leute, in der Erwartung auf Reggae à là Bob Marley, recht enttäuscht gingen, sollte ich an dieser Stelle einmal vielleicht etwas Aufklärung betreiben. Bob Marley pflegte seinerseits den Roots-Reggae musikalisch darzulegen - Karibik und so weiter. Aus dieser Musikrichtung, die ja nun zugegeben ein recht zeitlupenähnliches Temperament besitzt, entstanden verschiedene Richtungen. Den etwas belebenderen Stil, u. a. mit Bläsern und Synthis unterstützt bezeichnet man als Dub-Reggae. Wenn nur von Dub die Rede ist, dann handelt es sich um nahezu ausschließlich synthetische Musik, denen jedoch auch noch Reggae-Klänge innewohnen. Entschließt sich eine Band Trance-Dub darzubieten, kann man davon ausgehen, dass man eine Mischung aus Trance (bekannt aus der Techno-Szene) und Dub zu hören bekommt. Roots Reggae und Dub sind doch recht voneinander entfernt!! Langer Rede kurzer Sinn: Die Band war keineswegs scheiße, sondern einige haben da etwas missverstanden. Das musste jetzt mal gesagt werden! Naja, dem Hauptpublikum war das Gott sei Dank wohl bewusst und es hatte den Promille-like Partyspaß. Hypnotix verstehen tatsächlich gemäß ihres Namens das Publikum fast zu hypnotisieren. Der Gesang zwar knappgehalten aber gezielt mit Hilfe entsprechend tranciger Effekte eingesetzt, war letztendlich nur das i-Tüpfelchen zum Sound. Bassklänge, die es nicht zuließen, dass irgend jemand gelangweilt herumstand, die gingen in die Beine, ein Synthi-Sound, der einen geradezu einwickelte und Konga-Klänge (von Hand gespielt!) ergaben in dieser Formation ein Ganzes, dass einen fast unmerklich zum Tanzen zwang. Man brauchte sich nur vor die Bühne zu stellen und sich wegtragen lassen. Klappte wunderbar!

Und gemäß der Vorankündigung sind Vergleiche mit Bands wie Massive Attack keineswegs weit hergeholt. Die Musik der Prager geht unter die Haut! Und sie wissen, wie bereits erwähnt ihr Publikum entsprechend zu bewegen. Also noch mal für die Nörgler: Nächstes Mal genau recherchieren und dann entsprechend ausgehen!

Abgesehen davon, sollte man ja auch laut Willi-Ankündigung am 23.12. noch mit Roots Reggae entschädigt werden...

(wi)

Übertriebenes Posing, Polonäsen und die verdammte Spielsucht.....

Letztes Jahr war es ja eigentlich schon mein heimliches Highlight im Jugendzentrum Südstraße, doch nach dem diesjährigen Ausfall des Nachwuchswettbewerbes war das Weihnachtskonzert im JZ Süd wohl DIE Veranstaltung im ausklingenden Jahr. Und NICHT dieses Jahrtausends, wer auch immer das dem niederen Pöbel eingehämmert hat, er soll in der Hölle brennen. Worte wie "Millennium" und Floskeln über das ausklingende Jahrtausend (31.12.2000!!) sollten bei der Wahl des "Unwortes" auf jeden Fall berücksichtigt werden. Und falls es irgend jemand wagen sollte mir ein "frohes neues Jahrtausend" evtl. am Silvesterabend zu wünschen, dem werde ich höchstpersönlich wer weiß was antun. Genau wie unserem OB, dem Gerüchten zufolge das JZ Süd ein Dorn im Auge ist. Aber es gibt ja zum Glück (?) noch einen anderen H.P. Komischerweise den der peinlichen Formation "SCOOTER". Das erste mal in seinem Liedgut hat er recht, mit seinem neuen Hit FUCK THE MILLENIUM. Aber muss dafür ausgerechnet er daherkommen? Egal. Zurück zum Wesentlichen. Wir waren also am 17.12 beim Weihnachtskonzert. Und mit uns ca. noch 87452 andere. Endlich war der Laden mal wieder richtig voll. Sogar unser aller Heinz wurde auf seine alten Tage noch mal warm ums Herz. Die Antifa war mit einem Stand anwesend und auch bei mir kamen Erinnerungen an eine schöne Zeit hoch. Es hockten wieder Menschen im Raum vor den Toiletten, auch schon länger nicht mehr dagewesen. Und warum das alles? Es lag eindeutig an der superben Besetzung dieses Freitags. WAKE, PETRA und die UNVORSTELLBARE PEIN zogen die Massen.

Doch der Reihe nach. WAKE sind Metal, WAKE sind guter Metal, nein WAKE sind überdurchschnittlicher Metal, sogar mit Fans und das nach doch recht kurzer Existenz. Zuletzt hatte ich sie beim Karnevalshappening an gleicher Stelle bestaunen können. Altbewährte Riffs neu arrangiert, so kamen sie daher. Wobei wir zu der Bühnenpräsenz kommen. Ich glaube, ich hatte meine Aversion gegen Menschen die sich mit Hemd inne Buchse auf die Bühne trauen schon zu einem früheren Zeitpunkt bekanntgegeben. Und was sich der Gitarrist an Rumgehampel lieferte war schon reine Selbstüberschätzung. Wenn Posen, dann auch richtig. Er sollte sich mal ein Beispiel an GERONIMO GOLDO nehmen. Aber das sind nur Äußerlichkeiten, deshalb hab ich auch keine Fotos von den Jungs und dem einen Mädel geschossen, ich will ja keinen blenden. Von der Musik her bodenständig gut bis herausragend in dieser Sparte auf dem Hammer Sektor.

Metal war auch mal mein Metier bis ich erkannt hatte, dass es auch anderes gibt, obwohl ich mir in jungen Jahren geschworen hatte, immer bei meinen Wurzeln zu bleiben, aber dagegen kann man sich wohl nicht wehren und gegen zwei Stimmungskanonen anzutreten ist nun mal nicht einfach.

Nach kurzer Umbaupause folgten die Schweine von PETRA. Warum Schweine? Diese Jungs haben es geschafft mir ein paar Zeilen in den Kopf zu ballern, die ich bis jetzt nicht losgeworden bin. Wären wir in Amiland, ich würde Sie wegen Ablenkung im Alltag verklagen, sagen wir auf drei Millionen?

Schon den ganzen Tag habe ich folgendes im Kopf, Herr Scholz: "Alles verloren, hunderttausend Mark weg, Elfriede. Ich bin spielsüchtig, spielsüchtig....." Es ist zum erbrechen. Vorgetragen nur mit Gitarre und Gesang haben sie es geschafft, mich zu ohrwurmen. Doch genau das wollte ich vermeiden, aus Protest darüber, dass mein persönliches Lieblingslied "Ich will `ne rothaarige Frau als Mann" aus dem Set geworfen wurde. Aber das bestätigt mich nur. Ich habe den Draht zu überdurchschnittlichen Liedern, die keiner versteht oder hören will. Außerdem gab‘s noch von den Felsen- Musikern die eine oder andere Adaption zu Lieder von FUNNY VAN DANNEN, ja auch den schätze ich sehr. Mehr will ich jetzt dazu nicht schreiben, basta.

Es folgte der für mich folgenschwere Auftritt der UNVORSTELLBAREN PEIN. Dieser fand leider zu fortgeschrittener Stunde statt und ich musste am Samstag arbeiten. Mein Chef war nicht sehr begeistert von meiner dreistündigen Verspätung. Von meiner Fahne mal ganz abgesehen. JA UND ? Es war PEIN. Und PEIN MUSS SEIN. Scheiß auf das System. Diese Abmahnung nehme ich dankend an. Aber was soll ich zu den Jungs noch sagen? Vollgötter in Weiß ? Wenn der Punk noch nicht erfunden worden wäre, die PEIN hätte dafür gesorgt. Und auch Sie brachten völlig neues Liedgut zu Tage, nach was weiß ich wie vielen Jahrzehnten. Sie machten sich rar. Der letzte Auftritt in Hamm liegt, so glaube ich, ein Jahr zurück. Aber das ist vollkommen nebensächlich. Die UNVORSTELLBARE PEIN kann auch 50 Jahre nicht mehr in Hamm spielen, den Zuschauerzuspruch schmälert das in keinster Weise. Ein Ikone des Hammer Musikgeschäftes, ein Kaiser der Szene, einfach nur DIE Band. Ihr kann keiner das Wasser reichen, geschweige denn die Instrumente. Meine Vorstellung des Himmels für Musikwissende hat die UNVORSTELLBARE PEIN in ihrer Mitte. Amen. A.P.a.M.

Konzert im Corner Inn

"Da Freaky Element"

Junges Publikum hörte junge Band

Eine Band aus Hamm, die ich noch nicht kenne? Nun, auch so etwas muss es wohl geben, und um so interessanter dürfte auch der Besuch im "Corner Inn" werden. "Da Freaky Element" heißt die junge Band, die am 11. Dezember in der Kneipe an der Alleestraße ein Konzert gab. Gegen 20.45 Uhr, als ich den Laden betrat, saßen zwei der Musiker an der Kasse und machten ein besorgtes Gesicht, denn sehr viele Gäste hatten noch nicht den Weg ins "Corner" gefunden. Kein Wunder, es lief noch ein Fußballspiel im TV, aber es wird schon werden. Kurz darauf kamen auch meine Freunde, die mir beim Zuhören beistehen wollten und so nach und nach füllte sich der Laden und die Gesichter der Musiker wurden entspannter.

Leider ist das Bühnenbild im "Corner Inn" noch immer nicht professioneller geworden, die Band muß sich den Platz mit aufeinandergestapelten Spiel-geräten teilen. Nun, nicht zu ändern (?) Um 21.45 Uhr begann die Band dann mit ihrem Konzert. Hoppla, was war das denn? Das war ja richtig gut; durchsichtiger, sauberer Sound, eingängige, sehr gut durcharrangierte Songs mit Melodien mit hohem Wiedererkennungswert. Christoph Domke am Bass und Tobias Berghoff am Schlagzeug bildeten einen soliden, kraftvollen Background für das interessante und abwechslungsreiche Gitarrenspiel Tobias Dickmeis´, der eine originelle Lead-, ebenso wie eine sichere Rhythmusgitarre auf die Bretter legte. Die Musik klingt frisch, flott und das meist jüngere Publikum fuhr voll darauf ab. Der insgesamt niedrige Altersdurchschnitt ging durch uns zwar völlig flöten, aber auch Herren im gesetzteren Alter (die Dame ausgeschlossen) konnten sich mit der Musik von "Da Freaky Element" durchaus anfreunden, denn es waren vereinzelt Einflüsse aus Musikstilen früherer Jahre zu erkennen. Ich weiß nicht, ob sich die Musiker dessen bewusst sind, aber einer ihrer "Paten" ist Edgar Broughton, ein englischer Musiker, der in den 60ern/70ern mit seiner berühmten "Edgar Broughton Band" Furore machte. Natürlich will ich es nicht versäumen, besonders auf die beiden Stimmen der Band hinzuweisen, denn Stefan Lehmköster (Lead-Vocals) und Lea Freese (Backing Vocals) sind mehr als erwähnenswert. Die beiden Stimmen passen zusammen, als wären sie füreinander geschaffen worden. Auch die Bühnenpräsenz von Stefan Lehmköster war durchaus professionell. Mit einer rockigen Version von ABBA´s "Super Trouper" beendete "Da Freaky Element" ihren Gig, und man kann nur hoffen, dass sich die Band nicht allzu bald auflöst. Denn dann darf man gespannt sein auf das, was noch kommt. (Hh.)